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06.10.2014

19:30 Uhr

Debatte nach Bianchi-Unfall

„Die Formel 1 ist tödlich“

Nach dem schweren Unfall des Marussia-Piloten Jules Bianchi mehren sich die Vorwürfe gegen die Rennleitung. Das Rennen sei zu spät abgebrochen worden, heißt es. Der Zustand Bianchis bleibt weiter ernst.

Marussia-Pilot Jules Bianchi (vorne) im Regenrennen von Suzuka. AFP

Marussia-Pilot Jules Bianchi (vorne) im Regenrennen von Suzuka.

Suzuka/YokkaichiDie Formel 1 muss sich nach dem schrecklichen Unfall von Jules Bianchi einer neuen Gefahrendiskussion stellen. Einige Fahrer und Teamvertreter beklagten nach dem Großen Preis von Japan am Sonntag die schlechte Sicht, weil das chaotische Regenrennen noch in vollem Gange war, als die Lichtverhältnisse nachließen.

„Sie haben das Rennen zu spät beendet“, kritisierte Williams-Pilot Felipe Massa. Williams-Ingenieur Rob Smedley sprach von den dunkelsten Verhältnissen in den 15 Jahren, die er in der Formel 1 sei.

Die internationalen Medien reagierten bestürzt und äußerst kritisch auf den schweren Crash des französischen Marussia-Piloten. „Bianchis Unfall erinnert uns: Die Formel 1 ist tödlich“, titelte der englische „Telegraph“ am Montag. Die italienische „La Gazzetta dello Sport“ schrieb von einer „Formel Drama“ und einem „Alptraum in Suzuka“.

Der „Corriere dello Sport“ machte sogar direkt den Internationalen Automobilverband für den folgenschweren Unfall verantwortlich: „Bianchi in Lebensgefahr, die FIA unter Anklage.“

Rennabbrüche in der Formel 1

5. April 2009

GP Malaysia nach 31 von 56 Runden wegen Regens - Sieger: Jenson Button (Großbritannien) Brawn-Mercedes (Quelle: Spiegel Online/dpa, Stand: 2009)

25. Mai 2008

GP Monaco nach zwei Stunden (Zeitlimit) nach 76 von 78 Runden - Sieger: Lewis Hamilton (Großbritannien) McLaren-Mercedes

6. April 2003

GP Brasilien nach 56 von 71 Runden wegen eines Unfalls - Sieger: Giancarlo Fisichella (Italien) Jordan-Ford

15. Juni 1997

GP Kanada nach 54 von 69 Runden wegen eines Unfalls - Sieger: Michael Schumacher (Kerpen) Ferrari

11. Mai 1997

GP Monaco nach zwei Stunden (Zeitlimit) in der 62. von 78 Runden wegen Regens - Sieger: Michael Schumacher (Kerpen) Ferrari

19. Mai 1996

GP Monaco nach zwei Stunden (Zeitlimit) nach 75 von 78 Runden - Sieger: Olivier Panis (Frankreich) Ligier-Mugen

11. Juni 1995

GP Kanada nach 68 von 69 Runden gewertet, weil Zuschauer auf die Strecke gestürmt waren - Sieger: Jean Alesi (Frankreich) Ferrari

5. Juli 1992

GP Frankreich nach 18 von 72 Runden wegen Regens - Sieger: Nigel Mansell (Großbritannien) Williams-Renault

3. November 1991

GP Australien nach 14 von 81 Runden wegen Regens - Sieger: Ayrton Senna (Brasilien) McLaren-Honda

10. März 1991

GP USA nach zwei Stunden (Zeitlimit) in der 81. von 82 Runden - Sieger: Ayrton Senna (Brasilien) McLaren-Honda

23. September 1990

GP Portugal nach 61 von 71 Runden wegen eines Unfalls - Sieger: Nigel Mansell (Großbritannien) Ferrari

Bianchi befinde sich „in ernstem aber stabilem Zustand“, teilte FIA-Sprecher Matteo Bonciani am Montag der Nachrichtenagentur AP mit. „Das ist alles, was ich sagen kann, und das tue ich im Namen von Jules' Eltern“, erklärte Bonciani.

Das Marussia-Team bat am Montag in einer Pressemitteilung um „Geduld und Verständnis“ für die Zurückhaltung. Damit würden die Wünsche der Familie respektiert. In Verbindung mit dem Mie-Generalkrankenhaus in Yokkaichi würden ärztliche Neuigkeiten dann veröffentlicht, wenn es das Hospital für angebracht halte. Dessen Generaldirektor Yasuhiko Ogura erklärte, es sei für Montag kein Kommuniqué oder Bulletin vorgesehen.

Bianchi war in Suzuka beim 15. Saisonlauf bei strömendem Regen von der Strecke abgekommen und mit hoher Geschwindigkeit unter einen Bergungskran gekracht. Dabei zog sich der 25 Jahre alte Franzose schwere Kopfverletzungen zu. Nach verschiedenen Medienberichten soll eine erste Operation am Rennabend erfolgreich verlaufen sein.

Marussia teilte weiter mit, dass Vertreter des Teams und der Scuderia Ferrari im Krankenhaus sind, um „Jules und die Familie Bianchi“ zu unterstützen. Der Pilot gehört zum Ferrari-Nachwuchsprogramm. Marussia bedankte sich für die große Anteilnahme und Unterstützung für den Fahrer und den Rennstall „in diesen sehr schwierigen Zeiten“.

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