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28.06.2014

09:08 Uhr

Hass-Blog

Besiegelt Fußball den Untergang der USA?

VonAxel Postinett

Die Konservativen Amerikas verlieren die Fassung. Ist der Fußball-Boom Beleg für den Niedergang des Landes? Ein prominenter Blogeintrag liefert bedrückende Einblicke in die Seelenlage einer ganzen Bevölkerungsgruppe.

Die konservative US-Journalistin Ann Coulter sieht im (ausländisch geprägten) Fußball eine Gefahr für die Kultur ihrer Nation. Reuters

Die konservative US-Journalistin Ann Coulter sieht im (ausländisch geprägten) Fußball eine Gefahr für die Kultur ihrer Nation.

San FranciscoEs ist eine wirre Welt aus falsch verstandenem Patriotismus, Sturheit, Rassismus und Unwissenheit. Hass schlägt Spielern und Fans entgegen. Was die Taliban nicht schaffen, erledigen Ronaldo, Schweinsteiger, Dempsey und Co: Sie sind schuld am Tod Amerikas. Zunächst wollte es eigentlich keiner so richtig glauben. „Das ist doch jetzt ne Parodie, oder?“, postete „A“ auf dem Twitter-Account des Autors zu der Hasstirade, die die ultrakonservative Journalistin Ann Coulter auf dem Blog TheClarion-Ledger zum Wochenende abließ. „Ich habe echt gedacht, das ist von 'The Onion'“, kann es Twitter-Nutzer Sterling Gates nicht fassen. The Onion ist hier ein bekanntes, bösartiges Satire-Magazin, so wie bei uns die deutsche Titanic oder „Der Postillon“ auf Ecstasy.

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Es ist aber keine Parodie, sondern eine obskure Mischung aus Borniertheit, Sexismus und aggressiver Ignoranz, die angeblich darlegen soll, warum zunehmende Fußball-Liebe in den USA ein „Anzeichen des moralischen Verfalls des Landes“ ist. Die 1961 geborene ausgebildete Anwältin Ann Coulter ist bekannt für ihre bösartigen Ausfälle, die sie gerne mit ihrer konservativen Grundhaltung begründet. Latinos und Asiaten, lässt sie schon mal durchblicken „ruinieren dieses Land“.

Sie nennt sich selbst eine „Provokateurin“, aber diesmal musste sie einfach mal nur hunderte Millionen Menschen auf das Übelste beleidigen und herabwürdigen. Ihre Einlassungen sind an sich schon so daneben, dass man eigentlich der Sache keine Beachtung schenken und der Autorin keine Bühne liefern sollte. Doch im Internet und auf sozialen Netzwerken brach die Hölle los. Innerhalb von 48 Stunden kamen auf The Clarion-Ledger 266.000 Kommentare zusammen. Die meisten sind hier nicht zitatfähig. Dazu Tausende auf Facebook und Twitter. Die Huffington Post merkt süffisant an, dass „Ann Coulter uns daran erinnert, dass nur Vollidioten Fußball ohne jeden Grund hassen können.“

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Was ist denn nun laut Coulter, im vergangenen Wahlkampf politischer Rechtsausleger von Präsidentschafts-Kandidat Mitt Romney, so schlimm an Fußball oder „soccer“, wie es hier immer noch oft genannt wird? Fassen wir ihre wichtigsten „Argumente“ zusammen:

+ Schlimmster Faktor: Überfremdung. Es gibt überhaupt nur mehr Fußballfans durch den demographischen Wandel, den die Einwanderungsreform 1965 ausgelöst habe. „Ich verspreche Ihnen“, so Coulter, „kein Amerikaner, dessen Urgroßvater hier geboren wurde, schaut soccer.“

+ Der individuelle Erfolg ist nichts wert, es zählt nur Teamleistung: „Es gibt keine Helden, keine Verlierer, niemand ist verantwortlich und keine ach so zerbrechliche Kinderseele wird angekratzt. Es gibt einen Grund, warum übervorsichtige Mütter „soccer moms“ genannt werden“.

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