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08.06.2015

11:25 Uhr

Zeugnisse im Fifa-Sumpf

Korruption, Geldwäsche, Betrug und Bestechung

Bankbelege, E-Mail-Verkehr und brisante Video-Aufnahmen: Immer neue Details über ein System korrupter Funktionäre zeichnen ein desaströses Bild des Fußball-Weltverbandes. Auch der Name Joseph Blatter wird genannt.

Kronzeuge im Fifa-Skandal

Warner: „Ich werde alles sagen und auch Blatter nicht aussparen“

Kronzeuge im Fifa-Skandal: Warner: „Ich werde alles sagen und auch Blatter nicht aussparen“

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ZürichBankbelege aus der Karibik und geheime Video-Aufnahmen mit einer dubiosen Fifa-Figur aus Botswana fördern immer neue Details um offensichtlich massive Bestechungspraktiken rund um die Vergabe der WM 2010 an Südafrika zutage. Auch der Name des scheidenden FIFA-Präsidenten Joseph Blatter taucht nun angeblich in einem hochrangigen E-Mail-Verkehr Richtung Südafrika auf.

Beim Fußball-Weltverband ist von der erhofften Ruhe nach der Rücktrittsankündigung Blatters jedenfalls nichts zu spüren. „Kein Kommentar“, hieß es am Sonntag aus dem Hauptquartier in Zürich. Alle Aspekte der neuen Anschuldigungen bis hin zu einer angeblich manipulierten Auszählung der WM-Stimmen zugunsten Südafrikas seien derzeit nicht zu bewerten.

Offensichtlich arbeitet die Fifa-Rechtsabteilung intensiv an einer Beurteilung der Sachlage, denn im Zuge der Ermittlungen der US-Justiz geht es für die FIFA womöglich auch um die Vermeidung einer hohen Millionen-Geldbuße aus den USA.

Berichte aus Südafrika verheißen auch für Blatter nichts Gutes. Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke soll im Jahr 2007 per E-Mail bei der Regierung am Kap angefragt haben, wann mit der Zahlung von zehn Millionen Dollar zugunsten der CONCACAF-Konföderation zu rechnen sei.

Wer folgt auf Blatter?

Kandidaten

Die Liste der möglichen Kandidaten für die Nachfolge von Joseph Blatter ist lang und vielfältig. Einen wirklichen Neuanfang würden jedoch nur wenige bedeuten.
Quelle: dpa

Kongress

Der Wahlkongress soll voraussichtlich zwischen Dezember diesen Jahres und März 2016 stattfinden. Schon am Dienstagabend äußerten sich die ersten potenziellen Kandidaten.

Der Uefa-Chef

Eine Kampfkandidatur gegen Blatter hatte Michel PLATINI (59) als Präsident der Europäischen Fußball-Union stets tunlichst vermieden. Ambitionen auf das höchste Funktionärsamt verhehlte der Franzose hingegen ebenso wenig. Viele Jahre lang hat er Blatter unterstützt.

Blatter-Gegner I

Der gegen Blatter unterlegene Prinz Ali BIN AL-HUSSEIN aus Jordanien und der Niederländer Michael VAN PRAAG erklärten schon am Dienstagabend, dass sie sich eine Kandidatur offenhalten.

Blatter-Gegner II

Luis FIGO, der wie van Praag vor der Wahl zugunsten al-Husseins zurückgezogen hatte, forderte eine „gemeinsame weltweite Lösung“. Aus dem Trio besäße al-Hussein wohl die größten Chancen - pikant würde die Situation, wenn sowohl der aus Europa unterstützte Jordanier wie auch Platini antreten sollten.

Blatter-Gegner III

Der frühere Profi David GINOLA, der schon vor der vergangenen Wahl die notwendigen fünf Unterstützerländer nicht aufbringen konnte, will es erneut versuchen.

Blatters Stellvertreter

Wäre der Schweizer sofort zurückgetreten, hätte Issa HAYATOU als längster sich im Amt befindender Vizepräsident die Geschäfte übernommen; alles andere als ein Neuanfang.

... unter Verdacht

Der 68-Jährige aus Kamerun sitzt seit 1990 in der FIFA-Exekutive und stand schon mehrfach unter Korruptionsverdacht, den er stets zurückwies. 2011 kam er mit einer Rüge des Internationalen Olympischen Komitees für den Erhalt von 20.000 US-Dollar vom früheren Marketingpartner ISL davon.

Ein Strippenzieher

Erst beim Kongress am vergangenen Freitag wurde Ahmad al Fahad AL SABAH ins FIFA-Exko gewählt. Und doch war der Kuwaiti schon mittendrin.

... und Platini

Am Vorabend der Wahl zeigten Fotos den höchst einflussreichen Sportfunktionär an der Seite von Platini, al Sabah weiß wie man Mehrheiten beschafft. Schon Thomas Bach profitierte bei der Wahl zum IOC-Präsidenten von seinen Diensten.

Der Kaiser

Seine Popularität nutzte Franz BECKENBAUER bereits, um die WM 2006 nach Deutschland zu holen - auf ihn als Präsidenten könnte sich die Fußball-Welt sicher einigen. Als Exko-Mitglied war er allerdings bei der skandalumwitterten WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 im Dezember 2010 beteiligt und sieht sich noch mit Ermittlungen der FIFA-Ethikkommission konfrontiert.

Die Fußball-Legende

Der ehemalige brasilianische Fußball-Star ZICO hat eine Kandidatur für das freiwerdende Amt des FIFA-Präsidenten nicht ausgeschlossen. Der 62-Jährige schrieb nach dem angekündigten Rücktritt von FIFA-Chef Blatter auf seiner Facebook-Seite: „Warum nicht? In meinem Leben ist es immer um Fußball gegangen.“

Die südafrikanische Zeitung „Sunday Times“ behauptet, dass Valcke in seinem Schreiben darauf verwiesen habe, dass Blatter und Südafrikas damaliger Staatschef Thabo Mbeki in die Diskussionen um die Zahlung eingebunden gewesen seien. Das würde erstmals den Namen Blatters konkret mit der dubiosen Zahlung in Verbindung bringen.

Laut US-Justizermittlern handelt es sich bei dem Geld um Bestechungszahlungen an Fifa-Funktionäre, darunter die Exekutivmitglieder Chuck Blazer, der geständig ist und Jack Warner, der jede Vorteilsnahme leugnet. Die Fifa beharrt darauf, dass die zehn Millionen Dollar eine legale Hilfsmaßnahme für den Fußball in Mittelamerika seien.

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Das Finale der Champions League ist für Fußball-Funktionäre Pflichtprogramm. Und es ist ideal, um am Spielfeldrand zu reden. Am Samstag in Berlin bietet sich diese Gelegenheit. Acht Probleme müssen die Funktionäre lösen.

Der Name Warner taucht bei praktisch allen Bestechungsvorwürfen immer wieder auf. Immer mehr Einzelheiten zu Betrugspraktiken, Geldflüssen und möglicher Geldwäsche um die schillernde wie dubiose Figur aus Trinidad und Tobago werden publik, inklusive von Überweisungslisten hoher Geldbeträge zugunsten Warners.

Besonders brisant ist aber ein Undercover-Video der englischen Zeitung „The Sunday Times“. Darin äußert das vor fünf Jahren über Betrugsvorwürfe gestolperte ehemalige Fifa-Exekutivmitglied Ismail Bhamjee einen bislang nicht gekannten Vorwurf. Die Behauptung des Mannes aus Botswana: Bei der WM-Vergabe an Südafrika 2004 hatte eigentlich Marokko die Stimmenmehrheit im FIFA-Exekutivkomitee. Dies hätten Gespräche im Funktionärszirkel nach der Abstimmung belegt.

Kommentare (1)

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Frau Marinella Charlotte van ten Haarlen

08.06.2015, 13:04 Uhr

Niemals holen die Behörden Blatter, weil er viel zu viel weiß.
Die FIFA hat doch ihre eigene Stasi gehabt, als Schnüffler war Blatters Apparat bestimmt gut.
Letzte Woche bedrohte dieser Pate noch die Journalisten weltweit.
Blatters Diktatur muss aufgelöst werden. Die FIFA muss weg

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