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09.05.2012

10:23 Uhr

Zweitliga-Absteiger droht Insolvenz

Rostock-Fans zittern um Hansa - und ihre Anleihen

VonFrederic Spohr

Falls die Stadt den FC Hansa Rostock heute nicht rettet, muss der Klub Insolvenz anmelden. Eine Pleite könnte die Anhänger auch finanziell treffen – erst im vergangenen Sommer gab der Absteiger eine Fan-Anleihe aus. Mehrere hundert von ihnen investierten insgesamt fast eine halbe Million Euro.

Rostocker Fans schwenken eine Fahne mit der Aufschrift „Unsinkbar seit 1965“. Anders könnte es mit den Anleihen sein. dpa

Rostocker Fans schwenken eine Fahne mit der Aufschrift „Unsinkbar seit 1965“. Anders könnte es mit den Anleihen sein.

Rostock/KölnNoch im vergangenen Sommer zeigte sich die Führung des gerade aufgestiegenen Zweitligisten FC Hansa Rostock zuversichtlich: Natürlich werde man die neue Fan-Anleihe auch zurückzahlen können, falls der Fußballklub wieder absteigen sollte. „Dafür wird gesorgt sein“, versicherte der Vorstandsvorsitzende Bernd Hofmann in einem Handelsblatt-Interview. Die Feuerprobe kam schnell. Seit Ende April ist klar: Rostock steigt tatsächlich wieder ab. Und einige Fans müssen sich womöglich nicht nur von der zweiten Liga verabschieden, sondern auch von ihrem eingesetzten Geld.

Den Anhängern des Traditionsvereins ergeht es, wie den Gläubigern von Griechenland, Portugal und Irland – sie sind auf die Unterstützung der Steuerzahler angewiesen. Heute um 15 Uhr stimmt die Rostocker Bürgerschaft über ein Rettungspaket ab: Die Stadt soll ein Sportgelände des Vereins zum Preis von 530.000 Euro kaufen und zudem Schulden in Höhe von 680.000 Euro erlassen. Zusätzlich benötigt der Verein auch noch einen Zuschuss der Stadt in Höhe von 750.000 Euro. Ansonsten muss Hansa Rostock Insolvenz anmelden und in die Regional- oder Oberliga zwangsabsteigen.

Doch ob die Stadt dem Verein tatsächlich unter die Arme greift, ist noch fraglich: Der Finanzausschuss hat bereits mit klarer Mehrheit empfohlen, den Verein nicht zu retten. „Einige fürchten, dass der Klub ein Fass ohne Boden werden könnte“, sagt Detlev Harms, Präsidiumsmitglied der Rostocker Bürgerschaft und Unterstützer des Klubs. Der hat im Moment etwa 8,5 Millionen Euro Schulden. „Nach Gesprächen mit anderen Abgeordneten kann ich nur sagen: Ich bin verhalten optimistisch, dass genügend Abgeordnete dem Paket zustimmen.“

Besonders gespannt dürften die Besitzer der Rostocker Fan-Anleihe sein: Rund 700 Gläubiger haben dem Klub etwa 450.000 Euro geliehen, durchschnittlich betragen ihre Forderungen rund 650 Euro. Einige Fans haben knapp 2000 Euro investiert. „Ich kann nicht sagen, wie hoch die Verluste für den einzelnen Besitzer der Fan-Anleihe wären“, sagt Vorstandschef Hofmann.

Da die Anleihen unbesichert sind, dürften die Einbußen jedoch beträchtlich sein. Dabei kauften sich manche Fans die Anleihe nicht nur als Schmuckurkunde, die am Ende der Laufzeit an der Wand hängen bleibt und gar nicht eingelöst wird, sondern legten sie auch als echte Geldanlage ins Depot. Jährlich sollten sie fünf Prozent Zinsen kassieren, bei einem Aufstieg in die erste Liga sogar noch einmal zwei Prozentpunkte mehr.

Eine gewagtes Spiel: „Im Gegensatz zu Firmen haben Vereine keine Gewinnabsichten“, sagt der Hamburger Sportökonom Jörn Quitzau. „Das Geld wird meistens sofort in Spieler investiert und die Klubs haben keine großen Reserven. Die Anleihen sind riskanter als die von normalen Unternehmen.“ Die Zinsen spiegeln dies jedoch oft nicht wieder und sind vergleichsweise niedrig.

Kommentare (1)

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09.05.2012, 11:57 Uhr

Bald rettet der Staat jede Dönerbude!

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