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11.02.2014

15:54 Uhr

Mildes Olympia-Wetter

Gastgeber sagen Frühling den Kampf an

Tiefe, sulzige Loipen und verärgerte Athleten: Der Frühlingseinbruch in Sotschi stellt die Organisatoren und Techniker vor eine „Mammutaufgabe“. Die Olympia-Macher aber sagen dem Frühling den Kampf an.

Freestyler Ville Miettunen aus Finnland hat schon seine Erfahrung mit dem Schnee gemacht: Viele Sportler kritisieren die schlecht preparierten Pisten – was bei Plusgraden aber kein Wunder ist. dpa

Freestyler Ville Miettunen aus Finnland hat schon seine Erfahrung mit dem Schnee gemacht: Viele Sportler kritisieren die schlecht preparierten Pisten – was bei Plusgraden aber kein Wunder ist.

SotschiWillkommen zu den Frühlingsspielen von Sotschi! Unter Palmen an der Schwarzmeerküste sind bei Nieselregen dicke Jacken und Handschuhe überflüssig, fünf Grad in den Bergen von Krasnaja Poljana bereiten vor allem den Langläufern Probleme. Trotz voraussichtlich steigender Temperaturen in den kommenden Tagen und Kritik an den Bedingungen geben sich die Olympia-Macher jedoch weiter gelassen. „Wir haben ein starkes Programm für die Lagerung und Produktion von Schnee“, sagte Alexandra Kosterina, Sprecherin des Sotschi-Organisationskomitees, am Dienstag.

In den vergangenen zwei Jahren seien Schneemassen gesammelt und gelagert worden - mehr als 700 000 Kubikmeter. „Wir hatten sehr warme Temperaturen im vergangenen Winter. Aber alles ging gut.“ Es gebe viel Schnee, betonte auch Mark Adams, Sprecher des Internationalen Olympischen Komitees. „Es ist nur ein bisschen warm.“ Nachts lägen die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. „Bisher läuft alles nach Plan“, versicherte er. Nachdem bereits erste Trainings in der Damen-Abfahrt oder beim Springen der Nordischen Kombinierer abgesagt werden mussten, werden die Klagen jedoch lauter. „Die Sprintstrecke war heute früh eine Katastrophe“, sagte Herren-Langlauf-Trainer Andreas Schlütter vor der Sprint-Entscheidung. Dabei quälten sich Denise Herrmann und Co. über eine tiefe, sulzige Loipe.

Mit Salz wurde der Schlussanstieg im „Laura“-Komplex präpariert - in der Halfpipe warnten die Athletinnen zunächst sogar vor bedenklichen Verhältnissen. „Ich habe so viele Leute stürzen sehen wie in der gesamten Saison. Es ist gefährlich, weil es beschissen ist“, sagte die Amerikanerin Hannah Teter, Olympiasiegerin von 2006. Das mit Chemikalien behandelte Eis garantierte aber zumindest in der Qualifikation der Männer am Dienstag gute Bedingungen. „Der Schnee ist weich, aber hält. Es ist ganz anders als gestern“, lobte US-Superstar Shaun White. „Ich bin so dankbar.“

Sorgen machten bei den Nordisch Kombinieren vor dem ersten Wettkampf am Mittwoch vor allem die Laufstrecke - einer Mischung aus Kunstschnee und natürlichem Altschnee. „Die Konsistenz ist total verschieden. Manche Abschnitte liegen voll in der Sonne, andere im Schatten“, sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch. Auch Tino Edelmann erwartet reichlich Arbeit für das Team hinter den Athleten: „Das wird eine Mammutaufgabe für unsere Techniker.“ Die Biathleten werteten ihr Geläuf bislang als „gut präparierte Strecke“, erklärte Männer-Bundestrainer Mark Kirchner. „Fürs Wochenende ist ja wieder leichter Frost, so minus fünf bis sechs Grad angesagt sowie leichter Schneefall. Dann ist alles wieder okay“, sagte er.

Zuvor werden allerdings in den Bergen vor dem Wochenende mehr als zehn Grad erwartet, im Olympia-Park in den Subtropen sind für Freitag sogar frühsommerliche 17 Grad prognostiziert. Bei der Siegerehrung für Maria Höfl-Riesch wähnte ein Mitglied aus der Delegation der Super-Kombi-Siegerin bereits den Geruch des Frühlings in der Luft.

Das Problem warmer Winterspiele ist allerdings nicht neu: So erwies sich das Wetter auch bei den Spielen von Vancouver 2010 auf dem Cypress Mountain als größte Hürde. Der Schnee für die Snowboarder und Ski-Crosser musste mit Hubschraubern gebracht werden, Nebel und Dauerregen führten in Whistler zu Absagen und Verschiebungen. Soweit ist es in Sotschi noch nicht - auch wenn das Wetter für manche unerwarteten Probleme sorgt. „Ich versuche hier die Sonne zu meiden“, meinte die britische Skirennfahrerin Chemmy Alcott. „Ich fühle mich, als ob ich bereits einen Sonnenbrand bekomme.“


Von

dpa

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