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01.07.2012

09:57 Uhr

Mediale Augenwischerei

EM wurde schon Monate vorher aufgezeichnet

VonSteffen Daniel Meyer

Erst Löw, der einen Balljungen neckt, dann die weinende Deutschland-Anhängerin – beides vor dem Spiel aufgenommen, aber während der Partie ausgestrahlt. Jetzt ist klar: Die gesamte EM ist durchinszeniert. Eine Satire.

Mario Balotelli zeigt seine Muskeln. Ein Bild, das sich ins kollektive Fußballgedächtnis eingebrannt hat. Kein Wunder: Es ist inszeniert. dpa

Mario Balotelli zeigt seine Muskeln. Ein Bild, das sich ins kollektive Fußballgedächtnis eingebrannt hat. Kein Wunder: Es ist inszeniert.

Warschau?Es hätte das Meisterstück der Uefa werden sollen: eine reibungslose, perfekt durchgeplante EM mit wenigen Zwischenfällen. Doch offenbar hat die Fußballorganisation nicht genug Vertrauen in Polen und die Ukraine gehabt – und das gesamte Turnier schon vorher aufgezeichnet. Der Plan war perfekt, doch dann wollte die Uefa zu viel. Denn sie sendete während eines Spiels Szenen, die schon vor den Partien entstanden waren: Jogi Löw neckte einen Balljungen, eine Frau weinte bei der Partie Deutschland – Italien. Da dachten sich viele: Waren das wirklich die einzigen Zwischenfälle?

Jetzt ist klar: Nein, waren es nicht.

Die gesamte EM wurde bereits im Frühjahr aufgezeichnet, wie jetzt aus Kreisen der Uefa zu hören war. Einer der Gründe: „Das Wetter war einfach besser.“ Außerdem wollte man eventuellen Konflikten zwischen Staaten vorbeugen, etwa falls eine Ex-Präsidentin in den Hungerstreik tritt und damit die politischen Beziehungen belastet. vorbeugen, etwa falls eine Ex-Präsidentin in den Hungerstreik tritt und damit die politischen Beziehungen belastet.

Und auch die Europäische Union schien bei der Planung dieses medialen Blendwerks mitgewirkt zu haben: In einem internen Brief, der uns nicht vorliegt, wird die Uefa gebeten, die geheime „Aufzeichnung dann auszustrahlen, wenn gerade wichtige Entscheidungen zur Entwicklung der Europäischen Währungsunion (Fiskalpakt, ESM) getroffen werden“. So könne man sicherstellen, dass „die Bürger in Europa trotz einschneidender Veränderungen sich nicht über die Duelle im Europäischen Rat, sondern über die auf dem Fußballfeld unterhalten“.

Doch wie konnte das gelingen? Wer hat so viel Geld, Stadien zu bauen, Fußballmillionäre und Fans zu bestechen? Die Antwort: China. Die wachstumsstarke Nation hat ein paar seiner Dollardevisen locker gemacht und in seinem Hinterland schnell eine Fußballarena hochgezogen – in Zukunft sollten dort öfter Sportveranstaltungen abgehalten werden, die man zu Krisenzeiten schnell senden könnte. Die Europameisterschaft war das Pilotprojekt. Als kleinen Bonus hat die chinesische Liga noch ein paar Spieler bekommen: Frederic Kanoute, Didier Drogba, Nicolas Anelka, Lucas Barrios kicken jetzt nicht ohne Grund in Asien.

Innerhalb weniger Wochen waren die Spiele der EM effizient abgedreht. Dabei wurden ab den Halbfinalfinal-Spielen immer zwei Versionen aufgenommen, damit man schnell auf unvorhergesehene Ereignisse in der Euro-Politik reagieren konnte. „Wer glaubt denn im Ernst an Zufall, wenn Italien Deutschland sowohl in Brüssel als auch auf dem Fußballfeld besiegt?“, so ein Vertrauter mit der Materie. „Das war die Forderung der Medienbranche, damit diese billige Wortspiele machen und einfache Vergleiche zwischen Euro- und Fußballkrise ziehen kann.“

Und so finden sich auch andere Ereignisse im Fußballgeschehen wider: Wenn Großbritannien beim Fiskalpakt nicht mitmacht, dann dürfen sie eben auch nicht weiterkommen. Und wenn Frankreich mit Hollande plötzlich einen Anti-Sarkozy aufstellt, ist eben im Viertelfinale Schluss. Und für die Griechen könnte es auch in der Währungsunion wie auf dem Platz enden: Erst lässt man sie hoffen - und dann kickt Deutschland sie raus..

Nun steht nur noch das Finale zwischen Spanien und Italien bevor. Italiens Regierungschef Monti durfte sich schon Freitagabend als Sieger präsentieren, Spaniens Ministerpräsident Rajoy wurde hingegen kaum erwähnt. Daher soll sein Land zumindest die getürkte EM gewinnen. Trotzdem warnt ein Insider, dass man nicht darauf wetten sollte. Denn nicht umsonst steckt der italienische Fußball gerade mitten in einem Korruptionsskandal.

An dieser Satire haben mitgearbeitet: Simon Sturm und Lisa Hegemann.

Kommentare (21)

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ball

01.07.2012, 10:40 Uhr

Diese EM war eindeutig die EM der Scripted Reality auf Dieter Bohlen RTL Niveau.

Account gelöscht!

01.07.2012, 11:13 Uhr

Auf focus.de heute:
"... Für Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann liegen die Gründe für das Scheitern der Löw-Elf im Halbfinale der EM auf der Hand: Lahm, Podolski und Schweinsteiger waren nicht auf Topniveau, es mangelt an der Siegermentalität. ... "

Genau meine Meinung. Lahm, Podolski, Özil weg.

Account gelöscht!

01.07.2012, 13:21 Uhr

Eben gelesen bei n-tv.de:

Prämie fürs Erreichen des Halbfinals:
Lahm und Co. erhalten 100.000 Euro

DAS IST DOCH EINE SAUEREI !! Steuergeld um für Deutschland zu spielen.

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