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14.04.2016

09:41 Uhr

Zoff um einen Trainer

Schanzer schimpfen auf die Bullen

Quelle:dpa

Bundesliga-Aufsteiger Ingolstadt ist verärgert. Die Schanzer fürchten, dass die Leipziger Bullen ihren Trainer mit viel Geld abwerben wollen. Der Kampf um Hasenhüttl ist auch ein Duell der Sponsoren: Audi gegen Red Bull.

Leipzigs Coach Rangnick (r) soll bei einem Geheimtreffen an Ingolstadts Trainer Hasenhüttl (l) herangetreten sein. Foto: Jan Woitas dpa

Personalie

Leipzigs Coach Rangnick (r) soll bei einem Geheimtreffen an Ingolstadts Trainer Hasenhüttl (l) herangetreten sein. Foto: Jan Woitas

IngolstadtImmer wieder RB Leipzig. Schon wieder sorgt die Personal-Suche des finanzkräftigen Erstliga-Aspiranten (Großsponsor Red Bull) für Ärger bei der Konkurrenz. Jüngstes Beispiel ist das angebliche Interesse des designierten Bundesliga-Aufsteigers an Trainer Ralph Hasenhüttl, der sich mit RB-Sportdirektor und Noch-Cheftrainer Ralf Rangnick in seiner österreichischen Heimat getroffen hat.

Mit der Kontaktaufnahme seien „Grenzen des Erlaubten und des Fairplay” übertreten worden, wetterte FCI-Geschäftsführer Harald Gärtner in einer Mitteilung des Vereins, der von der Volkswagen-Tochter Audi finanziell unterstützt wird.

Ob der Cheftrainer des FC Ingolstadt selbst ein mögliches Interesse hat, trotz Vertrag bis 2017 zu den lukrativen RasenBallsportlern zu wechseln, bleibt offen. Auch, ob die Kontaktaufnahme von Leipzig oder von Hasenhüttls Beratern Sven Jäger und Guido Walter ausging. Auf jeden Fall gab es ein Treffen.

Immer wieder Fanproteste gegen RB Leipzig

Anfeindungen

Seit der Gründung von RasenBallsport Leipzig im Jahr 2009 sieht sich der von Red-Bull-Milliardär Dietrich Mateschitz finanzierte Verein immer wieder Anfeindungen gegnerischer Fans ausgesetzt. Eine Chronologie ausgewählter Vorfälle.

2009

Nach der Übernahme des Spielrechts vom SSV Markranstädt gibt es in dem Leipziger Vorort bereits vor den ersten Partien Proteste. Dabei werden unter anderem Werbebanden beschädigt und der Rasen des Spielfeldes mit Unkrautbekämpfungsmittel zerstört.

März 2011

Nach Protesten seiner Fans sagt der KSV Hessen Kassel das vereinbarte Testspiel gegen RB Leipzig ab. Es folgen immer wieder ähnliche Beispiele: Das Prominenteste zuletzt im Sommer 2014, als sich der Bundesligist VfB Stuttgart von seinen Anhängern umstimmen lässt.

Saison 2014-2015

Im Internet wird die deutschlandweite Kampagne „Nein zu RB“ gegründet. Transparente mit der Aufschrift hängen in den Stadien zahlreicher Zweitligisten. Viele Anhänger boykottieren die Auswärtsspiele ihrer Clubs in Leipzig.

September 2014

Beim 1. FC Union Berlin tragen 20.000 Zuschauer im Stadion schwarze Regencapes und schweigen in den ersten 15 Minuten der Zweitligapartie.

Februar 2015

Beim Auswärtsspiel in Aue halten die Fans aus dem Erzgebirge ein Transparent in die Höhe, das Red-Bull-Chef Mateschitz in einer Naziuniform zeigt. Nach der Partie werden Spieler beim Auslaufen mit Schneebällen beworfen.

März 2015

In Karlsruhe erreichen die Anfeindungen mit dem Blockieren des Mannschaftsbusses und des Autos von Sportdirektor Ralf Rangnick, einem geforderten Trikot-Rücktausch und dem Eindringen von schwarz gekleideten Personen ins Mannschaftshotel den vorläufigen Höhepunkt.

März 2015 (2)

In Heidenheim werden Auswechselspieler bei der Erwärmung neben dem Feld mit Bierbechern beworfen. RB-Verteidiger Sebastian Heidinger trifft ein Becher, der mit Urin gefüllt ist.

September 2015

Fans des 1. FC Heidenheim attackierten den Mannschaftsbus von RB. Im Anzug liefen sie dem Bus entgegen und bewarfen ihn mit selbst gedruckten Geldscheinen. Auf den Scheinen war der Schriftzug "Scheiß Red Bull" zu lesen. Zudem wurde Mäzen Mateschitz mit großer Hakennase abgebildet.

Mai 2016

Im letzten Heimspiel als Trainer des FC Ingolstadt wurde Trainer Ralph Hasenhüttl von den eigenen Fans ab ausgepfiffen, weil er zu RB Leipzig wechselte. Im Fanblock hielten Zuschauer große Transparente hoch, darauf stand: Hasenhüttl wolle lieber Rangnicks Hofnarr in Leipzig sein als König der "Schanzer", er habe keinen Charakter.

November 2016

Unbekannte haben auf den Mannschaftsbus des Fußball-Bundesligisten RB Leipzig vor dem Duell bei Bayer Leverkusen eine Farbbeutel-Attacke verübt. Der Vorfall ereignete sich auf der Anfahrt zum Spiel einen Kilometer vor der BayArena. Die Farbbeutel trafen die Windschutzscheibe des RB-Gefährts. Zu Schaden kam niemand. "Wir können das nicht gutheißen", sagte Bayer-Sportchef Rudi Völler bei Sky: "Ich weiß nicht, ob es welche von Bayer Leverkusen oder andere waren, aber das können wir natürlich nicht hinnehmen. Das darf wirklich nicht sein." Leverkusens Trainer Roger Schmidt sagte, dieses Verhalten sei "völlig unnötig und respektlos".

Dezember 2016

In der ersten Halbzeit des Spiels Hertha BSC gegen RB Leipzig ist für rund eine Minute in der Hertha-Kurve ein Banner in Anspielung auf eine frühere Erkrankung von Leipziger Sportdirektor Ralf Rangnick entrollt worden. "Ey, Ralf wir warten sehnlichst auf deinen nächsten Burnout", stand darauf. Der 58-Jährige musste im Jahr 2011 seinen Trainer-Job bei Schalke 04 wegen eines Erschöpfungssyndroms aufgeben. "@HerthaBSC distanziert sich von diesem widerlichen Banner!", schrieb Herthas Manager Michael Preetz nach dem 0:2 (0:1) via Twitter und setzte damit ein deutliches Zeichen. Rangnick reagierte relativ gelassen.

„Ralf Rangnick und Ralph Hasenhüttl haben sich nicht zu einer Vertragsverhandlung getroffen, sondern sich unter Kollegen ausgetauscht. Das sollte unter Trainern erlaubt sein”, sagte Leipzigs Vorstandsvorsitzender Oliver Mintzlaff am Mittwoch.

Er fügte an: „Wenn wir tatsächlich in Erwägung ziehen würden, Ralph Hasenhüttl als unseren Cheftrainer zu verpflichten, dann würden wir selbstverständlich auf Ingolstadt zugehen und natürlich die Grundsätze des Fairplays einhalten.”

Ähnlich hohe Wellen hatte zuletzt auch die Absage an Augsburgs Coach Markus Weinzierl geschlagen. Leipzig hatte öffentlich bekanntgegeben, dass die Verhandlungen mit Augsburgs Trainer Markus Weinzierl abgebrochen seien. Parallel reklamierte Weinzierl, der auch beim FC Schalke 04 im Gespräch ist, die Absage für sich.

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