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05.07.2014

14:30 Uhr

Kritik nach Neymar-Foul

„Dieser Schiedsrichter war ein Desaster“

Nach dem Skandal-Foul an Brasiliens Starspieler Neymar flammt die Schiedsrichter-Debatte erneut auf. Für Maradona war der Referee der mieseste der letzten zehn Jahre. Auch andere Kommentatoren machten ihrem Ärger Luft.

Der Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo (links) ermahnt Camilo Zuniga für sein Foul an Neymar, doch eine gelbe Karte sah der Kolumbianer nicht. Reuters

Der Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo (links) ermahnt Camilo Zuniga für sein Foul an Neymar, doch eine gelbe Karte sah der Kolumbianer nicht.

BerlinDas WM-Aus von Brasiliens Starstürmer Neymar hat eine weltweite Welle der Empörung über die laschen Auftritte der Schiedsrichter bei der Endrunde am Zuckerhut ausgelöst. Argentiniens Fußball-Legende Diego Maradona wütete in seiner Sendung „De Zurda“ des venezolanischen Senders Telesur über den Spanier Carlos Velasco: „Der Schiedsrichter war der mieseste, den ich in den letzten zehn Jahren gesehen habe.“ Und der frühere Top-Schiedsrichter Urs Meier kritisierte: „Das hat die FIFA mitzuverantworten.“

In einem Gastbeitrag für Focus Online schrieb sich der Schweizer den Frust von der Seele, den er mit Millionen Fußball-Fans teilt. „Der Ball wird zur Nebensache. Die WM verkommt zu einem Treter-Festival“, stellte Meier deprimiert fest. „Der Fußball bei dieser WM ist viel zu physisch und körperbetont, die Messlatte für Gelbe Karten viel zu hoch angesetzt worden. Es wird getreten, gehalten, gezerrt und gemeckert - die Grenzen werden auf jedem Gebiet überschritten. Die Referees lassen viel zu viel laufen und greifen kaum in die Brusttasche“, schimpfte er weiter.

Brasiliens Fußballstar hatte sich bei einer Attacke des Kolumbianers Juan Zúñiga kurz vor Schluss der Viertelfinalbegegnung am Freitag einen Wirbelbruch zugezogen. Damit fällt Neymar laut dem brasilianischen Teamarzt Rodrigo Lasmar für den Rest der WM aus – auch im Halbfinale gegen Deutschland am Dienstag in Belo Horizonte.

Die Kritik wird durch die WM-Statistik gestützt. Verteilten die Unparteiischen bei der WM 2010 in Südafrika noch 245 Gelbe Karten, waren es bei dieser Endrunde bis zum Freitagabend lediglich 159. Deutschlands Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel hatte sich deshalb schon zur WM-Halbzeit besorgt über diesen Trend geäußert.

„Wir sehen Vergehen, bei denen wir sagen: Hier müsste eigentlich eine Verwarnung her. Wenn diese notwendigen Verwarnungen nicht ausgesprochen werden, ist man zunächst einmal verwundert. Wenn dies dann zur Regel wird, ist man mehr als irritiert“, sagte Fandel im „kicker“-Interview und fügte hinzu: „Schiedsrichter sollen ein Spiel leiten, und der Fußball muss im Mittelpunkt stehen. Allerdings ist es auch ihre Aufgabe, gewisse Grenzen zu setzen. Wenn man das nicht tut, schadet es dem Fußball eher.“

Kommentare (1)

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Herr Ernst Radina

07.07.2014, 10:11 Uhr

Um es klar zu sagen … vorsätzliche Körperverletzung hat bei einer Ballsportart Nichts verloren und ich lehne ein solches Verhalten grundsätzlich ab ! Dennoch – die Kritik an dem Schiedsrichter finde ich in diesem Ausmaß nicht angemessen. Bei jedem Rempler, ja sogar bei Unfähigkeit im Spiel wird eine üble Tätlichkeit des Gegenspielers unterstellt und leider sind es Spieler wie Neymar, die neben ihrer fußballerischen Kunst wohl auch eine exzellente Schauspielschule genossen haben. Da Schwalben und Schauspielerei als auch die Vortäuschung schwerer Verletzung leider (fast) gar nicht geahndet werden, hat sich zum Leidwesen eine Fußballkultur entwickelt, die den Erfolg nicht durch fußballerische Mittel sucht. Wie soll da ein Schiedsrichter noch zwischen „echten vorsätzlichen“ und „gespielten“ Fouls über 90 Minuten immer richtig liegen ? Eine Lösung wäre, die Schauspielerei und das Simulieren von Verletzungen strenger zu bestrafen. Somit würde es dann bestimmt weniger Fouls geben und der Schiedsrichter hätte die Möglichkeit genauer zu bewerten.

Übrigends – es waren die Brasilianer, die bereits beim Eröffnungspiel durch eine Schwalbe in den Genuss eines Elfmeters – und Neymar zu seinem ersten Tor – kamen.

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