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04.04.2016

11:55 Uhr

Formel 1

Die Lehren aus dem Großen Preis von Bahrain

Quelle:dpa

Nach dem zweiten Rennen der Formel 1 ist Nico Rosberg der Mann der Stunde. Der Mercedes-Pilot führt die WM-Wertung nach seinen zwei Siegen klar an. Die Rvalen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel sind unter Zugzwang.

Nico Rosberg fuhr souverän zum Sieg im Flutlicht von Bahrain. Foto: Valdrin Xhemaj dpa

Souverän

Nico Rosberg fuhr souverän zum Sieg im Flutlicht von Bahrain. Foto: Valdrin Xhemaj

Sakhir Nico Rosberg ist nun der, den es in der Formel 1 zu schlagen gilt. Er hat seine Führung in der WM-Wertung auf seinen Mercedes-Teamkollegen Lewis Hamilton ausgebaut. Der Brite muss an seinem Start arbeiten, Ferrari mit Sebastian Vettel auch an der Zuverlässigkeit. Die Lehren aus dem Großen Preis in Bahrain:

EIN ROSBERG IM SIEGERMODUS AUF WM-KURS

Wer fünf Mal nacheinander gewann, wurde in der bisherigen Formel-1-Geschichte in dem Jahr auch immer Weltmeister. Rosberg schaffte seine Erfolgssträhne allerdings saisonübergreifend. Dennoch machte der 30 Jahre alte Wiesbadener mit seinen Sieg in Australien und nun in Bahrain deutlich, dass ER es vorerst ist, den es zu schlagen gilt. Als nächstes kommt das Rennen in China - auf dem Kurs in Shanghai feierte Rosberg den ersten Sieg seiner bisher 16 Erfolge.

HAMILTONS STARTPROBLEME WERFEN IHN ZURÜCK

Der Titelverteidiger muss seine Probleme am Start in den Griff bekommen. Wieder patzt er, wieder wird er zurückgeworfen. Seine Qualitäten im Rennen bleiben unbestritten, Hamilton kämpft sich wieder bis aufs Podium. Aber um an diesen Rosberg ranzukommen, muss er vom Beginn an dran sein - bzw. sich nicht am Start wieder überrumpeln lassen. In seinen beiden Titeljahren im Silberpfeil verspielte Hamilton nie zweimal nacheinander eine Pole Position.

Was Sie zum Start der Formel-1-Saison wissen müssen

Wer ist der Top-Favorit?

Der Weltmeister, der Titelverteidiger: Lewis Hamilton. Selbst wenn er zum Ende der Vorsaison eher den WM-Ruhm genoss und seine Siegserie riss. Selbst wenn er trotz zwei WM-Titeln für die Silberpfeile von Mercedes nicht zur Nummer 1 im Team erklärt wird. Hamilton hat zwar die Marke seines Idols Ayrton Senna von drei WM-Titeln erreicht, der 31 Jahre alte Brite wird deswegen aber nicht vom Gas gehen.

Wer sind die Herausforderer?

Hamiltons ärgste Gegner sprechen deutsch. Erster Widersacher ist wie in den vorangegangenen beiden Jahren Teamkollege Nico Rosberg. Die drei Siege zum Ende der Saison 2015 haben dem gebürtigen Wiesbadener das Gefühl gegeben, Hamilton schlagen zu können. Gelingt ihm das wieder nicht, wird Rosberg zum ewigen Zweiten. Auch Sebastian Vettel will verhindern, dass Hamilton Ende dieses Jahres wie er selbst auf vier WM-Titel kommt. Vettel plant seinen fünften Triumph, vor allem aber seinen ersten im Ferrari.

Hat Ferrari seinen Rückstand denn wirklich aufholen können?

Bei den Testfahrten erzielte die Scuderia mehrfach die Tagesbestzeit. Aber was heißt das schon? Mercedes konzentrierte sich vor allem auf die Standfestigkeit des neuen Wagens. Dreimal konnte Vettel im vergangenen Jahr die Siegesserie der Silberpfeile unterbrechen. Das soll 2016 öfter passieren. Spekulationen um fast 1000 PS, die der Mercedes-Antrieb leisten könnte, machten aber bereits die Runde.

Welche deutschen Fahrer gehen zudem an den Start?

Nico Hülkenberg und Pascal Wehrlein. Hülkenberg, 28 Jahre alt, bestreitet seine sechste Saison. Wehrlein, 21 Jahre alt, feiert sein Renndebüt. Insgesamt gehen also wieder vier deutsche Piloten an den Start, nachdem es im vergangenen Jahr nur Vettel, Rosberg und Hülkenberg gewesen waren. Anders als Vettel und Rosberg kämpft Hülkenberg nicht um einen Sieg. Er will im Force India endlich den ersten Podestplatz. Für Wehrlein, den DTM-Meister von 2015, wird es im Manor ein Lehrjahr, um irgendwann einmal für den Wechsel ins Mercedes-Cockpit gerüstet zu sein.

Was hat sich geändert?

Im Kampf gegen das sinkende Interesse an der milliardenschweren Rennserie wurde der Qualifikationsmodus kurz vor dem Auftakt geändert. In den drei Qualifikationsrunden scheidet nach einer vorgegebenen Zeit alle 90 Sekunden der jeweils langsamste Fahrer aus. Man erhofft sich davon mehr Autos auf der Strecke, kurzum: weniger Taktiererei, mehr Spektakel. Offen ist noch, ob die Computertechnik bei der neuen Variante mitspielt.

Wer oder was ist sonst noch neu?

Aserbaidschan. Das von Menschenrechtlern schwer kritisierte Land darf sich über seine Formel-1-Premiere am 19. Juni freuen. Neu ist auch das amerikanische Haas-Team. Maßgeblich unterstützt von Ferrari. Neulinge sind neben Wehrlein auch zwei weitere Fahrer: Jolyon Palmer, Brite im Renault, und Rio Haryanto, Indonesier im zweiten Manor.

Ist das Deutschland-Rennen diesmal gesichert?

Ja, anders als vor einem Jahr, als der Große Preis von Deutschland auf dem finanziell kriselnden Nürburgring aus dem Kalender gestrichen werden musste, kommt es zum Heimrennen fürs deutsche Quartett. Gefahren wird am letzten Juli-Wochenende auf dem Hockenheimring.

Gibt es vor dem Saisonbeginn noch offene Baustellen?

Ja, wie immer. Diesmal betrifft es vor allem das Rennen in den USA. Der Strecke in Austin fehlt das nötige Geld, nachdem die öffentlichen Zuschüsse gekürzt wurden. Obwohl eines der Highlights im Rennkalender mit viel amerikanischem Pathos, steht hinter dem Großen Preis der USA noch ein Fragezeichen.

EIN VETTEL IM ANFÄLLIGEN FERRARI IST NICHT TITELFÄHIG

Ohne Zuverlässigkeit kein Titel. Ob die Leistung des Ferrari tatsächlich ausreicht, um Mercedes zu gefährden bleibt - trotz Kimi Räikkönens zweitem Platz vor Hamilton - fraglich. Klar ist aber: Nach dem Ausfall des Finnen in Melbourne und dem Aus für Vettel in Bahrain muss die Scuderia an der Standfestigkeit ihres Wagens arbeiten. Sonst wird es wieder nichts mit dem ersten WM-Titel seit Räikkönen 2007. Es scheint aber, dass die Scuderia alles ausreizen muss, um diesem Ziel näherzukommen. Wer das macht, riskiert auch mehr.

EIN NEWCOMER AUS DEN USA

Das US-Team Haas bleibt die positive Überraschung der noch jungen Saison und setzt einige Traditionsrennställe gehörig unter Druck. „Ich bin beeindruckt”, konstatierte Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene - schließlich fährt Haas mit Motoren der Scuderia.

Nach Platz sechs in Australien schafft Romain Grosjean es diesmal sogar auf Rang fünf. Auf dem selben Platz liegt das Team in der Konstrukteurswertung, die am Ende über die Geldverteilung entscheidet. Red Bulls Zweitteam Toro Rosso, Force India, der einst ruhmreiche McLaren-Rennstall, Rückkehrer Renault, das Schweizer Sauber Team und Manor - sie alle stehen hinter Haas.

ALTES LEID MIT DEM NEUEN MODUS

Das Rennen war wieder gute Unterhaltung. Wenn bloß die Qualifikation mit dem weiter umstrittenen Modus nicht gewesen wäre. Am Donnerstag wird wieder beraten - Einigung ungewiss. Ein neuer Vorschlag soll vom Weltverband gekommen sein. Nehmen die Teams und alle anderen Entscheider ihn an, wird in China in zwei Wochen neu experimentiert.

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