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17.11.2015

16:58 Uhr

Zeichen gegen Hass und Gewalt

Ein Fußballspiel für die Freiheit

Deutschland gegen die Niederlande, ein Klassiker des Fußballs. Doch wenige Tage nach den Anschlägen von Paris ist die Partie ein Zeichen gegen den Hass. Kanzlerin Merkel wird dort sein – und das Stadion wird zur Festung.

Polizeibeamte bewachen am 16.11.2015 das Training der Fußball Nationalmannschaft der Niederlande in der HDI-Arena (Niedersachsen). dpa

Training Niederlande

Polizeibeamte bewachen am 16.11.2015 das Training der Fußball Nationalmannschaft der Niederlande in der HDI-Arena (Niedersachsen).

HannoverNach den Terroranschlägen von Paris hat das letzte Länderspiel des Jahres gegen die Niederlande am Dienstag für Bundestrainer Joachim Löw keine sportliche Aussagekraft mehr. Die Partie in Hannover soll zu einem Symbol für das friedliche Miteinander und zu einem Signal gegen Hass und Gewalt werden.

„Wichtig ist, dass wir ein Zeichen setzen, uns dem Terror nicht beugen und unsere Freiheit dementsprechend ausleben“, sagte Sportdirektor Hansi Flick vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) in einem Interview mit Sky Sport News HD. „Auch unsere U-Teams spielen in den nächsten Tagen alle mit Trauerflor, um auch da ein Zeichen zu setzen, dass wir in Gedanken mit Frankreich sind - mit den Verletzten, den Toten und den Familien und Angehörigen.

Die Ereignisse von Paris haben auch im Lager der Niederländer die Vorfreude auf den Klassiker gegen Deutschland verdrängt. Bondscoach Danny Blind verlas am Montagabend eine Erklärung, in der er seine Betroffenheit über die Anschläge zum Ausdruck brachte. „Die Ereignisse haben einen tiefen Eindruck bei uns hinterlassen“, sagte Blind. „Man realisiert, dass es wichtigere Dinge gibt als Fußball“, sagte der Nationaltrainer, der mit seiner Mannschaft auf dem Flug von Cardiff nach Hannover den mehr als 120 Opfern in einer Schweigeminute gedachte.

Er begrüße dennoch, dass die Partie am Dienstag (20.45 Uhr) stattfindet. „Sport hat eine verbindende Kraft, die müssen wir gebrauchen“, sagte Blind. Es gehe darum, gemeinsam ein Zeichen gegen den Terror und für „Freiheit, Demokratie und Solidarität“ zu setzen.

Reaktionen der Nationalspieler

Mats Hummels

„Zurück in Deutschland. Unglaublich, was gestern passiert ist. Diese Welt ist jetzt wirklich beschissen. Meine Gedanken sind bei denjenigen, die einen geliebten Menschen verloren haben.“

Ilkay Gündogan

„Wir sind sicher angekommen. Nach einer schockierenden Nacht sind unsere Gedanken bei all den Leuten, die von den Attacken betroffen sind.“

André Schürrle

„Was für eine schreckliche Nacht. Meine Gedanken sind bei den Familien, die ihre Liebsten verloren haben.“

Mario Götze

„Unglaublich - was für eine Tragödie. Meine Gebete gelten den Opfern und ihren Familien.“

Toni Kroos

„Was ist das für eine kranke Welt?“

Antonio Rüdiger

„Wir sind gesund zurück, aber was bleibt, ist ein Schock und die Trauer über all die Opfer und ihre Familien.“

Bernd Leno

„Wir sind daheim gesund angekommen und können nun zu unseren Familien. Meine Gedanken sind aber bei den Opfern und deren Familien.“

Paul Pogba

„Das ist kein Angriff auf Paris, das ist eine weitere Attacke auf die Menschheit. Menschen aus einigen Religionen und Ländern hassen die Freiheit und die Werte des Westens. Sie wollen herkommen, um andere Menschen zu töten. Diese Terroristen werden wir besiegen. Die Kraft der Franzosen und der ganzen Welt muss steigen. Steht auf und sagt nein zu diesen Terroristen und Religionen. Baut keinen Hass auf, seid gute Menschen und verändert die Welt positiv.“

Antoine Griezmann

„In Gedenken an die Opfer der Attacken. Ich danke Gott, dass es meine Schwester rechtzeitig aus dem Bataclan geschafft hat. Meine Gebete gelten den Opfern und ihren Familien.“

Laurent Koscielny

„Keine Worte. So traurig. Beten.“

Viele seiner Spieler hätten bereits am Freitagabend Kontakt mit deutschen Teamkollegen aus der Bundesliga aufgenommen. So auch Schalkes Angreifer Klaas-Jan Huntelaar, der sich bei Debütant Leroy Sané über die Vorfälle informierte. „Wir bekommen es über die Medien mit, aber diese Jungs haben es in Wirklichkeit erlebt“, meinte Huntelaar.

Das Ergebnis im letzten Länderspiel des Jahres sei deshalb vollkommen nebensächlich. „Der Sieg ist nicht wichtig, das Spiel steht allein im Zeichen der Einigkeit, nicht vor dem Terror zu weichen“, sagte Blind. Die sonst so große sportliche Rivalität zwischen Deutschland und den Niederlanden spiele dieses Mal keine Rolle. „Es ist ein Freundschaftsspiel, im wahrsten Sinne des Wortes.“

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Argentiniens Trainer-Legende César Luis Menotti sieht die Nicht-Absage der Fußballspiele von Frankreich und Deutschland nach dem Terror von Paris als wichtiges Signal. „Sie müssen spielen und Flagge zeigen“, sagte Menotti der Deutschen Presse-Agentur in Buenos Aires. Deutschland spielt am Dienstag gegen die Niederlande, Frankreich trifft in London auf England.

Es gehe darum zu zeigen, wie wichtig der Respekt für den anderen sei und dass man dem sinnlosen Terror nicht weichen dürfe, sagte der 77-Jährige, der Argentinien zum WM-Titel 1978 geführt hat und heute wichtiger Ratgeber von Bayern-Trainer Pep Guardiola ist.

Kommentare (13)

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Herr C. Falk

17.11.2015, 17:32 Uhr

Man sollte zumindest dafür sorgen, dass jeder aber auch wirklich jeder Besucher dieses Spiels auf Sprengstoffgürtel untersucht wird.

Es dürfte für potentielle IS-Kämpfer ein Leichtes sein sich diesesmal Eintrittkarten zu besorgen, was sie in dem Länderspiel Deutschland/Frankreich versäumt haben.

Gefahren drohen auch im Einlassbereich vor dem Spiel und am Ausgang nach dem Spiel.

Herr C. Falk

17.11.2015, 17:38 Uhr

Warum jeder Besucher? Es gibt genügend deutschstämmige islamistische Konvertiten, die ausehen wie gebürtige Deutsche und nicht etwa wie Araber, Afghanen oder Tschetschenen.

Persönlich würde ich mich nicht instrumentalisiern lassen von Politikern, die ihrerseits etwas demonstrieren wollen und zu Hause bleiben.

Matt Anderson

17.11.2015, 17:46 Uhr

Die Medien, die man heute noch ernstnehmrn kann, hat sich über dieses achso starke Zeichen gegen die Terroristen bereits ausgiebig amüsiert. Ein Fußballspiel wird dem IS sicher ganz schön Angst einflößen. Respekt! Gut, dass Merkel auch im Stadion ist. Ihre grenzenlose Liebe zu jeden Terroristen und Massenmörder dieser Welt wird die bösen Buben sicherlich erdrücken. Der Westen spielt Fußball und die Terroristen bekommen eine Einladung von der Bundeskanzlerin hier ihr Unwesen zu treiben. Vor diesem Fußballspiel werden die Bombenleger bereits jetzt schon vor Angst zittern.

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