Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2006

12:38 Uhr

Ferrari gelassen

Die 0,1%-Frage

Der Ferrari-Teamchef Jean Todt übt keinen Druck auf den 84-maligen Grand-Prix-Sieger aus. Michael Schumacher müsse seine Entscheidung treffen, Todts Aufgabe sei es für die kommende Saison ein konkurrenzfähiges Auto zu entwickeln und da gebe es schon Erfolge.

Gute Rundenzeiten bei der Testfahrt in Jerez. Foto: dpa dpa

Gute Rundenzeiten bei der Testfahrt in Jerez. Foto: dpa

HB MADONNA DI CAMPIGLIO. Ferrari wartet gelassen und geduldig Michael Schumachers Entscheidung über dessen Formel-1-Zukunft ab. „Es gibt da keinen Druck auf ihn“, versicherte Teamchef Jean Todt bei den Ferrari-Medientagen in Madonna di Campiglio. Der siebenmalige Weltmeister aus Kerpen hatte in dem malerischen italienischen Wintersportparadies zum wiederholten Mal erklärt, dass er zur Saisonmitte bekannt gebe, ob er nach diesem Jahr weiterfahren oder aufhören werde.

„Uns ist es egal, zu welchem Zeitpunkt Michael seine Entscheidung trifft“, sagte Todt. Ferrari werde aber alles tun, um Schumacher nach dem enttäuschenden Vorjahr wieder ein siegfähiges Auto zu stellen. Er könne nicht wissen, was Schumacher vorhabe, verwies der Chef der Mythos-Marke aus Maranello darauf, dass diesbezüglich alles in dessen Hand liege. „Wenn Michael zurücktreten sollte, kommt sicher eine andere Fahrer-Persönlichkeit zu uns“, meinte der Franzose.

Trotz aller Gelassenheit reagierte Todt bei einem Punkt des seit Tagen dominierenden Formel-1-Themas gereizt. „Es wird so viel über die offenen 0,1 Prozent gesprochen. Das ist unglaublich! Das Einzige was wichtig ist, ist, dass wir konkurrenzfähig sind“, schimpfte er.

Schumacher hatte am Donnerstag erklärt, wenn er weitermache, werde er zu 99,9 Prozent bei Ferrari bleiben. Aber selbst nach diesem klaren Bekenntnis gingen die Spekulationen über einen möglichen Wechsel weiter. Dünnhäutig bestritt der wegen des Vorjahres-Debakels unter Druck stehende Ferrari-Generaldirektor auch, Schumacher habe die Scuderia im „Spiegel“ wegen mangelnder Konkurrenzfähigkeit gescholten. „Das war keine Kritik. Michael hat nur gesagt, dass wir nicht gut genug gearbeitet hätten“, empfahl Todt einem Journalisten spitzfindig eine erneute Lektüre des Interviews.

Der enorme Erfolgsdruck in der am 12. März mit dem Großen Preis von Bahrain beginnenden WM-Saison könnte laut Todt für Ferrari vorteilhaft sein. „2006 wird für uns ein sehr bedeutendes Jahr. Ich habe nie gesagt, dass wir jetzt wieder alles gewinnen werden. Wir strengen uns aber an, um eine glänzende Saison zu haben“, sagte er.

Die guten Ergebnisse im Windkanal ermutigen das Team ebenso wie die hervorragenden Rundenzeiten Schumachers bei den jüngsten Testfahrten im spanischen Jerez. Mit dem neuen Ferrari soll alles noch besser werden. Am Mittwoch lief der Hoffnungsträger erstmals im Werk in Maranello.

Möglicherweise schon an diesem Montag soll Schumacher das Modell auf der Hausstrecke Fiorano testen. Am 24. Januar präsentieren die Italiener als eines der ersten Top-Teams den F2006 in Mugello. „Michael hätte das Auto am liebsten schon vor Weihnachten gefahren“, verwies Todt auf den Ehrgeiz des 84-maligen Grand-Prix-Siegers, alles dafür zu tun, die von Ferrari selbst verschuldete Vorjahrespleite wettzumachen.

Todt selbst verschwendet keinen Gedanken ans Aufhören: „Ferrari ist für mich wie eine Familie und das Einzige, was zählt. Ich bin sehr motiviert.“ Schumacher wird dieses Bekenntnis die Entscheidung erleichtern: Neben einem WM-fähigen Wagen war für den Rekord- Weltmeister immer die Weiterarbeit von Schlüsselpersonen wie Todt, Technik-Direktor Ross Brawn oder Aerodynamiker Rory Byrne wesentlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×