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02.07.2014

12:01 Uhr

Fußballer im Netz

Was die Deutschen von Neymar lernen können

VonDaniel Mack

In sozialen Netzwerken ist das deutsche Team nicht weltmeisterlich. Dabei ist die Online-Kommunikation längst ein wichtiger Bestandteil der Fankultur, schreibt Daniel Mack in einem Gastbeitrag für Handelsblatt Online.

DüsseldorfNatürlich hat Ex-DFB-Pressesprecher Harald Stenger recht, wenn er sagt, dass Tore wichtiger sind als Tweets. Dass sich Treffer auf dem Rasen und im Netz nicht ausschließen, zeigt zum Beispiel Brasilien-Star Neymar. Der Seleção-Topstürmer liegt nicht nur in der Torschützenliste relativ weit vorn, sondern ist auch der WM-Spieler mit den meisten Erwähnungen auf Twitter.

Die kürzlich veröffentlichten Daten des Kurznachrichtendiensts (300 Millionen Tweets in der Gruppenphase, doppelt so viele wie insgesamt bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London) zeigen: Echtzeit-Kommunikation im Social Web ist zu einem elementaren Bestandteil der Fankultur geworden.

Daniel Mack ist Berater für digitale Kommunikation und früherer hessischer Landtagsabgeordneter für Bündnis 90/Die Grünen. privat

Daniel Mack ist Berater für digitale Kommunikation und früherer hessischer Landtagsabgeordneter für Bündnis 90/Die Grünen.

Kein Wunder, so zeigt etwa Twitter die gesamte Vielfalt der Fußball-WM. Politische Proteste, der Kampf gegen die Armut und die lächerliche Plakatzensur durch die Fifa in den Stadien gehören ebenso zur den im 140-Zeichen-Kanal diskutierten Themen, wie hochspannende Fußballspiele und die sportlichen Überraschungen.

Das Interesse ist aber auch wirtschaftlicher Natur: Direkte Zugänge zur konsumfreudigen Fußballanhängerschaft über das Social Web sind bei Sponsoren gefragt wie nie. Die aktuelle „Social Trends Studie“ von Tomorrow Focus, wonach fast die Hälfte der Deutschen während den WM-Spielen und fast 40 Prozent der Frauen sowie 30 Prozent der Männer Social-Media-Kanäle das Smartphone als Second Screen nutzen, zeigt das Potenzial sehr deutlich.

Neymar: Der WM-Superstar aus Brasilien

Anfänge

Neymars Vater wollte aus seinem Sohn schon immer einen Profifußballer machen. Unmittelbar nach der Geburt soll er erklärt haben, sein Spross, Neymar da Silva Santos Júnior, der zu Hause nur Juninho gerufen wurde, werde einmal der beste Spieler der Welt. „Bei Neymar kam alles zusammen. Sein Vater war ein guter Spieler und hat viel investiert und aufgegeben, um ihn zu unterstützen. Neymar hatte viel Talent und die Leidenschaft, es schaffen zu wollen“, erzählt ein Neymar-Kenner.

Quellen: sid, dpa

Karriere

Neymars Eltern haben dem Wunsch nach der großen Fußballkarriere alles andere untergeordnet. Mit elf Jahren wurde der Junge vom FC Santos entdeckt. Dort gelang ihm der Durchbruch. 2013 wechselte er als Brasiliens größter Star für beinahe 100 Millionen Euro von Santos zum FC Barcelona.

Hohe Ablöse

Die Verpflichtung des brasilianischen Fußballstars Neymar durch den FC Barcelona soll nach einem Bericht der spanischen Zeitung „El Mundo“ erheblich teurer gewesen sein als offiziell angegeben. Wie das Madrider Blatt berichtete, sollen sich die Kosten des Neymar-Transfers vom FC Santos auf insgesamt 95 Millionen Euro belaufen haben, 38 Millionen mehr als Barça offiziell angegeben hatte. Der Fall wird untersucht.

WM-Ziel

„Ich möchte euch allen sagen: Neymar spielt nicht, um der Beste der Welt zu werden, er spielt für Brasilien. Sein Wunsch ist es, mit Brasilien Weltmeister zu werden.“ Das sagt sein Trainer Luiz Felipe Scolari über Brasiliens Superstar Neymar.

Bewunderung

„Wenn Neymar es auf dem Platz regnen lässt, wundert sich keiner.“ Brasiliens Abwehrspieler David Luiz nach dem 4:1 gegen Kamerun über die Wundertaten seines Teamkollegen Neymar.

Beckenbauer

„Er ist ein großartiger Spieler, einer der besten der Welt“, lobte Franz Beckenbauer. „Da wächst etwas heran. Ich will nicht sagen ein zweiter Pelé. Aber er kann ein ganz Großer werden“, sagte er beim TV-Sender Sky Sport News HD.

Trikot

Neymar trägt das gelbe Trikot mit der Nummer 10 und die ganze Last eines Millionen-Volkes auf den Schultern: Brasilien soll durch ihn und mit ihm Weltmeister werden.

Hype im Land

Er ist 22, und trotzdem scheint ihm der Hype um seine Person so gar nichts auszumachen. Er ist der Star dieser WM.

Rolle in der Nationalmannschaft

Über Neymar läuft, um Neymar dreht sich alles bei der Seleção. Er ist der Mann für die entscheidenden Tore. Wie beim Elfmeter-Drama im Achtelfinale gegen Chile, als er den letzten Schuss eiskalt versenkte. Und das, obwohl ihn eine (leichte) Muskelverletzung plagte.

Stärken

Neymar kann bis zu 31,8 km/h schnell laufen und ist im Dribbling stark. Beim Vereiteln von Gegenstößen ist er stark. Die Statistiker zählten 15 Balleroberungen in vier Spielen. Genauso oft schoss er aufs Tor.

Für Profifußballer, die sich sonst eher als Spielball der Medien sehen, ist das Social Web eine nie dagewesene Chance. Nicht nur die Macht über Nachrichten kann fester in eigenen Händen gehalten, sondern auch der eigene Werbewert deutlich erhöht werden.

Wer durch das Setzen von Themen Nachrichten selbst generiert, aber auch Interaktion mit der eigenen Anhängerschaft in den Mittelpunkt rückt, wird mit seinem Twitter-Profil Reichweiten erzielen, die deutlich über denen von etwa TV-Sendern liegen.

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