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01.06.2014

18:16 Uhr

Mängel vor der WM

Brasiliens Baustellen

VonAlexander Busch

Elf Tage vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft ist Brasilien noch eine riesige Baustelle. Manchmal hakt es, manchmal geht noch gar nichts. Eine Reportage aus Brasilien über den Stand der WM-Vorbereitungen.

Die derzeit chaotischste Flughafenanbindung gibt es in Cuiabá: Dort wurde der neue Flughafen nicht fertig – wie auch in vielen anderen Spielorten nicht. Doch auch die Verkehrsverbindungen von den improvisierten Ankunftshallen in die Stadt sind noch eine einzige Baustelle: Die Straßen wurden aufgerissen und warten auf den Asphalt und Stromleitungen. Wo Brücken stehen sollten, gibt es bisher nur ein paar verlorene Betonpfeiler. Ein Taxi bekommt nur, wer sich durch Lehm und Geröll ein paar hundert Meter durch den Verkehr weg vom Flughafengebäude gedrängt hat. Die Terminals für die Busse in die Stadt wechseln ständig ihren Standort.

Am Infostand im Flughafen wissen die netten Damen der Information nicht, wo er sich aktuell gerade befindet. Die Taxifahrer suchen neue Wege, um die Dauerstaus zu vermeiden – und fahren durch schummrige Rotlicht-Bezirke und Slums der Peripherie der Stadt, wo Fahrer wie Fahrgast hoffen, dass der Motor jetzt nicht streikt.  Doch der für die WM-Vorbereitungen zuständige Sekretär der 600.000 Einwohnerstadt winkt ab: „WM-Touristen wollen Partys, keine Fußgängerbrücken“, beruhigt Maurício Guimarães von der Secopa, der Vorbereitungskommission der Bundeslandes Mato Grosso, wo am 17. Juni Russland gegen Südkorea spielt.

Der WM-Fahrplan der DFB-Elf

21. Mai

Start des Trainingslagers im Passeiertal in Südtirol

01. Juni

Länderspiel gegen Kamerun in Mönchengladbach

02. Juni

Meldeschluss für den 23-Mann-Kader bei der FIFA

05. Juni

Treffpunkt in Mainz nach zwei freien Tagen

06. Juni

Benefizländerspiel gegen Armenien in Mainz

07. Juni

Abflug von Frankfurt nach Brasilien

08. Juni

Ankunft im „Campo Bahia“ in Santo André

16. Juni

WM-Vorrunde Deutschland gegen Portugal in Salvador

21. Juni

WM-Vorrunde Deutschland gegen Ghana in Fortaleza

26. Juni

WM-Vorrunde Deutschland gegen USA in Recife

Cuiabá ist die chaotischste, aber nicht die einzige Stadt, wo die Anbindungen zwischen Flughäfen, Stadien und Hotels noch nicht da sind, wo sie nach dem Stand der Planung längst sein sollten. Denn nur zehn Prozent der Projekte, welche den öffentlichen Transport für die Copa erschließen sollten, wurden umgesetzt.

In der Hälfte der zwölf Städte ist von den Bussen, Metros und S-Bahnen gar nichts realisiert worden. Kein Wunder, dass im vergangenen Jahr die Massenproteste zum Confed Cup genau dann begannen, als die Busunternehmen die Preise erhöhen wollten, obwohl sie keinen besseren Service anzubieten hatten. „Ihr wollt mit der Metro bis zum Stadion fahren? Was für ein Quatsch!“, empörte sich kürzlich Ex-Präsident Luis Inácio Lula da Silva, der 2007 die WM nach Brasilien holte. Der begeisterte Fußballfan legte nach: „Wir sind früher immer kilometerweit zu den Spielen zu Fuß gegangen, was soll die ganze Aufregung?“

Kommentare (3)

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02.06.2014, 08:44 Uhr

Nur das? Ueber Sochi gab es oefters und viel schlimmeres zu lesen. Boese Zuengen koennten fast meinen, dass westliche Regierungen die Medien kontrollieren und als Meinungsmacher einsetzt.

Account gelöscht!

02.06.2014, 08:48 Uhr

Hauptsache Spiele - wie im alten, dekadenten Rom.....
Und das tumbe Volk lässt sich heute so wie damals manipulieren und vorführen....
Die Geschichte lehrt die Menschen,
dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt

Account gelöscht!

02.06.2014, 11:19 Uhr

nach meinen letzten Stand vor Ort hätte mich anderes auch gewundert; in Cuiaba z.B. findet man auch heute noch "bewohnereigene" Hinweismittel a´la "Reifen und Holzlatten in tiefgehende Schlaglöcher gesteckt" , damit die Achse vom Auto nicht ganz wegfliegt.

Aber...Charme hat das alles; trotz allem.

Man kann nur hoffen das die nicht ausgegebene Kohle erheblich sinnvoller als in Fußballstadien gesteckt wird. Der Flughafen in Cuiaba ist wirklich ein absolutes "aua": für eine Bundeshauptstadt ist das wirklich etwas traurig; von den direkten Zugangsstrassen ganz abgesehen. Aber ... das ist nun mal Lateinamerika. Ich bin trotzdem gerne da; boa noite.

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