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13.02.2014

12:19 Uhr

Kein Winter, keine Winterspiele

Klimawandel könnte Olympia unmöglich machen

VonMarc Etzold

In Sotschi gibt es Palmen, aber keinen Schnee. Die Erderwärmung wird für Winterspiele zusehends zum Problem. Und Klimastudien zeigen, dass es an den klassischen Austragungsorten künftig an Kälte mangeln wird.

Zu sehen ist der Olympische Park in Sotschi. Was man aber nicht sieht, ist Schnee. Eine Studie zeigt deutlich, dass künftig in vielen Regionen der Welt Olympische Winterspiele wegen zu hoher Temperaturen unmöglich werden könnten. dpa

Zu sehen ist der Olympische Park in Sotschi. Was man aber nicht sieht, ist Schnee. Eine Studie zeigt deutlich, dass künftig in vielen Regionen der Welt Olympische Winterspiele wegen zu hoher Temperaturen unmöglich werden könnten.

BerlinSaftige grüne Wiesen statt weißer Schneedecken. Dieses Bild sieht man in diesen Tagen oft bei den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi. Bis zu 17 Grad wird es derzeit an der Küste zum schwarzen Meer warm. Und selbst in den Bergregionen liegen die Temperaturen im zweistelligen Bereich. Manche Medien sprechen bereits von den Frühlingsspielen von Sotschi. Die russischen Veranstalter wussten, was auf sie zukommt und haben nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei Jahren etwa 700.000 Kubikmeter Schnee eingelagert. Dieser wird nun dringend gebraucht, damit die Wettbewerbe überhaupt stattfinden können.

In einer vor einigen Tagen erschienen Studie warnen Klimaforscher aus Kanada und Österreich nun, dass künftig in vielen Regionen der Welt Olympische Winterspiele wegen zu hoher Temperaturen unmöglich werden könnten. Im späten 21. Jahrhundert würden demnach nur noch die Hälfte der früheren Gastgeber erneut Winterspiele ausrichten können. In Orten wie Squaw Valley in den Vereinigten Staaten, Vancouver in Kanada oder auch Garmisch-Partenkirchen in Deutschland könnten demnach gar keine Spiele mehr stattfinden.

Robert Steiger vom Management Center in Innsbruck hat an der Studie mitgearbeitet. Bislang hätten potentielle Gastgeber nur nachweisen müssen, dass Winterspiele prinzipiell bei ihnen möglich seien, erklärt der Wissenschaftler. Aufgrund der jüngsten Forschungsergebnisse sei dieses Verfahren aber hinfällig. „Klimatische Überlegungen müssen künftig bei der Wahl des Austragungsortes stärker berücksichtigt werden.“ In der Untersuchung, die von der Universität im kanadischen Waterloo und dem Management Center Innsbruck durchgeführt wurde, sind zwei Szenarien für alle 19 bisherigen Austragungsorte für Olympische Winterspiele durchgerechnet worden: In der ersten Variante gehen die Forscher von einem geringerem Emissionsausstoß als in der zweiten Variante aus.

Grafik der Universität Waterloo: Wie der Klimawandel Winterspiele zum Glücksspiel macht. University of Waterloo

Grafik der Universität Waterloo: Wie der Klimawandel Winterspiele zum Glücksspiel macht.

Ergebnis: Selbst bei nur mäßiger Erderwärmung (ein Plus von etwa zwei Grad) würden 2050 mindestens vier der früheren Austragungsorte nicht mehr genutzt werden können, 2080 sogar bis zu neun. Bei stärkerer Erderwärmung wie im zweiten Szenario würden 2050 zunächst bis zu neun der bisherigen 19 Olympia-Orte ausfallen, 2080 dann sogar bis zu 13. Hier rechnen die Forscher mit einem Temperaturanstieg von bis zu 4,4 Grad im Februar. Dass das weniger folgenreiche erste Szenario Realität werden könnte, glaubt Klima-Experte Robert Steiger nicht. Dafür würden die Staaten zu viele Treibhausgase in die Atmosphäre blasen. „Wir brauchen ein globales Klimaschutzabkommen“, fordert der Wissenschaftler. Anders ließe sich das zweite Szenario sonst kaum abwenden.

In Sotschi haben die Veranstalter rund acht Millionen Euro ausgegeben, um Schnee in ausreichenden Mengen zu deponieren. Im Vergleich zu den geschätzten 50 Milliarden Euro, die die Spiele insgesamt Kosten sollen, ist das zwar ein verhältnismäßig geringer Betrag. Wenn sich die Erde aber wie erwartet erwärmt, werden Kunstschnee oder eingelagerter Schnee aber nicht helfen, ist sich Steiger sicher. „Dieser Schnee schmilzt dann auch weg.“ Der Wissenschaftler hält es zwar für möglich, dass es in einigen der betroffenen Regionen in den nächsten Jahrzehnten auch mal zu längeren Kältephasen kommen kann – beispielsweise in den Alpen. Langfristig sei der Trend aber eindeutig. Er rät, für die Olympischen Winterspiele wieder in die „wirklichen Berge“ zu gehen. St. Moritz in der Schweiz wäre dafür ebenso eine Möglichkeit wie Salt Lake City in den USA oder auch Albertville in Frankreich.

 

Kommentare (3)

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HofmannM

14.02.2014, 08:45 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Gozilla

14.02.2014, 09:35 Uhr

WARUM KANN MAN MÄSSIG BEGABTEN DEN UNTERSCHIED ZWISCHEN KLIMA UND WETTER NICHT ERKLÄREN ?

Account gelöscht!

14.02.2014, 12:14 Uhr

Ach, und deswegen hat also Australien die heißesten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn? Machen Sie sich nicht lächerlich.

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