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26.06.2014

18:24 Uhr

Lange Sperre für Suarez

Die Fifa beißt zurück

Uruguays Stürmer Luis Suárez ist nach seiner skandalösen Beißattacke gegen Italien vom Weltfußballverband Fifa für neun Spiele und vier Monate gesperrt worden. Auch Sponsor Adidas reagiert – wenn auch nur halbherzig.

Turnier vorbei: Luis Suarez hat für seine Beißattacke eine lange Strafe kassiert. ap

Turnier vorbei: Luis Suarez hat für seine Beißattacke eine lange Strafe kassiert.

Rio de JaneiroSkandal-Stürmer Luis Suárez hat die ganze Härte der Fußball-Gesetze zu spüren bekommen und ist für seine skandalöse Beißattacke mit einer Rekordstrafe in der WM-Geschichte belegt worden. Für vier Monate darf der 27-Jährige nicht mehr auf Torejagd gehen. Für Länderspiele Uruguays wurde der Angreifer zudem für neun Partien gesperrt und verpasst nach seinem sofortigen WM-Aus zumindest auch den Anfang der Copa America 2015 in Chile. Die Zeitsperre bis in den Herbst hinein bedeutet, dass Suárez für den FC Liverpool weder in der englischen Premier League noch in der Champions League spielen darf.

Angesichts dieser konsequenten Bestrafung ist die zusätzlich Geldbuße von 100.000 Schweizer Franken (etwa 82.000 Euro) nur eine Randnotiz. „So ein Verhalten kann auf keinem Fußball-Platz toleriert werden“, sagte der Chef der Fifa-Disziplinarkommission, Claudio Sulser, am Donnerstag in Rio de Janeiro. Unter Berufung auf Artikel 124 der Fifa-Gesetze ist ein Einspruch zwar möglich, hätte aber keine aufschiebende Wirkung. Suárez oder der uruguayische Verband können also ein Mitwirken im Achtelfinale gegen Kolumbien am Samstag (22.00 Uhr MESZ) nicht durch einen Gang durch die Instanzen der Sportgerichtsbarkeit erwirken.

Der uruguayische Fußball-Verband kündigte inzwischen an, Einspruch einzulegen. Es sei „eine übertriebene Entscheidung“, sagte Verbandspräsident Wilmar Valdéz der Nachrichtenagentur AP am Donnerstag in Rio de Janeiro. „Es fühlt sich an, als wäre Uruguay aus der WM geworfen worden.“


Suárez hatte am Dienstag im letzten Gruppenspiel seinen Gegner Giorgio Chiellini bei einem Zweikampf im Strafraum unbemerkt vom Schiedsrichter in die Schulter gebissen. Die Fifa-Richter bewerteten das Vergehen nun nachträglich dem Reglement entsprechend auch nach Ansicht der TV-Bilder.

Die bisherige Rekordstrafe bei einer WM waren acht Spiele für den Italiener Mauro Tassotti für einen Ellenbogenschlag gegen Spaniens Luis Enrique im WM-Viertelfinale 1994. Der Kroate Josip Simunic wurde wegen rassistischer Vergehen nach dem WM-Playoff gegen Island sogar für zehn Spiele gesperrt und verpasste die WM in Brasilien.

Fußball: Die Skandale des Luis Suárez

Der Fußballer

Luis Alberto „Lucho“ Suárez Díaz ist ein Fußballspieler aus Uruguay. Bekannt wurde er nicht nur durch seine zahlreichen Tore, sondern auch durch etliche skandalöse Aktionen auf und neben dem Platz.

Spitzname

Er trägt den Spitznamen El Pistolero. Das bedeutet: der Pistolenschütze. Der Grund sind seine Handbewegungen beim Torjubel.

2. Juli 2010

Im WM-Viertelfinale gegen Ghana wehrt Suarez in der letzten Minute der Nachspielzeit einen Schuss auf der Linie mit der Hand ab. Ghana vergibt den folgenden Elfmeter - Uruguay gewinnt im Elfmeterschießen. Suarez wird gesperrt und erklärt lapidar: „Das war die beste Parade des Turniers.“

20. November 2010

Als Stürmer von Ajax Amsterdam beißt Suarez seinen Gegenspieler Otman Bakkal von der PSV Eindhoven. Er wird für sieben Spiele gesperrt.

15. Oktober 2011

Suárez beleidigt den dunkelhäutigen Patrice Evra von Manchester United rassistisch. Acht Spiele wird der Uruguayer aus dem Verkehr gezogen.

11. Februar 2012

Suarez verweigert im Spiel des FC Liverpool gegen Manchester United den Handschlag mit Evra.

21. April 2013

Als Profi des FC Liverpool beißt Suarez Branislav Ivanovic vom FC Chelsea. Der Angreifer wird für zehn Spiele gesperrt.

2014

Erneute Beißattacke von Suarez im WM-Vorrundenspiel gegen Italien gegen Abwehrspieler Giorgio Chiellini (79.). Der Schiedsrichter hat die Szene indes nicht gesehen, es kommt zu keiner Bestrafung auf dem Feld. Chiellini sagt: „Er hat mich gebissen, das ist klar.“ Er verweist auf die deutlichen Bissspuren auf seiner Schulter.

Neuer Verein

Seit Juli 2014 steht der Stürmer beim spanischen Verein FC Barcelona in der Primera Division unter Vertrag. Er wechselte vom FC Liverpool für 81 Millionen Euro Ablöse. Damit gehört er zu den fünf höchsten Transfers in der Fußballgeschichte.


Der umstrittene Suárez hatte bereits 2010 bei Ajax Amsterdam und im Vorjahr beim FC Liverpool Gegenspieler gebissen und Sperren von sieben beziehungsweise zehn Spielen von den nationalen Verbänden erhalten. Wegen seiner rassistischen Bemerkungen gegen den Franzosen Patrice Evra von Manchester United - die Suárez bis heute bestreitet - wurde er 2011 für acht Spiele verbannt. Bei der WM 2010 hatte er mit einem absichtlichen Handspiel im Viertelfinale gegen Ghana und anschließenden arroganten Bemerkungen über sein unsportliches Verhalten für Wirbel gesorgt.

Sein derzeitiger Club FC Liverpool wollte vor einem Kommentar zunächst den Bericht der Fifa-Disziplinarkommission abwarten, erklärte Vorstandschef Ian Ayre.

Reagiert hat auch Adidas: Der Sportartikelhersteller stellt sich hinter die Entscheidung der Fifa. Vor einer klaren Positionierung schreckt der Konzern allerdings zurück: In einem kurzen Statement teilte Adidas lediglich mit, man wolle Suárez erneut an die hohen Standards erinnern, die von Werbeträgern erwartet werden. Adidas plane während der WM keine zusätzlichen Marketing-Aktivitäten mit Suárez, hieß es weiter.

WM-Videokolumne Karriere-Kick

Machen Sie es nicht wie Suarez

WM-Videokolumne Karriere-Kick: Machen Sie es nicht wie Suarez

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Von

dpa

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