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25.06.2014

19:39 Uhr

Littbarski und Gijon

„Mit Nichtangriffspakt kann ich nichts anfangen“

VonAlexander Möthe

Die „Schande von Gijón“ veränderte 1982 den Fußball. Pierre Littbarski war damals hautnah dabei. Er gab die Flanke zum entscheidenden 1:0 gegen Österreich. Für ihn hat das Spiel nichts mit Schande zu tun. Ein Interview.

Wolfsburgs Chefscout Pierre Littbarski: Seine Flanke führte 1982 beim Spiel gegen Österreich zum entscheidenden Tor. Imago

Wolfsburgs Chefscout Pierre Littbarski: Seine Flanke führte 1982 beim Spiel gegen Österreich zum entscheidenden Tor.

Pierre Littbarski hat im Fußballgeschäft viel erlebt. Als Spieler war er unter anderem Pokalsieger und Weltmeister. Als Trainer zog es ihn als Pionier in die japanische Liga. Aktuell ist er Chef der Scouting-Abteilung des VfL Wolfsburg, die WM lässt ihm keine ruhige Minute. Auch, weil er 1982 beim „Nichtangriffspakt von Gijón“ die Flanke zum entscheidenden Tor gegeben hat. Handelsblatt Online wollte von dem Mann vor dem Spiel Deutschland gegen die USA wissen, wie sich ein Spiel wie dieses anfühlt.

Herr Littbarski, vor dem letzten Gruppenspiel der WM-Gruppe G genügt ein Unentschieden, damit Deutschland und die USA ins Achtelfinale einziehen. Erinnert Sie die Konstellation an etwas?
Littbarski: An was erinnert es Sie denn?

Die Assoziation bei uns ist das böse Wort „Gijon“…
Das ist vielleicht von ihrer Seite aus ein böses Wort. Ich habe eine gute Erinnerung an das Spiel. Mit dem vielzitierten Stichwort „Nichtangriffspakt“ kann ich nichts anfangen. Ich war damals ein junger Spieler und mit dem 1:0 zufrieden. Aber es ist eine ähnliche Konstellation wie jetzt vor dem USA-Spiel.

Deutschland gegen USA: Bloß nicht wieder Gijón

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Bloß nicht wieder Gijón

In der WM-Gruppe G reicht beiden Teams ein Unentschieden für das Erreichen des Achtelfinals. Doch einen Nichtangriffspakt wird es nicht geben. Dafür sind die Trainer zu ehrgeizig – und es steht zu viel auf dem Spiel.

Sie hatten also nicht den Eindruck, dass sich die Spieler nach Absprache zurückgehalten hätten?
Nein.

Sie haben die Flanke zum Tor von Horst Hrubesch gegeben. Ist es für einen Fußballprofi an dieser Stelle überhaupt möglich, sich zurückzuhalten?
Das weiß ich nicht. Ich persönlich kann es nicht, weil ich offensives Spiel liebe.

Haben Sie im Nachgang daran zu knabbern gehabt, gerade an der negativen Berichterstattung?
Das war ja fast schon ein bisschen Gewohnheit. Für uns Deutsche muss immer alles perfekt sein, insofern ist die Reaktion oft so. Natürlich war es nicht angenehm, als die Leute auf den Rängen mit weißen Fahnen gewunken haben. Ich bin auch speziell drauf angesprochen worden. Aber ich weiß nichts von einer Absprache, habe mich gefreut, dass ich die Flanke zum Tor gegeben habe und dass wir eine Runde weiter waren. Insofern war die Berichterstattung im Nachhinein sehr ärgerlich, weil es die gesamte Leistung der WM auf diesen Punkt reduziert hat.

Gibt es etwas, von dem Sie sagen, es ist damals falsch gelaufen?
Die Spieler sollten gar nicht in diese Situation kommen, dass man sich das Weiterkommen errechnen kann. Das ist die Problematik. Es wird immer auf Ergebnis gespielt werden.

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