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02.06.2012

10:07 Uhr

Hoffnung auf Absatzplus

Puma will über EM zurück ins Spiel finden

Sportartikelhersteller Puma hat es zuletzt wirtschaftlich nicht leicht gehabt. Doch Europameisterschaft und Olympia sollen nun die Wende bringen. Allerdings wird Hoffnungsträger Italien plötzlich zum Problemfall.

Bringen sie Puma den Aufschwung oder belastet der Wirbel um Italien am Ende den Sportartikelhersteller? Reuters

Bringen sie Puma den Aufschwung oder belastet der Wirbel um Italien am Ende den Sportartikelhersteller?

London/Rom/DüsseldorfPuma rechnet dank der Fußball-Europameisterschaft und den Olympischen Spielen im Sommer doch noch mit einem guten Jahr. Die Großereignisse würden dem Sportartikel-Konzern helfen, die Probleme in Europa und China auszugleichen, sagte der Chef des Branchendritten, Franz Koch, der Nachrichtenagentur Reuters in London. Vor allem König Fußball soll es richten: "Wir wollen in der Fußball-Kategorie dieses Jahr zweistellig wachsen", bekräftigte Koch. Konkrete Zahlen nannte er aber nicht.

Nach dem mäßigen Jahresstart, der dem fränkischen Konzern überraschend einen Gewinnrückgang bescherte, bleibe die Lage angespannt: "Wir müssen weiter die Stürme in Europa überstehen." Die Schuldenkrise hatte die Verbraucher zuletzt verunsichert und den Umsatz von Puma in Europa um zwei Prozent schrumpfen lassen. Vor allem Griechenland sei schwierig. Puma kämpft aber auch mit Problemen in China und den USA, wo die größeren Marken Nike und Adidas sich großer Beliebtheit erfreuen.

Koch stützt seinen Optimismus nun auf neue Produkte, die bald auf den Markt kommen. "Wir glauben noch, dass 2012 für Puma ein erfolgreiches Jahr werden kann." Bei den Olympischen Spielen will die Marke mit der springenden Raubkatze vor allem mit Usain Bolt, dem schnellsten Mann der Welt, punkten. Bolt werde helfen, die neuen, besonders leichten Schuhe zu vermarkten.

EM-Gastgeber & Bilanzen

1960

Gastgeber war Frankreich. Vier Teams spielten in nur vier Partien die Endrunde aus, die damals ab dem Halbfinale im K.O.-Modus gespielt wurden. Die Runden davor waren Hin- und Rückspiel wie heutzutage in der Qualifikation. Es fielen 17 Tore, was einem Schnitt von 4,25 pro Spiel entspricht. Gesehen wurden die Partien von insgesamt 78.958 Zuschauern (19.740 pro Spiel).

1964

Gastgeberland war Spanien, wieder trafen vier Teams in insgesamt vier Spielen bei der Endrunde aufeinander. Es fielen 13 Tore (3,25 im Schnitt). Der Zuschauerzuspruch lag bei insgesamt 156.253 (39.063 Im Durchschnitt).

1968

Bei der Europameisterschaft 1968 in Italien waren erneut vier Mannschaften in der Endrunde, diesmal wurden allerdings fünf Spiele benötigt: Das Finale musste wiederholt werden, nachdem die Verlängerung keine Entscheidung gebracht hatte. Elfmeterschießen gab es damals noch nicht. Es fielen nur sieben Treffer, was einem Schnitt von 1,40 entspricht. 192.119 Zuschauer fanden sich insgesamt ein (38.424 pro Partie).

1972

In Belgien trafen wiederum vier Teams in vier Spielen aufeinander. Zehn Tore wurden erzielt (2,50 im Durchschnitt). Der Zuschauerzuspruch blieb mit insgesamt 106.510 (26.628 im Schnitt) deutlich hinter denen der vorigen Turniere zurück.

1976

In Jugoslawien trafen letztmalig nur vier Mannschaften in vier Spielen aufeinander (Halbfinale, Finale, Spiel um Platz drei). Es fielen 19 Tore, was einem Schnitt von 4,75 pro Partie entspricht - bis heute Rekordwert. Mit 106.087 Zuschauern insgesamt (durchschnittlich 26.522) wurde die Bilanz des vorigen Turniers noch einmal unterboten.

1980

Erstmals nahmen 1980 in Italien acht Mannschaften an der Endrunde teil. Die Gruppensieger zogen direkt ins Finale, die Zweitplatzierten spielten Rang drei aus - so kam das Turnier auf 14 Partien. 27 Tore wurden geschossen, 193 im Schnitt. Der Zuschauerzuspruch sank im Schnitt auf 25.047, insgesamt guckten 350.655 Menschen in den Stadien zu.

1984

Das Turnier fand in Frankreich statt. Acht Mannschaften trugen 15 Spiele aus, die Gruppenersten und -zweiten kamen ins Halbfinale, die Sieger trugen wiederum das Finale aus. 41 Tore fielen, 2,73 pro Spiel. Zuschauermenge und -durchschnitt stiegen auf 599.655 bzw. 39.977.

1988

1988 war Deutschland Gastgeber. Wieder waren es acht Teilnehmer und 15 Spiele. 34 Tore wurden gemacht (2,27 im Durchschnitt). Die Gesamtzuschauerzahl stieg auf 935.681, der Schnitt von 62.379 Besuchern pro Spiel ist bis heute eine unerreichte Bestmarke.

Problematisch ist allerdings, dass, zumindest auf Seiten der Trikotausrüster, Puma nur zwei Eisen im EM-Feuer hat: Italien und Tschechien. Während der "Squadra Azzurra" zumindest Außenseiterchancen eingeräumt werden, zählen die Tschechen nicht zum Favoritenkreis. Zusätzlich droht beim Thema Italien Ungemach, da der Liga-Wettskandal sich zusehends auf die Nationalmannschaft auswirkt.

Genervt vom Wettskandal sehnt Italiens Fußball-Nationalelf derweil den Start der Europameisterschaft herbei. „Wir haben es so satt“, klagte der Chef des italienischen EM-Teams Demetrio Albertini. Der frustrierte Nationaltrainer Cesare Prandelli schloss sogar einen EM-Verzicht nicht mehr aus. „Wenn es unserem Fußball helfen würde, dass wir nicht zur Europameisterschaft fahren, dann wäre es kein Problem“, sagte der Coach am Freitag.

Auch wenn Prandelli offenbar bewusst provozieren möchte: Ein Rückzug wäre natürlich, so unwahrscheinlich er auch ist, GAU für Puma, die sich ohne eigenes Verschulden dann noch mit möglichen Imageproblemen herumschlagen müssten. Die ambitionierten Ziele würden von einem Skandal auch ohne EM-Verzicht sicher nicht unbeeindruckt bleiben.

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