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01.08.2012

22:30 Uhr

Mehrkampf-Silber

Nguyen der bessere Hambüchen

Volles Risiko, zwei Stürze, Platz 15: Mitfavorit Fabian Hambüchen hat beim Olympischen Turn-Mehrkampf alle Erwartungen verfehlt. Für ihn sprang buchstäblich Marcel Nguyen ein und sorgte für Historisches.

Silberne Überraschung: Marcel Nguyen. dpa

Silberne Überraschung: Marcel Nguyen.

Nach dem Wettkampf seines Lebens posierte Marcel Nguyen breit grinsend und stolz mit seinem unerwarteten Olympia-Silber. An diesem historischen Abend vor 16 500 Zuschauern in der ausverkauften North Greenwich Arena von London trat der 24 Jahre alte Unterhachinger endlich aus dem Schatten des vermeintlichen Mitfavoriten Fabian Hambüchen, der völlig ernüchtert versuchte, seinen Absturz auf Rang 15 zu analysieren.

76 Jahre nach dem Olympiasieg von Alfred Schwarzmann in Berlin berauschte Sportsoldat Nguyen mit seiner spektakulären Aufholjagd am Mittwoch alle. „Ich bin überwältigt. Seit ich ein kleiner Junge war, träume ich von Olympia. Heute ist ein Traum wahr geworden“, sagte der Sohn eines Vietnamesen und einer Deutschen.

Mit 91,031 Zählern, dem besten Ergebnis seiner Karriere, musste der Außenseiter nur dem haushohen Favoriten Kohei Uchimura (92,690) aus Japan den Vortritt lassen. Bronze ging an den US-Amerikaner Danell Leyva mit 90,698 Zählern. Hambüchen leistete sich dagegen drei dicke Patzer und turnte mit 87,765 Punkten sogar drei Zähler weniger als in der Qualifikation.

„Ich kann es nicht ändern, ich kann die Zeit nicht zurückdrehen. Ich bin fit und stecke den Kopf nicht in den Sand“, sagte Hambüchen total enttäuscht und meinte fast trotzig: „Das ist nicht das Ende.“ Die Wachablösung im deutschen Turnen wollte er zunächst nicht kommentieren.

Historische Medaillenspiegel

1992

Bei den Sommerspielen in Barcelona landete die erste Gesamtdeutsche Mannschaft nach der Wiedervereinigung auf Rang drei der Nationenwertung. 82 Medaillen wurden geholt, 33 Mal Gold, 21 Mal Silber und 28 Mal Bronze.

1996

Im US-amerikanischen Atlanta konnte der dritte Platz im Medaillenspiegel verteidigt werden. Dazu musste das Olympia-Team nur noch 65 Mal Edelmetall holen. Die Athleten gewannen 20 Goldmedaillen, 18 Mal Silber und 27 Mal Bronze.

2000

In Sydney reichten 56 Medaillen nur noch für den fünften Rang. 13 Goldmedaillen, 17 Silbermedaillen und 26 Bronzemedaillen sammelte der deutsche Olympia-Kader ein.

2004

Etwas schlechter sah es dann 2004 in Athen aus. 13 Mal Gold, 16 Silbermedaillen und 20 Mal Bronze - 49 Medaillen langten in der Nationenwertung für den sechsten Platz.

2008

Bei den Spielen in Peking wurde der Trend umgekehrt: 16 Mal Gold, 10 Mal Silber und 15 Bronzemedaillen holten deutsche Olympioniken - Rang fünf im Medaillenspiegel.

Deutschlands neuer Vortuner ließ sich indes ausgiebig feiern. Mit dem letzten Platz an seinem Zittergerät Seitpferd startete der zweimalige Barren-Europameister nur mäßig in die Konkurrenz. „Ich bin froh, dass ich nicht runtergefallen bin. Dann habe ich die Aufholjagd gestartet, und diese Taktik war heute gar nicht so schlecht“, erzählte der unerwartete Turn-Held euphorisch. Nguyen steigerte sich von Gerät zu Gerät und bewies vor allem bei seinen schwierigen Übungen am Barren und Reck Nervenstärke.

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