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30.07.2015

17:17 Uhr

Zwei Filme über Uli Hoeneß

„Hoeneß knallt mit der Tür ins Haus“

VonJoachim Hofer

Uli Hoeneß, sein Aufstieg und sein Fall – das ist eines der Fünf-Sterne-Themen der Deutschen. Jetzt beschäftigen sich gleich zwei Filmemacher mit dem Paten des FC Bayern München und seiner Geschichte.

Uli Hoeneß (Thomas Thieme) trägt eine Stellungnahme vor. ZDF und Janett Kartelmeyer

ZDF-Film „Der Patriarch“

Uli Hoeneß (Thomas Thieme) trägt eine Stellungnahme vor.

MünchenBeim FC Bayern München gibt es derzeit ganz oben ein Lücke. Der Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat jüngst darüber berichtet. Ihm würden die langen, kontroversen Debatten mit dem Mann fehlen, der den Fußballklub nach oben gebracht hat: mit Uli Hoeneß. Der Mann, derzeit nach seiner Verurteilung wegen Steuerbetrugs ein Freigänger, ist offenbar in der FC-Bayern-Welt einmalig. Hoeneß, der Aufstieg und Fall, das ist eines der Fünf-Sterne-Themen der Deutschen.

Für die anderen da draußen, jenseits des Rekordmeisters, ist Hoeneß  offenbar so einmalig, dass es ihn gleich zweimal gibt. Im Fernsehen werden jedenfalls in Kürze zwei Filme den langjährigen Präsidenten der Münchener dem Publikum näher bringen. Den Anfang macht Thomas Thieme im ZDF: Am 27. August zeigt der Mainzer TV-Kanal zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr das Dokudrama „Uli Hoeneß – Der Patriarch“. Kurz danach folgt Sat1 mit „Udo Honig – Kein schlechter Mensch“: In diesem Spielfilm gibt der allgewaltige Uwe Ochsenknecht den mächtigen und talkshowsicheren Fußballfunktionär, der an der Börse wie ein Junkie des Geldes spielte und sich Bulle und Bär auf den Boden seines Swimmingpools im Haus am Tegernsee machen ließ.

In dem Sat1-Film spielt Uwe Ochsenknecht die Hauptrolle. Sat1/Arvid Uhlig

Szene aus „Udo Honig – Kein schlechter Mensch“

In dem Sat1-Film spielt Uwe Ochsenknecht die Hauptrolle.

Es darf gezweifelt werden, ob der zum Hyperventilieren neigende Ochsenknecht, der etwa als Fälscher Kujau in „Schtonk!“ brillierte, wirklich jenen Uli Hoeneß wiedergeben kann, der viel facettenreicher ist, als es seinem Bild in der Öffentlichkeit entspricht. Sat1 steht davor, in der Honig-Falle zu landen.

Im öffentlich-rechtlichen ZDF, das jüngst auch mit Sexualaufklärung seinem Bildungsauftrag nachkam, spielt Thomas Thieme die Reizfigur Hoeneß in unerschütterlicher Rustikalität. Der in Ostdeutschland ausgebildete Schauspieler hat ja nicht nur im „Tatort“ gewirkt, sondern im ZDF auch schon Helmut Kohl gegeben. Und auch wenn Thieme behauptet, es sei eine Rolle wie jede andere, so lässt der Schauspieler doch tief in die Seele jenes Mannes blicken, der sich vom Ulmer Metzgersohn zum Präsidenten des besten deutschen Fußballvereins hochgearbeitet hat.  

FC Bayern: Der Skandal rund um Uli Hoeneß

2001 bis 2006

Hoeneß spekuliert im großen Stil an der Börse mittels eines geheimen Kontos in der Schweiz. Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus soll ihn mit Millionen unterstützt haben.

Januar 2013

Hoeneß zeigt sich beim Finanzamt selbst an. Die Staatsanwaltschaft München leitet ein Ermittlungsverfahren ein.

20. März 2013

Hoeneß bekommt in seinem Haus am Tegernsee Besuch von den Ermittlern. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor. Dieser wird außer Vollzug gesetzt - gegen Zahlung einer hohen Kaution.

20. April 2013

Der „Focus“ macht den Fall öffentlich und berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft und Hoeneß selbst.

21. April 2013

Hoeneß schließt einen Rücktritt als Vereinspräsident aus. Die Kritik an ihm nimmt zu. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) rückt von ihm ab, zeigt sich „enttäuscht“.

23. April 2013

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über den Haftbefehl und die Kaution in Höhe von fünf Millionen Euro.

1. Mai 2013

Hoeneß erklärt in einem „Zeit“-Interview Reue und gibt Einblick in sein Seelenleben. Verbindungen seines Schweizer Kontos zum Rekordmeister schließt der Bayern-Präsident darin aus.

6. Mai 2013

Hoeneß bleibt nach einem 8:0-Votum der Mitglieder Vorsitzender des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG.

25. Mai 2013

Selbst im Moment des großen Triumphes des FC Bayern steht Hoeneß unter dem Eindruck der Steueraffäre. Fast schüchtern greift er im Londoner Wembleystadion nach dem 2:1 im Finale gegen Borussia Dortmund nach dem Champions-League-Pokal.

30. Juli 2013

Die Staatsanwaltschaft München erhebt Anklage gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung.

4. November 2013

Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II lässt die Anklage gegen den Bayern-Präsidenten „unverändert“ zu.

13. November 2013

Hoeneß wird auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern von den Mitgliedern gefeiert. Er vergießt Tränen und kündigt an, nach seinem Steuerstrafprozess auf einer außerordentlichen Versammlung die Mitglieder über seine Zukunft entscheiden zu lassen.

23. Januar 2014

Die Staatsanwaltschaft München lässt bayerische Finanzbehörden wegen des Verdachts der Verletzung des Steuer- und des Dienstgeheimnisses durchsuchen. Es geht um die Frage: Wer gab Dokumente aus Hoeneß' Steuerakte an die Presse weiter?

10. März 2014

Begleitet von einem riesengroßen Medieninteresse beginnt in München der Prozess im „Strafverfahren gegen Ulrich H.“ Hoeneß gesteht, 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben.

11. März 2014

Die Summe der hinterzogenen Steuern wird immer höher. Hoeneß soll sogar mindestens 27,2 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben. Grundlage sind Berechnungen einer Steuerfahnderin.

12. März 2014

Die schwindelerregende Steuerschuld hält die Hoeneß-Verteidigung für „sachgerecht“. Die Selbstanzeige habe sämtliche Zahlen bereits enthalten.

13. März 2014

Uli Hoeneß wird zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Landgericht München spricht den Präsidenten des FC Bayern München wegen Steuerhinterziehung schuldig.

14. März 2014

Uli Hoeneß akzeptiert seine Haftstrafe und tritt mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München zurück.

20.September 2014

Uli Hoeneß bekommt nach dreieinhalb Monaten Haft das erste Mal Ausgang. Die Hafterleichterung hängt einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge mit der vollständigen Begleichung seiner Steuerschuld zusammen. Hoeneß soll zuvor gut 30 Millionen Euro an das Finanzamt Miesbach überwiesen haben.

31. Dezember 2014

Zweiter Urlaub für Hoeneß. Er darf den Jahreswechsel zu Hause verbringen. Schon zu Weihnachten hatte Hoeneß Urlaub erhalten und durfte zwei Nächte außerhalb der Gefängnismauern schlafen. Seit Jahresbeginn 2015 ist Hoeneß Freigänger. Er muss jetzt nur noch zum Schlafen in die JVA, darf tagsüber außerhalb des Gefängnisses einer geregelten Arbeit nachgehen.

24. Februar 2015

Sat.1 beginnt mit den Dreharbeiten zu einer Satire, die an den Fall Hoeneß angelehnt ist. Uwe Ochsenknecht spielt die Hauptrolle. Im Mai beginnt das ZDF mit den Dreharbeiten zu einem Doku-Drama mit dem Titel „Uli Hoeneß - Der Patriarch“.

3. November 2015

Der Anwalt von Hoeneß bestätigt, dass sein Mandant einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung gestellt hat. Eine Freilassung ist frühestens zur Hälfte der Haftstrafe möglich - zum 29. Februar 2016.

21. Dezember 2015

Hoeneß ruft beim Radiosender Antenne Bayern an und spendet bei einer weihnachtlichen Spendenaktion 10 000 Euro.

18. Januar 2016

Die für das Landsberger Gefängnis zuständige Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Augsburg entscheidet, dass die Haftstrafe zum 29. Februar ausgesetzt wird. Hoeneß erhält eine dreijährige Bewährungszeit.

„Es gibt ja nur noch Wegducker und Rumschleimer – und Hoeneß knallt mit der Tür ins Haus. Das ist teilweise total sinnlos, teilweise aber auch sehr intelligent“, sagt der Schauspieler, der für 90 Minuten Uli Hoeneß ist. „Der hat ein erotisches Verhältnis zum Geld“, wird eine Hoeneß-Analyse aus Kreisen des DFB zitiert.

In den Spielszenen der ZDF-Dokumentation darf Thieme das Fußball-Idol meist im Gerichtssaal darstellen; inszeniert wird das Ganze als große Verwirrung des Zöglings der Marktwirtschaft, der den Blick nicht mehr vom Pager mit den Börsenkursen nehmen konnte, andererseits öffentlich Moral predigte und die Reichen ermahnte, Steuern zu zahlen. Das ZDF streut Szenen aus TV-Talks ein.       

Das Zweite hat seine 90-minütige Produktion nun in München der Presse präsentiert. Was die Mainzer als Dokudrama bezeichnen, ist eine doch recht bunte Mischung aus nachgestellten Szenen vor Justitia  und aus Hoeneß‘ Bulle-und-Bär-Villa, aus alten TV-Bildern und vielen Interviews mit Prozessbeobachtern und Weggefährten. Ganz muntere Volkshochschule. Man wird Hoeneß danach eher mögen als hassen.  

Kommentare (1)

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Herr Thomas Ungläubig

30.07.2015, 18:48 Uhr

Ist doch schön, wie man sich bemüht einen Leistungsträger (oder Vorbild?) unserer 80/20-Gesellschaft wieder ins sog. normale Leben zu integrieren. Aber was soll's er ist ja ein Guter, oder? Ein »Sauhund« eben, der Uli!

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