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28.06.2014

16:55 Uhr

K.o. gegen Chile

Brasiliens Albtraum kann wahr werden

VonVolker Sliepen

Für die Seleçao geht die Mission Titelgewinn in die heiße Phase. Im Achtelfinale wartet Chile. Der Weltmeister-Schreck könnte die Träume des Landes beenden. Warum ein Ausscheiden Brasiliens in die WM-Dramaturgie passt

Vorwärts, Chile: Die Südamerikaner dürften Gastgeber Brasilien arg zusetzen. dpa

Vorwärts, Chile: Die Südamerikaner dürften Gastgeber Brasilien arg zusetzen.

Journalisten, Fußballfans, Kenner und Nicht-Kenner der Materie neigen zu voreiligen Schlüssen. Und darum steht schon jetzt, vor Beginn der Fakten schaffenden K.o.-Phase eines fest: Die Weltmeisterschaft in Brasilien wird als Turnier des Unvorhergesehenen, des Unplanmäßigen, des chaotischen Moments in die Geschichtsbücher eingehen. Das ist vieles, nur nicht richtig. Aber der Reihe nach.

Tatsächlich haben die bisher gezeigten Leistungen auf dem Platz die Fußballwelt in Erstaunen versetzt. Wer vor dem Turnier auf ein Vorrunden-Aus von Spanien, Italien, Portugal und England getippt hat, dürfte auch die neuerliche Bissattacke von Uruguays Luis' Suárez vorausgesehen haben. Gut. Dass das Mutterland des Fußballs nicht Weltmeister werden würde, war klar. Dass die beiden Finalisten der EM 2012 in der Vorrunde ausscheiden, ist hingegen eine faustdicke Überraschung. Eine Überraschung, aus der Journalisten, Fußballfans, Kenner und Nicht-Kenner der Materie zwei große Trends ableiten.

Erstens: Der spanische Tiki-Taka-Fußball, dessen Credo „Ballbesitz ist alles“ jahrelang als Nonplusultra eines modernen, erfolgreichen und planbaren Erfolgsrezepts gehypt wurde, hat ausgedient. Ballgeschiebe und bloßes Ballbehaupten sind out.

Zweitens: Das italienische Defensivdenken, gerne mit dem ehrfurchtsvollen Namen „Catenaccio“ betitelt, ist überholt. Vorne ein Tor schießen, hinten dichtmachen – dieses simple, ergebnisorientierte Konzept reicht nicht mehr aus, um erfolgreichen, modernen Fußball zu spielen.

Natürlich greift dieses reflexhafte Denken zu kurz. Spanien hat als erstes Team überhaupt drei große Titel hintereinander gewonnen, hat das von unzähligen Faktoren abhängige (Glücks-)Spiel Fußball durch taktische Finesse und eine Generation von spielerischen Ausnahmekönnern so berechenbar als irgend möglich gemacht. Doch mit dem FC Barcelona schwächelt seit geraumer Zeit der Motor des Erfolges. Mit Andrés Iniesta, Xavi Hernández und Real Madrids Xabi Alonso ist die Schaltzentrale der einstigen „Furia Roja“ aus dem Tritt gekommen. Mit dem fünfmaligen Welttorhüter Iker Casillas ist ein Weltklassetorwart zum Unsicherheitsfaktor gealtert.

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