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15.05.2013

19:59 Uhr

Formel-1-Chef

Ecclestone schließt Rücktritt aus

Macht die Münchner Justiz jetzt ernst? Gegen Formel-1-Chef Ecclestone ist laut einem Medienbericht Anklage erhoben worden. Eine offizielle Bestätigung fehlt noch. Einen Rücktritt schließt der 82-Jährige vorerst aus.

Bernie Ecclestone schließt seinen Rücktritt aus. Die Staatsanwaltschaft München hat Ermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts der Bestechung abgeschlossen. dpa

Bernie Ecclestone schließt seinen Rücktritt aus. Die Staatsanwaltschaft München hat Ermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts der Bestechung abgeschlossen.

Berlin/MünchenBernie Ecclestone will die Formel 1 weiter nicht aus seinen Händen geben. Einen Rücktritt als mächtiger Geschäftsführer der Königsklasse des Motorsports schloss der 82-Jährige in einem Interview der „Bild“ (Donnerstag) vorerst aus. „Nein, ich denke nicht“, sagte der Brite auf die entsprechende Frage. Ecclestone wies zudem erneut die Schmiergeldvorwürfe gegen ihn zurück, die ihn womöglich vor die deutsche Justiz bringen.

Der milliardenschwere Herrscher der Formel 1 gab vor, von einer bereits erfolgten Anklageerhebung der Münchner Staatsanwaltschaft nichts zu wissen. „Ich habe gar nicht damit gerechnet, eine zu bekommen. Um ehrlich zu sein, ich weiß gar nicht wie der letzte Stand ist. Ich hatte länger keinen Kontakt zu den Anwälten“, sagte er der „Bild“. Einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ über eine Anklage gegen Ecclestone wegen Bestechung eines Amtsträgers und Anstiftung zur Untreue in jeweils besonders schwerem Fall wollten Gericht, Staatsanwaltschaft und Ecclestones Anwälte am Mittwoch nicht bestätigen.

Die Anklageschrift sei dem Landgericht Anfang dieser Woche zugeschickt worden, berichtete die Zeitung. Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch erklärte dazu der dpa: „Das Verfahren ist abgeschlossen. Wir können nichts weiter dazu sagen. Die zeitlichen Abläufe bestimmt das Gericht.“

Sollte es aber zu einem aufsehenerregenden Prozess gegen Ecclestone kommen, will er auch selbst in München anwesend sein. „Wenn ich muss, komme ich natürlich“, sagte er. Besonders besorgt schien er über eine mögliche Anklage nicht zu sein.

Die BayernLB und die Formel 1

Höhepunkt der New Economy

Es war der Höhepunkt der New Economy, als das Medienunternehmen EM.TV im Jahr 2000 bei der Formel 1 einstieg. Kurz zuvor hatte EM.TV um die Gebrüder Thomas und Florian Haffa in einem ähnlich spektakulären Deal die Rechte an der „Muppets Show“ erworben.

Kirch und Kredite bei der BayernLB

Mit im Boot bei der Formel 1 war auch damals schon Bernie Ecclestone, Zampano des PS-Spektakels, mit seiner Familienstiftung. Nur wenig später ging es mit EM.TV bergab. Die Kirch-Gruppe des damaligen Medienzaren Leo Kirch kam zu Hilfe, erhielt im Gegenzug den Anteil an dem Rennzirkus und stockte ihn noch auf. Dafür musste Kirch Kredite aufnehmen, unter anderem bei der BayernLB.

Gribkowsky wird Motorsport-Verantwortlicher

Die Kirch-Gruppe meldete dann 2002 Insolvenz an. Dadurch wurde die Landesbank aus München unerwartet zum Anteilseigner der Formel 1 und der damalige Risikovorstand Gerhard Gribkowsky zum Motorsport- Verantwortlichen. In der Folgezeit entwickelte sich ein Streit mit den Autokonzernen, denen die tonangebende - und profitable - Rolle Ecclestones und seiner Verbündeten ein Dorn im Auge war. Auch eine Übernahme der Formel 1 durch einen oder mehrere Hersteller oder eine Konkurrenzveranstaltung standen zur Debatte.

Anteilsverkauf an CVC

Vier Jahre später verkaufte Gribkowsky die BayernLB-Anteile an den Finanzinvestor CVC Capital Partners und die Wogen glätteten sich. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten der Private-Equity-Branche und hat europäische Wurzeln. Hauptsitze sind Luxemburg und London.

Ecclestone verkaufte

Der Finanzinvestor übernahm die Formel-1-Mehrheit durch den Erwerb der Anteile der BayernLB und von Ecclestone selbst beziehungsweise seiner Familie. Dies geschah indirekt über die neu gegründete CVC-Tochter Alpha Prema, an der Ecclestone wiederum auch selbst beteiligt ist. Der heute 82-Jährige blieb auch bei diesem Deal Chef der Formel 1. Gribkowsky rückte in den Aufsichtsrat von Alpha Prema.

Auch die Vorwürfe, er habe seinem ehemaligen Geschäftspartner Gerhard Gribkowsky rund 44 Millionen US-Dollar Schmiergeld bezahlt, damit der ehemalige Vorstand der BayernLB die Formel-1-Anteile der Bank verkaufe, wies Ecclestone laut „Bild“ erneut zurück: „Alles, was ich weiß, ist: Ich bin unschuldig! Am Ende wird die Wahrheit herauskommen.“ Die Anschuldigungen seien Blödsinn. „Das Geld, dass ich ihm gezahlt habe, hat nichts mit dem Verkauf der Formel-1-Anteile zu tun“, sagte der Formel-1-Boss.

Ecclestone, der seit dem Kauf der TV- und Vermarktungsrechte Ende der 1970er Jahre über die Formel 1 herrscht, bekräftigte zudem, dass seine berufliche Zukunft eine Entscheidung der Anteilseigner sei: „Wenn mein Vertrag mit der Firma ausläuft, können sie mich ersetzen, wenn sie es wollen.“ CVC hatte Ecclestone vor sieben Jahren nach dem Verkauf der Formel 1 an die Investmentgruppe als Geschäftsführer eingesetzt.

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