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23.07.2012

19:13 Uhr

Londons OK-Chef

Sebastian Coes Probleme auf der Zielgerade

VonKatharina Slodczyk

Lange liefen die Vorbereitungen für Sebastian Coe, Cheforganisator der Sommerspiele, recht glatt. Auf den letzten Metern aber häufen sich die Schwierigkeiten. Doch wenn Coe eins kann, dann um den Erfolg kämpfen.

Der Chef der Londoner Spiele: Ex-Ausnahmeläufer Sebastian Coe. dpa

Der Chef der Londoner Spiele: Ex-Ausnahmeläufer Sebastian Coe.

LondonEs dauerte keine zehn Minuten, was ihm am Ende eine Aufgabe für gut sieben Jahre bescherte. Keine zehn Minuten redete Sebastian Coe Anfang Juli 2005 vor der Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees in Singapur. Er sprach über sich im Alter von zwölf Jahren, wie er 1968 die Olympischen Spiele in Mexiko City vor dem Fernseher verfolgte und danach beschloss: Ich werde Leichtathlet.

Diese sehr persönliche und mitreißende Rede war es, die nach Ansicht von Beobachtern damals den Ausschlag gab: Mit 54 zu 50 Stimmen setzen sich Coe und sein Team im letzten Wahlgang durch. London wurde zum Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 2012 ­ und Coe, der ehemalige Mittelstreckenläufer und vierfacher Olympiamedaillengewinner, zum Chef des Organisationskomitees.

Wenn am kommenden Freitag das Großereignis mit einer aufwendigen Feier im Olympia-Stadion beginnt, dann ist der wesentliche Teil von Coes Organisationsarbeit beendet. Nach gut sieben Jahren. Weitgehend verliefen die Vorbereitungen auch äußerst glatt und geräuschlos. Doch jetzt auf den letzten Metern folgt eine Panne der anderen.

Erfolgreichste Olympioniken (international)

Platz 1

Schon vor seiner dritten Olympia-Teilnahme unsterblich gemacht hat sich US-Schwimmer Michael Phelps. 2004 und 2008 schwamm er bereits zu unfassbaren 14 Gold- und drei Bronzemedaillen.

Platz 2

Larissa Latynina gewann zwischen 1956 und 1964 18 Medaillen. Neun Mal Gold, fünf Mal Silber und vier Mal Bronze holte die Turnerin für die Sowjetunion.

Platz 3

Der finnische Langstreckenläufer Paavo Nurmi holte von 1920 bis 1928 Leichtathletik neun Goldmedaillen sowie drei Mal Silber.

Platz 4

Schwimmlegende Mark Spitz aus den USA holte 1968 und 1972 neun Mal Gold sowie je ein Mal Silber und Bronze.

Platz 5

Eine Bronzemedaille weniger gewann der US-Leichtathlet Carl Lewis. Von 1984 bis 1996 sammelte er neun Goldmedaillen und eine Silbermedaille.

Weil der Sicherheitskonzern G4S nicht genug Wachleute rekrutieren konnte, müssen Polizei und Militär kurzfristig die Lücken schließen. Weil die Organisatoren um Coe den komplett ortsfremden Busfahrern, die die Athleten ins olympische Dorf bringen sollten, offenbar keine genauen Anweisungen gaben, verirrten sich diese in der britischen Hauptstadt und fuhren stundenlang mit den Sportlern durch die Gegend herum. Und weil es schon seit Wochen in London regnet, verzögern sich einige Arbeiten im Olympia-Park und das Gelände gleicht teilweise noch immer einer Baustelle.

Coe lässt sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Er macht das, was er in seiner zweiten Karriere als Politiker der konservativen Tory-Partei perfektioniert hat: Er beschwichtigt, er wiegelt ab. „Wir werden das schon schaffen“, verspricht er. Negativen Schlagzeilen gebe es vor jeder sportlichen Großveranstaltung. „Aber schon bald wird der Sport alles andere verdrängen.“

Lange Zeit sah es so aus, als ob der Mann, der einst als „weißer Wunderläufer“ gefeiert wurde, die perfekten Olympischen Spiele abliefern würde. Ganz nach Plan hakte er die einzelnen Punkte auf seiner To-do-Liste ab. Radrennbahn, Olympia-Stadion, Schwimmzentrum – eine Wettkampfstätte nach der anderen wurde pünktlich fertig. Sobald das Budget für den Mega-Event einmal auf mehr als neun Milliarden Pfund (umgerechnet über elf Milliarden Euro) erhöht worden war, blieben die Organisatoren auch innerhalb dieses Rahmens. „Keine Enttäuschungen, kein glorreiches Scheitern – wie furchtbar unbritisch“, kommentierte eine englische Zeitung Coes Arbeit vor ein paar Wochen.

Da hatte seine Sportlerkarriere deutlich mehr Spektakuläres zu bieten. Die Duelle, die sich Coe Ende der 70er und Anfang der 80er-Jahre mit seinem Erzrivalen Steve Ovett lieferte, gelten als legendär. Mal lief der eine einen Weltrekord, mal der andere. Bei den Olympischen Spielen in Moskau war es Ovett, der die Goldmedaille in Coes Paradedisziplin, dem 800-Meter-Lauf, gewann. Dafür schlug Coe den Konkurrenten auf dessen Lieblingsdistanz, den 1500 Metern, und stand mit Gold auf dem Siegertreppchen. „Ja, die Rivalität hat mir geholfen“, wird Coe Jahrzehnte später sagen. Man brauche einen solchen Konkurrenten, um sich zu steigern.

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