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28.05.2014

07:50 Uhr

Gesundheitsrisiko WM

Wenn Fußball aufs Herz schlägt

Bei Fußball-Weltmeisterschaften haben Alkohol und fettige Snacks Hochkonjunktur. Mit der Weltmeisterschaft steigt das Risiko für eine Herzattacke. Die Nationalmannschaft könnte daran eine Mitschuld tragen.

Public Viewing: Bei Fußball-Weltmeisterschaften steigt das Risiko für Herzattacken. dpa

Public Viewing: Bei Fußball-Weltmeisterschaften steigt das Risiko für Herzattacken.

Wenn der Spieler sich den Ball zurechtlegt und zum Elfmeter aufs gegnerische Tor ansetzt, ist die Spannung kaum noch zu toppen. Weltweit werden Millionen Fans zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien wieder echte Krimis durchleiden. Für manche kann das schmerzhaft oder sogar tödlich enden. Denn Fußball kann aufs Herz schlagen, wie zahlreiche Studien belegen. Die WM-Spiele lassen aber auch einen höheren Konsum von Alkohol und fettigen Snacks erwarten.

Für die allermeisten Menschen ist die Weltmeisterschaft, die am 12. Juni beginnt, freilich vor allem ein großes Fußballfest mit Public Viewing, Partys und Autokorso. Statistiken zeigen aber auch, das Fußball-Großereignisse oftmals mit einem Anstieg bei Herzinfarkten, Überfällen, Alkoholexzessen oder Verkehrsunfällen einhergehen. Bei einem dramatischen Elfmeterschießen zum Beispiel können beim Zuschauer am Fernsehgerät Puls und Blutdruck so stark steigen, als würde er selbst auf dem Platz stehen. Bei bestimmten Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems kann es nach Angaben der Deutschen Herzstiftung dann schnell zu Herzrhythmusstörungen oder anderen Herzproblemen kommen. In Extremfällen droht ein Herzinfarkt oder plötzlicher Herztod.

Die wertvollsten Nationalteams

Rangliste

Die Teams bei der Weltmeisterschaft im Überblick – geordnet nach dem geschätzten Marktwert des Kaders. In dieser Liste sind die acht Teams mit den wertvollsten Spielern.
Quelle: Transfermarkt.de

Platz 8

England (WM-Gruppe D), geschätzter Marktwert: 334 Millionen Euro

Platz 7

Belgien (WM-Gruppe H), geschätzter Marktwert: 352 Millionen Euro

Platz 6

Italien (WM-Gruppe D), geschätzter Marktwert: 409 Millionen Euro

Platz 5

Frankreich (WM-Gruppe E), geschätzter Marktwert: 442 Millionen Euro

Platz 4

Argentinien (WM-Gruppe F), geschätzter Marktwert: 461 Millionen Euro

Platz 3

Brasilien (WM-Gruppe A), geschätzter Marktwert: 468 Millionen Euro

Platz 2

Deutschland (WM-Gruppe G), geschätzter Marktwert: 661 Millionen Euro

Platz 1

Spanien (WM-Gruppe B), geschätzter Marktwert: 751 Millionen Euro

Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München untersuchten zur Fußball-WM 2006 in Deutschland anhand von Notarztprotokollen, wie sich emotionaler Stress auswirkt. Dabei zeigte sich, dass während der sieben Einsätze der deutschen Mannschaft fast dreimal so viele Patienten wegen akuter Herzprobleme in die Klinik mussten als an anderen Tagen. Bei Menschen mit einer Erkrankung der Herzkranzgefäße war das Risiko sogar fast viermal höher. Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine Studie in Großbritannien: An dem Tag, an dem die Engländer 1998 gegen den Rivalen Argentinien verloren, stieg die Zahl der Herzinfarktpatienten um 25 Prozent.

Gesunde Menschen sind dem Hamburger Kardiologen Thomas Meinertz zufolge nicht gefährdet. Ein Mensch mit einem gesunden Herzen könne „alleine durch die Aufregung beim Anschauen eines Fußballspiels normalerweise weder einen Herzinfarkt noch einen plötzlichen Herztod erleiden“, betont Meinertz, der auch Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung ist. Ebenfalls keine Belege sieht Ulrich Hegerl von der Deutschen Stiftung Depressionshilfe dafür, dass Fußball-Großereignisse mehr Menschen in Depressionen oder gar in den Selbstmord treiben würden. Verliere die eigene Mannschaft, sei es ganz normal, dass Fans mit Frust und Enttäuschung reagierten. In der Masse, etwa beim Public Viewing, könne man aber „gemeinsam trauern“, betont der Leipziger Experte. „Das verbindet.“

Diese Nationalmannschaften sind chancenlos

Der Marktwert entscheidet

Alle 32 Teams bei der Weltmeisterschaft im Überblick – geordnet nach dem geschätzten Marktwert des Kaders. In dieser Liste sind acht Teams, deren Spieler wohl kaum eine Chance haben auf ein Weiterkommen.
Quelle: Transfermarkt.de

Platz 32

Nigeria (WM-Gruppe F), Geschätzter Marktwert: keine Angabe

Platz 31

WM-Gruppe E Honduras Geschätzter Marktwert: 21 Millionen Euro

Platz 30

WM-Gruppe B Australien Geschätzter Marktwert: 28 Millionen Euro

Platz 29

WM-Gruppe F Iran Geschätzter Marktwert: 28 Millionen Euro

Platz 28

WM-Gruppe D Costa Rica Geschätzter Marktwert: 35 Millionen Euro

Platz 27

WM-Gruppe H Südkorea Geschätzter Marktwert: 52 Millionen Euro

Platz 26

WM-Gruppe H Algerien Geschätzter Marktwert: 63 Millionen Euro

Platz 25

WM-Gruppe G USA Geschätzter Marktwert: 67 Millionen Euro

Wer indes bei spannenden Spielen unkontrolliert Snacks in sich reinschaufelt und mit reichlich Bier herunterspült, darf sich nach der WM über das eine oder andere zusätzliche Kilo nicht wundern. Ein halber Liter Bier und hundert Gramm - also knapp eine halbe Tüte - Kartoffelchips schlagen schon mit etwa 750 Kilokalorien zu Buche, meint Maike Schmidt, Ernährungsexpertin von der Techniker Krankenkasse. Um die zu verbrennen, muss man je nach Gewichtsklasse und Geschlecht mehr als eine Stunde Joggen.

Erwiesen ist, dass bei Chips oft der innere Stopp-Schalter versagt - ein Fall von Hyperhagie, also dem Drang, mehr zu essen, als nötig wäre, um den Hunger zu stillen. Schmidt rät daher zu gut portionierten, gesünderen Alternativen wie Gemüse und Dipp oder Käse-Weintrauben-Spieße. Und wie können sich Fans nun vor einer Herzattacke schützen? Patienten könnten vom Arzt prüfen lassen, ob ein zusätzlicher Blutdrucksenker (Betablocker) genommen werden muss. Notfalls aber heißt es: Weg vom Fernseher und warten, bis sich das Spiel entspannt. Denn jedes weitere Mitleiden und Wüten treibt den Stresspegel nach oben und erhöht das Infarktrisiko.

Von

afp

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