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17.06.2014

11:31 Uhr

Ghana enttäuscht

Große Worte, keine Taten

Titelanwärter Ghana? Von wegen! Trotz aller flotten Sprüche präsentiert sich der deutsche Gruppengegner schwach. Im Gegensatz zu den „US-Boys“, die gegen Portugal schon den Einzug ins Achtelfinale perfekt machen können.

Kommt sich ganz schön einsam vor: Kevin-Prince Boateng saß 60 Minuten auf der Bank. Auch gegen Deutschland droht die Reservistenrolle. Vielleicht fragt er mal bei Tim Wiese nach. Der kennt sich mit Bankdrücken aus. dpa

Kommt sich ganz schön einsam vor: Kevin-Prince Boateng saß 60 Minuten auf der Bank. Auch gegen Deutschland droht die Reservistenrolle. Vielleicht fragt er mal bei Tim Wiese nach. Der kennt sich mit Bankdrücken aus.

NatalAlles Singen, Trommeln und Tanzen hat den WM-Fehlstart von Kevin-Prince Boateng und seinen Ghanaern nicht verhindern können. Von den wild-rhythmischen Hüftschwüngen, mit denen sich die Afrikaner auf ihrem Weg in die Arena das Dunas von Natal heiß gemacht hatten, war nach dem demoralisierenden 1:2 gegen die USA nichts mehr zu sehen. Mit deprimierten Blicken flüchteten die Fußballprofis des selbsterklärten Titelfavoriten fix aus dem Stadion, auch in Ghanas Hauptstadt Accra herrschte nach der Auftaktniederlage des nächsten deutschen Gruppengegners riesige Ernüchterung und seltene Stille.

„Wir haben das erste Spiel verpennt, die Enttäuschung ist groß“, kommentierte Schalkes Boateng, der überraschend erst nach fast einer Stunde eingewechselt worden war den Auftritt. Trainer Kwesi Appiah begründete den 58-minütigen Verzicht auf seinen Mittelfeldantreiber am Montagabend (Ortszeit) mit taktischen Überlegungen, wollte dem Bundesliga-Akteur aber selbst für das Deutschland-Spiel keinen Platz in der Startelf versprechen: „Es kommt auf die Trainingseindrücke an. Aber er hat das nach seiner Einwechslung gut gemacht, am Ball ist er fantastisch.“

Sieg gegen Ghana: Klinsmann erlebt mit USA ein WM-Comeback

Sieg gegen Ghana

Klinsmann erlebt mit USA ein WM-Comeback

Zweimal schon sind die USA bei einer WM auf Ghana getroffen, und beide Male konnte sich die US-Mannschaft dabei nicht durchsetzen. Am Montag bescherten sie ihrem Trainer Jürgen Klinsmann ein erfolgreiches WM-Comeback.

Dabei hatte Boateng vor den Augen von Ghanas Friedensnobelpreisträger Kofi Annan nach dem ganz frühen Rückstand durch Clint Dempsey für Belebung in der Offensive gesorgt. Doch letztlich waren seine zwei, drei sehenswerten Aktionen auch keine Punkte wert. Was bleibt, ist die rhetorische Flucht nach vorn. „Wir dürfen die Köpfe nicht hängen lassen, sondern müssen die restlichen beiden Spiele gegen Deutschland und Portugal jetzt gewinnen“, erklärte Boateng Ghanas schwierige Ausgangslage. Im Optimalfall könnten auch vier Punkte zum Weiterkommen reichen, eine Niederlage am Samstag gegen Joachim Löws Mannschaft würde aber wohl schon den K.o. bedeuten.

„Wir haben noch zwei Spiele, bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 lief auch in der Vorrunde nicht alles super“, bemerkte Verbandspräsident Kwesi Nyantakyi bemüht optimistisch: „Unsere Chancen stehen bei 50:50. Die Gruppe ist noch offen.“ Vom Titel immerhin sprach nach den ersten 90 WM-Minuten in Brasilien niemand mehr im westafrikanischen Lager – im Vorfeld hatten sowohl Nyantakyi, Coach Appiah als auch Staatspräsident John Dramani Mahama aller realistischen Überlegungen zum Trotz die Trophäe zum Ziel erklärt.

Gruppe G: Ghana

Ghana: Das Land

Fläche: 238.537 Quadratkilometer, Einwohner: 25,8 Millionen, Hauptstadt: Accra, Staatsoberhaupt: Staatspräsident und Regierungschef John Mahama

Ghana: Der Verband

Fußballclubs: 280, Fußballspieler insgesamt: 987.500, davon registriert: 27.500

Ghana: Die WM-Bilanz

WM-Teilnahmen: 2 (2006, 2010), Größte Erfolge: WM-Viertelfinale 2010, WM-Achtelfinale 2006, Afrikameister 1963, 1965, 1978 und 1982

Ghana: Der Kader

Tor: Stephen Adams - Aduana Stars, Adam Kwarasey - Strømsgodset IF, Fatau Dauda - Orlando Pirates Johannesburg

Abwehr: Samuel Inkoom - Platanias Chania, Daniel Opare - Standard Lüttich, Rashid Sumaila Mamelodi - Sundowns Pretoria, Jonathan Mensah - FC Évian Gaillard, John Boye - Stade Rennes, Harrison Afful - Espérance Tunis

Mittelfeld: Michael Essien - AC Mailand, Afriyie Acquah - FC Parma, Christian Atsu - Vitesse Arnheim, Emmanuel Badu - Udinese Calcio, André Ayew - Olympique Marseille, Sulley Muntari - AC Mailand, Albert Adomah - FC Middlesbrough, Mohammed Rabiu - Kuban Krasnodar, Kwadwo Asamoah - Juventus Turin, Mubarak Wakaso - Rubin Kasan

Angriff: Asamoah Gyan - Al-Ain FC, Kevin-Prince Boateng - FC Schalke 04, Jordan Ayew - FC Sochaux, Majeed Waris - FC Valenciennes

Trainer: James Kwesi Appiah

Ghana: Die Bilanz gegen Deutschland

0 Siege - 0 Unentschieden - 2 Niederlagen

Dass Ghanas Verantwortliche solche flotten Sprüche schon aus Selbstschutz lieber in der Zauberkiste hätten belassen sollen, wurde gegen die USA deutlich. In der Anfangsphase klappte im Spiel nach vorn fast gar nichts, die Defensive dagegen war gewohnt anfällig. Erst Boateng und Milan-Star Michael Essien brachten nach ihren Einwechslungen deutlich mehr Schwung und Qualität aufs Feld.

Aber auch das reichte nicht einmal, um gegen das Mittelklasse-Team USA ein Remis zu erzwingen. André Ayews Ausgleichstor (82. Minute) beantwortete John Brooks vier Minuten später mit dem amerikanischen Siegtreffer. „Du darfst es dir auf diesem hohen Niveau nicht leisten, die Konzentration zu verlieren“, klagte Coach Appiah. „Wir versuchen alles, um uns dennoch zu qualifizieren. Noch haben wir zwei Spiele.“

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