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05.01.2013

09:54 Uhr

35. Rallye Dakar

Deutsche wollen Top-Favorit die Tour vermiesen

8.574 Kilometer, 14 Etappen: Die Rallye Dakar startet in Peru. Topfavorit auf den Titel ist der Franzose Peterhansel. Doch ein alter Bekannter will ihm die Tour vermiesen – mit einem deutschen Co-Piloten an seiner Seite.

Der französische Rallye-Pilot Stephane Peterhansel bei der Rallye Dakar 2012. Der Franzose hat das Auto-Rennen bereits vier Mal gewonnen. dpa

Der französische Rallye-Pilot Stephane Peterhansel bei der Rallye Dakar 2012. Der Franzose hat das Auto-Rennen bereits vier Mal gewonnen.

Lima/BerlinDie Wüste ruft diesmal gleich zu Beginn. Zum ersten Mal, seit der Dakar-Tross durch Südamerika rollt, müssen sich die Fahrer unmittelbar nach dem Start in Lima auf die Tücken der peruanischen Dünen einstellen. Gerade dort wird es auch wieder auf den deutschen Beifahrer Dirk von Zitzewitz ankommen, wenn er mit seinem südafrikanischen Piloten Giniel de Villiers den überraschenden dritten Rang mit dem Toyota Hilux vor einem Jahr bei der Premiere noch toppen will. Im VW Touareg hatte von Zitzewitz seinen Partner de Villiers 2009 schon zum Sieg geführt.

An diesem Samstag verlassen fast 200 Motorradfahrer, rund 160 Autos, 40 Quads und 75 Trucks die Rampe in Perus Hauptstadt Lima. Die Teilnehmer kommen aus 53 Nationen. Am 19. Januar steht in Chiles Kapitale Santiago nach insgesamt 14 Etappen der Sieger der 35. Rallye Dakar fest. „Es wird ein harter Wettkampf in diesem Jahr“, prophezeite schon Vorjahressieger Stéphane Peterhansel. Neben Peru und Chile wird auch wieder Argentinien Gastgeber der fünften Südamerika-Auflage des legendären Offroad-Spektakels sein.

Sieger der Rallye Dakar seit 2000

2000

Jean-Louis Schlesser/Henri Magne (Frankreich)

Schlesser-Renault

2001

Jutta Kleinschmidt/Andreas Schulz (Deutschland)

Mitsubishi Pajero

2002

Hiroshi Masuoka/Pascal Maimon (Japan/Frankreich)

Mitsubishi Pajero

2003

Hiroshi Masuoka/Andreas Schulz (Japan/Deutschland)

Mitsubishi Pajero

2004

Stéphane Peterhansel/Jean-Paul Cottret (Frankreich)

Mitsubishi Pajero

2005

Stéphane Peterhansel/Jean-Paul Cottret (Frankreich)

Mitsubishi Pajero

2006

Luc Alphand/Gilles Picard (Frankreich)

Mitsubishi Pajero

2007

Stéphane Peterhansel/Jean-Paul Cottret (Frankreich)

Mitsubishi Pajero

2008

aus Sicherheitsgründen abgesagt

2009

Giniel de Villiers/Dirk von Zitzewitz (Südafrika/Deutschland)

VW Touareg

2010

Carlos Sainz/Lucas Cruz (Spanien)

VW Touareg

2011

Nasser Al-Attiyah/Timo Gottschalk (Katar/Deutschland)

VW Touareg

2012

Stéphane Peterhansel/Jean-Paul Cottret (Frankreich)

Mini

Nach seinem insgesamt zehnten Sieg vor zwölf Monaten startet Peterhansel auch bei der Dakar 2013 wieder als einer der Topfavoriten. Steuern wird der Franzose erneut einen Mini des hessischen x-raid Teams. Neben dem 47-Jährigen setzt Teamchef Sven Quandt auf weitere bewährte Kräfte.

Allerdings müssen sich die erfahrenen Peterhansel & Co auch auf die Attacken eines alten Bekannten gefasst machen. Nach einem Jahr Auszeit ist der ehemalige Rallye-Weltmeister Carlos Sainz mit dem deutschen Co-Piloten Timo Gottschalk wieder am Start, er tritt neben dem 2011-Gewinner Nasser Al-Attiyah für das neue Qatar Red Bull Rallye Team in einem Buggy an. „Druck gehört zu einem Projekt von dieser Größe dazu, aber es ist Teil meines Jobs, damit klarzukommen“, betonte Sainz. „Es gibt keine Zeit zum Beobachten.“

Etappenplan der Rallye Dakar 2013

1. Etappe (5. Januar)

Von Lima/Peru bis Pisco (263 km – davon 13 km Wertungsprüfung)

2. Etappe (6. Januar)

Von Pisco bis Pisco (327 km – 242 km WP)

3. Etappe (7. Januar)

Von Pisco bis Nasca (343 km – 243 km WP)

4. Etappe (8. Januar)

Von Nasca bis Arequipa (717 km – 288 km WP)

5. Etappe (9. Januar)

Von Arequipa bis Arica/Chile (509 km – 172 km WP)

6. Etappe (10. Januar)

Von Arica bis Calama (767 km – 454 km WP)

7. Etappe (11. Januar)

Von Calama bis Salta/Argentinien (754 km – 220 km WP)

8. Etappe (12. Januar)

Von Salta bis Tucumán (849 km – 470 km WP)

Ruhetag am 13. Januar

9. Etappe (14. Januar)

Von Tucumán nach Córdoba (852 km – 593 km WP)

10. Etappe (15. Januar)

Von Córdoba bis La Rioja (632 km – 353 km WP)

11. Etappe (16. Januar)

Von La Rioja bis Fiambalá (481 km – 219 km WP)

12. Etappe (17. Januar)

Von Fiambalá bis Copiapó/Chile (715 km – 319 km WP)

13. Etappe (18. Januar)

Von Copiapó bis La Serena (735 km – 441 km WP)

14. Etappe (19. Januar)

Von La Serena bis Santiago (630 km – 128 km WP)

Gesamtlänge

8574 km – davon 4155 km WP

Die Etappenlängen gelten nur für die Autos. Motorräder und Trucks fahren teilweise andere Strecken.

Denn wer gleich zu Beginn Zeit in den Dünen von Peru verliert, wird es schwer haben, sie auf der Fahrt vom Norden in den Süden bis nach Chile wieder aufzuholen. Auch von Zitzewitz' Fahrer vermutet, dass sich gleich am Anfang das Feld lichtet. „Nach den ersten drei, vier Tagen werden wir unsere Siegchancen besser einschätzen können“, meinte de Villiers, sie seien aber nicht die Favoriten.

Dazu zählt sich selbst wohl eher schon der US-Amerikaner Robby Gordon. Nach seinem Ausschluss im vergangenen Jahr wegen eines Regelverstoßes tritt Gordon in seinem mächtigen Hummer mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch an: „Es ist jetzt die Zeit gekommen, daraus Kapital zu schlagen, was wir entwickelt und uns aufgebaut haben in den vergangenen sieben Jahren.“ Die versammelten Peterhansel-Gegner haben zumindest schon mal den Vorteil gegenüber dem vergangenen Jahr, dass der Diesel-Mini nach einer Regeländerung nun auch mit einem Standardmotor ausgestattet sein muss.

Die schlimmsten Todesfälle bei der Rallye Dakar

1978

Schon bei der ersten Rallye Dakar ereignete sich ein Todesfall. Der französische Motorradfahrer Patrick Dodin verlor die Kontrolle über seine Yamaha und zog sich bei dem darauf folgenden Sturz eine Kopfverletzung zu, an der er später starb.

1983

Eine Zuschauerin wurde in Obervolta von einem Range Rover überrollt.

1986

Der Erfinder der Rallye Dakar, Thierry Sabine aus Frankreich, kam bei einem Hubschrauberabsturz am 14. Januar 1986 in Mali ums Leben. Mit ihm starben der Pilot Francois-Xavier Bagnoud, der Popsänger Daniel Balavoine, die Journalistin Nathalie Odent und der Fernsehtechniker Jean-Paul Fur.

1997

Fünf Zivilisten starben bei einem Frontalzusammenprall in Mauretanien.

2007

Der französische Motorradfahrer Eric Aubijoux erlitt einen Herzinfarkt, 15 Kilometer vor der Ziellinie in Dakar im Senegal. Er fiel von seinem Motorrad und starb auf der Stelle.

2009

Motorradfahrer Pascal Terry ging der Treibstoff aus, sodass er nicht weiterfahren konnte. Eine Suche nach ihm wurde zunächst eingestellt. Er starb an einem Lungenödem. Seine Leiche fand man erst vier Tage später.

2010

Beim Auftakt der Rallye Dakar 2010 kam der deutsche Motorradfahrer Mirko Schultis von der Strecke ab und erfasste eine Zuschauergruppe. Dabei verletzte er fünf Personen schwer. Eine von ihnen, die Argentinierin Natalia Sonia Gallardo, starb an den Folgen der Verletzung. Schultis brach das Rennen sofort ab.

2012

Der Argentinier Jorge Andrés Boero stürzte zwischen den Dünen der Atlantikküste. Dabei erlitt er einen Herzstillstand. Trotz der schnellen medizinischen Versorgung konnte er nicht wiederbelebt werden.

2013

Zwei Taxi-Insassen nach Zusammenstoß mit Service-Fahrzeug

Eindeutiger als bei den Autos sieht die Lage vor dem Start bei den Motorrädern aus. Der spanische Dauer-Favorit und dreimalige Gewinner Marc Coma kann diesmal nicht dabei sein. Eine Schulterverletzung von der Rallye Marokko im Oktober macht einen Start unmöglich. „Wir sind enttäuscht, dass er nicht fahren kann, aber die Gesundheit und das Wohlergehen des Piloten sind das Wichtigste“, sagte KTM-Teamchef Alex Doringer. Immerhin kann er sich trösten, denn Vorjahressieger Cyril Depres ist bereit für den erneuten Gesamtsieg – es wäre sein fünfter.

Wie immer geht mit den Wünschen nach Erfolg auch die Hoffnung einher, dass es bei der gefährlichen Rallye zu keinen schlimmeren Unfällen kommt. Insgesamt forderte die Dakar seit ihrer ersten Austragung 1979 rund 60 Todesopfer und bleibt damit neben allem sportlichen Reiz immer diskussionswürdig.

Von

dpa

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