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27.05.2014

17:15 Uhr

Aussage im Ecclestone-Prozess

Gribkowsky träumte von Chefposten bei Formel 1

Da muss Bernie Ecclestone schmunzeln: Ecclestone habe ihn zum Nachfolger in der Formel 1 aufbauen wollen, das erwartete der Banker Gerhard Gribkowsky wohl von seinem Umgang mit dem Formel 1-Chef, wie ein Zeuge berichtet.

Scheint wilde Träume und Hoffnungen gehabt zu haben: Der ehemalige Bayern LB Vorstand Gerhard Gribkowsky. dpa

Scheint wilde Träume und Hoffnungen gehabt zu haben: Der ehemalige Bayern LB Vorstand Gerhard Gribkowsky.

MünchenDer ehemalige Bankvorstand Gerhard Gribkowsky hat sich nach Schilderungen eines früheren Mitarbeiters Hoffnungen auf die Nachfolge von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone gemacht. Als Zeuge im Bestechungsprozess gegen den 83-jährigen Briten vor dem Landgericht München erzählte der Bayern LB-Mitarbeiter am Dienstag von einem denkwürdigen Abendessen in London, bei dem Gribkowsky mit seinem engen Verhältnis zu Ecclestone geprotzt habe. Zudem schilderte der Bankangestellte, dass der ehemalige Landesbankvorstand es manchmal mit der Wahrheit nicht so genau genommen habe. Wörtlich sprach er vom „Bereich der Fabelwelt“ in den er manche Aussagen seines Chefs eingeordnet habe. Ecclestones Verteidiger Sven Thomas griff den Begriff „Fabelwelt“ wenig später in einem Dialog mit dem Staatsanwalt auf. Er wirft Gribkowsky Lügen vor, weil es keine Bestechung gegeben habe.

Der Zeuge war früher Mitarbeiter im Formel-1-Team der Bayern LB und hat dort eng mit Gribkowsky zusammengearbeitet, der die Mehrheitsbeteiligung der Landesbank verkaufen sollte. In der heißen Phase des Verkaufs habe Gribkowsky weitgehend im Alleingang gehandelt, sagte der Mitarbeiter.

„Er hat schwadroniert, dass er sich mit Bernie wahnsinnig gut verstünde“, sagte der Zeuge. Wörtlich soll Gribkowsky bei dem Dinner gesagt haben: „Ich habe fast das Gefühl, er sieht mich als Ziehsohn und will mich als Nachfolger aufbauen für die Formel 1.“

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Nun bestehen Zweifel an seinen Aussagen: Banker Gribkowsky hat sich laut einer Zeugin bei früheren Befragungen in der Bestechungsaffäre um Bernie Ecclestone widersprochen. Aus dem Schneider ist Ecclestone aber nicht.

Der Landesbank-Mitarbeiter hat Gribkowsky aber nach eigenen Angaben nicht immer ganz ernst genommen. Schließlich habe der Vorstand damals auch erzählt, dass ihm Ecclestone einmal einen Koffer mit 20 Millionen Dollar hingestellt habe, den er aber nicht angenommen habe. Der Bayern LB-Mitarbeiter tat dies als Fabel ab: „Herr Dr. Gribkowsky hatte manchmal so Tage, wo er solche Dinge erzählt hat. Das waren dann so Tage, wo ich abgeschaltet habe.“ Nach der Ziehsohn-Geschichte habe er sich sogar für seinen Chef geschämt. „Es gibt ja den Begriff des Fremdschämens.“

Nach einer früheren Aussage des Zeugen über den Koffer mit 20 Millionen hatte Noll ohnehin bereits ausrechnen lassen, ob so viele Dollar-Scheine überhaupt in einen kleinen Koffer passten - und das Ergebnis war negativ.

Ach mit der Formel 1-Karriere Gribkowskys wurde es bekanntlich nichts: Gribkowsky sitzt seit Jahren im Gefängnis, weil er beim Verkauf der Formel-1-Mehrheit 44 Millionen Dollar von Ecclestone angenommen und nicht versteuert hat. Ob es sich bei dem Geld um Bestechungsgeld handelte, wollen die Richter im Prozess gegen Ecclestone klären, der seit gut einem Monat läuft. Ecclestone hat den Vorwurf der Bestechung zurückgewiesen. Er verfolgte die Schilderungen des Zeugen über Gribkowskys Träume mit einem amüsierten Lächeln.

Der vernommene Zeuge war bereits im Prozess gegen Gribkowsky ausführlich befragt worden und hatte sich dort ähnlich geäußert. Damals hatte er auch erzählt, dass Ecclestone ihn und seinen Kollegen einmal als „Clowns“ bezeichnet haben soll. Er nahm dem Formel-1-Boss das aber nicht übel: Vor Gericht grüßte er ihn freudig mit „Bernie“ und sagte ihm in der Pause, dass er ihn gerne unter anderen Umständen wiedergetroffen hätte. Zum Abschluss verabschiedete er sich per Handschlag von Ecclestone. Mit seiner Vernehmung sind Richter und Anwälte noch nicht fertig: Am Mittwoch (28. Mai) soll er nochmal kommen.

Von

dpa

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