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03.07.2014

19:09 Uhr

Karim Benzema

Frankreichs Star plagen Ladehemmungen

Die WM begann für Karim Benzema verheißungsvoll. Nach einem merkwürdigen Schiedsrichter-Pfiff blieb das Glück aber aus. Gegen Deutschland will der Stürmerstar von Real Madrid wieder angreifen – mit Hilfe der Vorfahren.

Sorgenvoll ist der Blick von Karim Benzema. Seit dem Abpfiff gegen die Schweiz (5:2) hat der Stürmer Ladehemmung. Gegen Deutschland soll er sein Pulver wieder verschießen. AFP

Sorgenvoll ist der Blick von Karim Benzema. Seit dem Abpfiff gegen die Schweiz (5:2) hat der Stürmer Ladehemmung. Gegen Deutschland soll er sein Pulver wieder verschießen.

Rio de JaneiroKarim Benzema schickte vor dem Deutschland-Spiel erst einmal freundliche Grüße an Franck Ribéry. Die Qualifikation für das Viertelfinale widmete Frankreichs bester WM-Torjäger in seiner kurzen Online-Botschaft auch dem verletzten Bayern-Profi. Wenn es am Freitag (18.00 Uhr/ARD) im Fußball-Heiligtum Maracanã gegen die DFB-Auswahl um den Einzug ins WM-Halbfinale geht, will der 26-Jährige aber mit der vakanten Position seines bajuwarischen Kumpels am liebsten gar nichts zu tun haben.

Die Versetzung auf links im Achtelfinale gegen Nigeria (2:0) gefiel Benzema nämlich gar nicht. Mit finsterer Miene kommentierte er diese Entscheidung von Trainer Didier Deschamps. Erst nach dem Weiterkommen fand er sein Lächeln wieder. „Das Abenteuer geht weiter :-)“, twitterte der Star von Real Madrid und ergänzte das französische Brasilien-Motto: „Es ist noch nicht vorbei.“

Gruppe E: Frankreich

Frankreich: Das Land

Fläche: 543.965 Quadratkilometer, Einwohner: 66,3 Millionen, Hauptstadt: Paris, Staatsoberhaupt: Staatspräsident François Hollande

Frankreich: Der Verband

Fußballclubs: 20.062, Fußballspieler insgesamt: 4. 190.040, davon registriert: 1.794.940

Frankreich: Die WM-Bilanz

WM-Teilnahmen: 13 (1930, 1934, 1938, 1954, 1958, 1966, 1978, 1982, 1986, 1998, 2002, 2006, 2010), Größte Erfolge: Weltmeister 1998, Vize-Weltmeister 2006, WM-Dritter 1958 und 1986, Europameister 1984 und 2000

Frankreich: Der Kader

Tor: Hugo Lloris Tottenham Hotspur, Stéphane Ruffier - AS St. Étienne, Mickaël Landreau - SC Bastia

Abwehr: Mathieu Debuchy - Newcastle United, Patrice Evra - Manchester United, Raphaël Varane - Real Madrid, Mamadou Sakho - FC Liverpool, Eliaquim Mangala - FC Porto, Bacary Sagna - FC Arsenal, Lucas Digne - Paris St. Germain, Laurent Koscielny - FC Arsenal

Mittelfeld: Yohan Cabaye - Paris St. Germain, Mathieu Valbuena - Olympique Marseille, Rio Mavuba - OSC Lille, Blaise Matuidi - Paris St. Germain, Moussa Sissoko - Newcastle United, Paul Pogba - Juventus Turin, Clément Grenier - Olympique Lyon, Rémy Cabella - HSC Montpellier, Morgan Schneiderlin - FC Southampton

Angriff: Olivier Giroud - FC Arsenal, Karim Benzema - Real Madrid, Antoine Griezmann Real S. San Sebastián, Loic Rémy - Newcastle United

Trainer: Didier Deschamps

Frankreich: Die Bilanz gegen Deutschland

11 Siege - 6 Unentschieden - 8 Niederlagen

Benzemas erste WM hatte sehr vielversprechend begonnen. Zwei Tore und ein von ihm erzwungenes Eigentor im Auftaktspiel beim 3:0 gegen Honduras, ein Tor und zwei Vorlagen gegen die Schweiz. Sein zweiter Treffer beim 5:2 gegen die Eidgenossen fiel dem frühen Schlusspfiff des Referees zum Opfer. Benzema hatte einen Lauf – und war ein Kandidat für den Goldenen Schuh als bester WM-Torjäger.

Doch genau mit der Schluss-Aktion gegen die Schweiz endete die Glückssträhne Benzemas in Brasilien – manch anderer Top-Torschütze zog an ihm vorbei. Bei der Nullnummer zum Vorrundenabschluss gegen Ecuador lief wenig, das linke Experiment gegen Nigeria beendete Deschamps nach einer Stunde wieder. „Karim ist wieder in seine Lieblingsposition gerückt, in das Zentrum, wo er mehr Platz hat“, sagte der Coach.

Dort will Benzema auch gegen Deutschland spielen und für den ersten WM-Sieg Frankreichs gegen die DFB-Auswahl seit 56 Jahren sorgen. Frankreichs WM-Desaster 2010 hatte Benzema verpasst. Nach einer schwachen ersten Saison für Real Madrid war er vom damaligen Trainer Raymond Domenech für Südafrika nicht nominiert worden – ein Glück angesichts der dortigen Querelen.

„Wir bauen auf Dich, Bruder“

Benzemas Frankreich-Karriere lief nicht immer harmonisch ab, trotz der beachtlichen Quote von 24 Toren in 70 Spielen. Seine Algerien-Herkunft belastete ihn mehr als andere Stars der Équipe Tricolore – wie zum Beispiel seinen großen Förderer Zinédine Zidane. Dem gebürtigen Lyonnaiser fehlte es auch immer wieder an der nötigen Empathie, um von den Fans geliebt zu werden.

Benzema aber fühlt sich ungerecht behandelt. Pfiffe bei Heimspielen schmerzen ihn. Er kennt das Schicksal vieler Einwandererkinder. Wenn er trifft ist er Franzose, geht der Ball vorbei ist er ein Araber. Zu seinem muslimischen Glauben bekennt er sich. Den Beginn des Fastenmonats Ramadan begrüßte er online per freundlichem Tweet. Via Twitter erreichte ihn auch eine besondere Motivation von Fans aus der Heimat seiner Vorfahren. „Wir bauen auf Dich, Bruder“, hieß es in Botschaften aus Algerien, nach dem unglücklichen Aus der Nordafrikaner gegen Deutschland im Achtelfinale. Gegen Deutschland hat er noch nie getroffen, aber Benzema hat noch Großes vor – zur Not auch auf Ribérys linkem Flügel. „Wir sind sehr stolz“, sagte der Torjäger, „aber wir wollen noch mehr.“

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dpa

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