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04.03.2013

19:30 Uhr

Zehn-Punkte-Plan

Fifa macht aus der Reform ein Reförmchen

Die mächtigsten Männer im Weltfußball werkeln an Reformen. Doch von den einst ausgerufenen Zielen bleibt wenig übrig. Mehr Transparenz? Mehr Demokratie? Von wegen. Die Kritik der Beobachter ist vernichtend.

Fifa-Logo: Mehr Schein als Sein. dapd

Fifa-Logo: Mehr Schein als Sein.

Zürich/BerlinDer ehrenhafte Zehn-Punkte-Plan für mehr Demokratie und Transparenz bei der skandalumwitterten Fifa schrumpft immer weiter zusammen – aus der großen Reform von Präsident Joseph Blatter wird bestenfalls noch ein Reförmchen. Die Kritik von Anti-Korruptionsexperten wie Transparency International ist vernichtend. „Es war zu befürchten, dass es so kommt. Der Berg kreiste und gebar ein Mäuslein. Politik, Öffentlichkeit und andere dürfen sich nicht mit einer Viertelreform zufriedengeben“, sagte Vorstandsmitglied Sylvia Schenk der Nachrichtenagentur dpa.

Spätestens nach der Sitzung der sechs Kontinentalverbände unter der Leitung von Theo Zwanziger in der Fifa-Zentrale in Zürich ist klar: Die mächtigen Männer im Weltfußball lassen sich nicht auf größere Einschnitte ihrer Befugnisse ein und weichen die von Fifa-Ethik-Experte Mark Pieth ausgearbeiteten Vorschläge immer weiter auf.

Amtlich festgestellt: Welt-Fußballverband Fifa ist korrupt

Amtlich festgestellt

Welt-Fußballverband Fifa ist korrupt

Es ist eine Sensation: Die Fifa, der mächtige Fußball-Weltverband, räumt einen millionenschweren Korruptionsskandal ein. Jahrelang schwiegen die Funktionäre, auch Präsident Sepp Blatter. Nun ist es nicht mehr zu leugnen.

„Wir geben keine Zwischenmeldungen ab. Wir sind auf einem sehr guten Weg, die finalen Ergebnisse zu erzielen. An diesen werden wir uns messen lassen“, lautete der Schlusssatz Zwanzigers in einem am Dienstagabend auf der Fifa-Homepage veröffentlichten Interview. Der ehemalige DFB-Präsident kämpft wacker für seine Überzeugungen, wirkt aber im Machtkampf der Fußball-Alphatiere mal wie Blatters Reform-Feigenblatt und mal wie der Don Quijote der Sport-Funktionäre.

Die im Internet veröffentlichten Beschlüsse lassen vermuten, dass die beim Fifa-Kongress am 31. Mai zur Abstimmung stehenden Resultate nur ein Minimalkonsens sind, der sowohl Blatter als auch seinem potenziellen Präsidentschaftsrivalen Michel Platini gute Bedingungen für eine künftige Regentschaft ermöglichen. „Arbeitsgruppe macht weiteren Schritt im Reformprozess“, lautete die simple Überschrift der Fifa-Pressemitteilung – man fragte sich nur: in welche Richtung?

Fifa: Die Organisation des Fußballweltverbandes

Fifa-Kongress

Er ist die Vollversammlung des Fußball-Weltverbandes. Der Kongress wird von den 209 nationalen Mitgliedsverbänden gebildet und ist das höchste legislative Gremium der Fifa. Jeder Verband hat dabei eine Stimme. Der Kongress tritt mindestens einmal im Jahr zusammen. Er trifft Entscheidungen über die Fifa-Statuten und über die Aufnahme oder den Ausschluss von Mitgliedern.

Aufgaben des Kongresses

Zu den wichtigen Aufgaben des Kongresses gehört auch die Wahl des Fifa-Präsidenten. Künftig soll die Vollversammlung darüber entscheiden, wer die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft ausrichtet - wie, ist aber noch offen. Mit dieser Reform aus dem Jahr 2011 reagierte der Verband auf die schweren Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe der Titelkämpfe 2018 nach Russland und 2022 nach Katar.

Exekutivkomitee

Das Exekutivkomitee ist das ausführende Organ der Fifa, vereinigt aber sehr viel Macht auf sich. Kopf ist der auf vier Jahre gewählte Präsident, seit 1998 Joseph Blatter. Darüber hinaus gehören dem Komitee 24 Mitglieder an, darunter acht Vizepräsidenten. Sie werden nicht vom Kongress gewählt, sondern durch die Fußball-Konföderationen (Kontinentalzusammenschlüsse) und Verbände ernannt.

Aufgaben

Das Exekutivkomitee ernennt die Vorsitzenden und die Mitglieder der Ständigen Kommissionen, zum Beispiel für Finanzen und für Medizin. Es besetzt aber auch Rechtsorgane wie zum Beispiel die Ethikkommission, die sich um Betrugsvorwürfe kümmert. Bis 2011 bestimmte das Exekutivkomitee den Ort und die Daten der Fußball-Weltmeisterschaften.

Verdacht

Am Prinzip wurde erst gerüttelt, als zehn Mitglieder des Exekutivkomitees unter Korruptionsverdacht standen. Einige wurden suspendiert, andere lebenslang gesperrt - wie im Juli 2011 Fifa-Präsidentschaftskandidat Mohamed bin Hammam aus Katar. Die Ethikkommission sah es als erwiesen an, dass er Stimmen für seine Wahl zum Fifa-Chef kaufen wollte - bin Hammam bestritt das. Fifa-Vize Jack Warner trat bereits im Juni 2011 von allen Ämtern zurück, die eingeleiteten Verfahren wurden damit einfach beendet.

Präsident

Seit 1998 steht der Schweizer Joseph Blatter an der Spitze der Fifa. Bei den beiden letzten Wahlen hatte er keinen Gegenkandidaten. Trotz der Korruptionskrise wurde Blatter Anfang Juni 2011 mit großer Mehrheit wiedergewählt - 186 der 203 abstimmenden Delegierten votierten für ihn. Allein schon eine Verschiebung dieser Wahl zur Klärung aller Vorwürfe wäre schwierig geworden. Denn dafür ist eine Dreiviertel-Mehrheit der 209 Mitgliedsverbände nötig.

Aufgaben

Der Präsident führt nicht nur die Kongressverhandlungen. Über das Exekutivkomitee, das er einberuft und leitet, hat er ebenfalls große Machtfülle. Bei Patt-Situationen in Abstimmungen gibt seine Stimme den Ausschlag. Auf Vorschlag des Präsidenten ernennt und entlässt das Exekutivkomitee auch den Generalsekretär, der die Verwaltung der Fifa leitet. Um den Präsidenten zu zwingen, eine außerordentliche Sitzung einzuberufen, müssen sich mindestens 13 der 24 Mitglieder auf einen Antrag dafür einigen.

Durchgewunken wurde von den Generalsekretären und Juristen der sechs Fußball-Kontinente eine Amtszeitbeschränkung für den Fifa-Präsidenten auf zwölf statt der einst geforderten acht Jahre. Dies ist ein Erfolg für Platini, dessen Uefa sich für diesen Zeitraum ausgesprochen hatte. Gleichzeitig wurde aber jedes Alterslimit für den Fifa-Boss gekippt. Nicht mit 70 Jahren, nicht mit 72 Jahren muss künftig Schluss sein. Ein Punktsieg für Blatter - ist doch dadurch eine weitere Kandidatur im Jahr 2015 möglich. „Eine Altersgrenze wird allgemein als diskriminierend empfunden und daher abgelehnt“, sagte Zwanziger.

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