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20.05.2017

10:43 Uhr

Zum Abschied Philipp Lahms

Abgang mit Größe

VonAlexander Möthe

Für Philipp Lahm endet am Samstag die Karriere als weltbester Außenverteidiger – die Laufbahn als Privatier beginnt. Es ist der kontrollierte Abschied eines Mannes, der immer alles im Griff hatte. Auch sein Image.

Immer Ball und Gegner im Fokus – Lahm ließ nie sein Ziel aus den Augen. dpa

Philipp Lahm

Immer Ball und Gegner im Fokus – Lahm ließ nie sein Ziel aus den Augen.

DüsseldorfEr ist nicht der Längste. War er nie. 1,70 Meter misst Philipp Lahm, 33 Jahre, Kapitän des FC Bayern München, Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft a.D., mehrfacher deutscher Meister, Pokalsieger, Champions-League-Sieger, Triple-Gewinner, Weltmeister, Vize-Europameister, Buchautor, Stiftungsgründer, Menschenfreund. Aber der Größte, das war er oft. Und wird auch als einer der Größten in die Fußballhistorie eingehen. Diesen Samstag wird Lahm zum Teil dieser Historie. Gegen den SC Freiburg bestreitet er, so der Plan, sein letztes Spiel im aktiven Profifußball.

Abgang Bühne links. Es ist kein spektakulärer Abtritt des, und das kann man ohne Übertreibung behaupten, weltbesten Außenverteidigers. Nicht nur seiner Generation. Genau, wie seine Spielweise, sein Auftreten nie spektakulär waren. Eine Meisterfeier auf dem Münchener Rathausbalkon, immerhin ein Heimspiel. Die Karriere, sie endet zwei Spiele zu früh. Pokalfinale, Champions-League-Finale, das sind die Dimensionen, in denen Lahm gedacht hat. Und immer noch denkt. Diese Gedanken dürften der Hauptgrund sein, warum die Laufbahn des Spielers L. mit einem klaren Schnitt endet.

Lahm war immer ein Freund klarer Verhältnisse, was erstaunlich ist, ist er doch selten ein Freund klarer Worte. Seine Interviews, seine Verlautbarungen, selbst seine Tweets sind für ihre Worthülsen gefürchtet. Keine unbedachten Worte, keine unbedachten Handlungen. Die überlebensgroße Persönlichkeit, die er auf dem Platz darstellte, schnürte er wie ein Paar Fußballschuhe. Dass der intelligente Mann, zweifacher Vater, glücklich verheiratet, nichts von sich preisgibt, ist ebenso Markenkalkül wie Selbstschutz.- Wie viel Privatperson im Fußballer Lahm steckt und umgekehrt, dass werden nur seine engsten Vertrauten wissen.

Lahm, der Spieler ohne Spitznamen. Kein „Capitano“, kein Schweini oder Poldi, kein Bomber, nichts. Philipp Lahms Fußball ließ und lässt sich nicht auf Schlagworte reduzieren. Was in ungreifbar macht. Er ist vom Schlag der Andres Iniestas dieser Welt. Ruhig, mit viel Übersicht, Spielintelligenz, präsent, als Persönlichkeiten anerkannt. Wenn Lahm einen Fußballrasen betritt, löst er Ehrfurcht aus. Stürmer, die sein überragendes Stellungsspiel und seine hartnäckigen Laufduelle fürchten. Seine präzisen Tacklings. Das Gefühl, dass Lahm eigentlich immer schon einen Schritt weiter ist. Dass man ihm nie Raum geben darf und er nie Raum gewährt. Es ist Respekt vor seiner Person, der von der ersten Sekunde an zu fühlen ist.

Auch, weil Lahm zu den fairsten seiner Zunft zählt. In seiner gesamten Profi-Karriere ist er nicht einmal vom Platz geflogen. In 384 Bundesligaspielen sah er 24 Mal die gelbe Karte. Bremens Clemens Fritz, der in vergleichbarer Position spiel, sah in 331 Spielen schon 64 Mal gelb. Rekordhalter Stefan Effenberg sammelte 111. Lahm kam ganze Saisons ohne Karte aus, ein Jahr lang blieb er sogar ohne Foul. Tore? 14. Vorlagen? Immerhin 49. Aussagekräftiger ist da seine Passquote, die derzeit bei fabelhaften 90 Prozent liegt.

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