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16.06.2011

10:38 Uhr

„Machos und Spießbürger“

Frankreich hadert mit seinen Fußball-Frauen

Frankreichs Fußballfrauen haben mittlerweile beim Thema Erfolg die Männer überflügelt. Olympique Lyon gewann sogar die Champions League. Doch trotz steigender Popularität haben die Damen mit Ressentiments zu kämpfen.

Sonia Bompastor (hier im Dress von Olympique Lyon mit der Champions-League-Trophäe) ärgert sich über überflüssige Fragen zu ihrem Sport. Quelle: dpa

Sonia Bompastor (hier im Dress von Olympique Lyon mit der Champions-League-Trophäe) ärgert sich über überflüssige Fragen zu ihrem Sport.

ParisSonia Bompastor ist es leid. Die Kapitänin der französischen Fußballnational-Elf wird immer wieder gefragt, warum sie als Frau überhaupt Fußball spiele. Bompastor ist in Frankreich die bekannteste Stimme ihres Sports - manchmal auch gegen ihren Willen. „Es ist ätzend, sich immer rechtfertigen zu müssen“, sagt sie.

Die 31-Jährige hat denn auch gleich zwei Wünsche an die Weltmeisterschaft in Deutschland: Sie möchte mit ihrem Team weit nach vorne kommen und auch gegen die deutsche Elf gewinnen. Vor allem aber wünscht sich die Abwehrspielerin „eine echte Anerkennung des Frauenfußballs“ in ihrem Heimatland.

Dabei haben Frankreichs Kickerinnen in den vergangenen Jahren wesentlich mehr Aufmerksamkeit erfahren als ihre deutschen Kolleginnen. Wichtige Spiele werden zur besten Sendezeit in öffentlichen und privaten Sendern übertragen. Der Frauenfußball habe weniger Fans als der Männersport, heißt es beim Privatsender Direct 8. „Dabei geht es da noch viel mehr um den sportlichen Wettbewerb als um Geld.“ Auch deshalb habe sich der Konzern entschieden, Spiele zur besten Sendezeit zu übertragen - mit beachtlichem Erfolg.

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Einige Matches wurden von mehr als einer Million Zuschauern gesehen. Die großflächig beworbene Partie gegen England bei der Weltmeisterschaft 2003 verfolgten 24.000 Fans im Stadion von Saint Etienne und mehr als eine Million vor den Fernsehern. Bei dieser WM 2011 ist die mediale Präsenz noch größer: Viele Sportseiten im Internet bieten inzwischen Live-Ticker für die großen Spiele der Frauen an - darunter auch die ansonsten eher vom Männersport geprägte Tageszeitung „L'Equipe“.

Denn die weibliche Elf ist inzwischen wesentlich erfolgreicher als die Männer-Mannschaft, die zuletzt bei der WM in Südafrika nur durch Streitereien, Streiks und Indiskretionen aus der Umkleidekabine von sich reden machte. Bei den Frauen hat Olympique Lyon Ende Mai Turbine Potsdam in der europäischen Champions League geschlagen. Es war der erste europäische Titel und könnte wegweisend sein für die Zukunft des französischen Frauenfußballs sein. Nahm die Frauenelf bislang nur 2003 und ohne großen Erfolg an der Weltmeisterschaft in den USA teil, gehört sie diesmal zu den Favoritinnen.

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