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01.06.2014

09:17 Uhr

Letzter Test vor Kaderentscheidung

Löws Lotterie

VonAlexander Möthe

Aus 26 mach 23: Am Montag muss Bundestrainer Joachim Löw den endgültigen Kader für die WM in Brasilien bekanntgeben. Die Streichkandidaten sind eigentlich klar – doch beim Aussieben hat Löw schon mehrmals überrascht.

Bundestrainer Joachim Löw (Mitte) beim WM-Training in Südtirol. AFP

Bundestrainer Joachim Löw (Mitte) beim WM-Training in Südtirol.

DüsseldorfShkodran Mustafi, Matthias Ginter, Erik Durm. Auf die Namen der drei Spieler angesprochen, die die deutsche Fußballnationalmannschaft am Montag noch aus dem Kader für die WM in Brasilien streichen muss, fallen diese Namen in den Sportmedien am häufigsten. Auch Neuling Christoph Kramer gilt als potenzielles Streichopfer. Allerdings, das hat die Vergangenheit gezeigt, scheut sich Bundestrainer Joachim Löw nicht, arrivierte Namen auszusperren. Promiente Beispiele sind Mario Gomez, Stefan Kießling oder auch die ehemalige Nummer eins im Tor, René Adler.

Doch auch wenn die gefühlte Wahrheit anders lautet: Löw ist kein Freund von Überraschungen. Das größte Staunen löste 2006 die Nominierung David Odonkors aus, für die der heutige Bundestrainer zumindest mitverantwortlich war. Darüber hinaus stachen immer wieder die Nichtberücksichtigungen heraus.

Praktisch beherzigt Löw drei Prinzipien: Leistung, Flexibilität und Kontinuität. Der gefühlte Überraschungseffekt speist sich meist aus der Nominierungswelle für den vorläufigen Kader. Das hat System: Nur in den Trainingslagern vor EM und WM kann der Trainerstab sich über Wochen ein genaues Bild über die Spieler machen.

Die Scouts des DFB sind natürlich während der gesamten Saison im Einsatz. Doch dort kann nur eine Vorauswahl getroffen werden, die meist in Einladungen zu den DFB-Lehrgängen rund um Qualifikations- und Testspiele endet. Auch die hier gesammelten Eindrücke sind Momentaufnahmen, die Wettkampfbedingungen sind anders. Mitspieler und System sind weder fremd noch vertraut, zudem muss das psychologische Umschalten zwischen Klub und Nationalmannschaft binnen weniger Stunden gelingen.

Normal also, dass Jogi Löw sich neben den Stammkräften einige Versuchskaninchen ins obligatorische Vorbereitungs-Camp ordert. Um zu sehen, wer perspektiv in seine Planung passt und vielleicht auch schon weit genug für den direkten Einsatz ist. Denn solche Spieler werden für den Bundestrainer zur sprichwörtlichen Waffe: Seine Elf wird für die direkte Konkurrenz unberechenbar. Und diese Form der taktischen Breite ist, auch das zeigt die Erfahrung, genau nach Löws Geschmack.

Gleichzeitig heißt das aber auch: Es werden zwar nicht die Stammspieler, aber der erweiterte Kreis intensiv überprüft. Nachdem im Vorfeld bereits altgediente Spieler wie Marcell Jansen rasiert wurden, könnte es zum Ende des Intensivlehrgangs tatsächlich zu Entscheidungen kommen, die so kaum jemand auf dem Zettel haben dürfte.

Zumal es für Löw derzeit schwer ist, den tatsächlichen Leistungsstand seiner arrivierten Profis zu beurteilen. Stammkräfte wie Lahm, Neuer, Schweinsteiger oder Khedira laborieren oder laborierten an Verletzungen. Die Blocks von Borussia Dortmund und dem FC Bayern sind diese Saison wieder einmal fast maximal in drei Wettbewerben belastet worden. Hinzu kommt die nicht optimale Vorbereitung in Tirol, die von Unfällen, Störfeuern und widrigem Wetter begleitet wurde. Dennoch: Nach dem Länderspiel gegen Kamerun muss die Entscheidung fallen.

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