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02.11.2014

11:42 Uhr

Formel 1 in der Krise

Spielt Ecclestone nur den Ratlosen?

Erstaunlich offen spricht Bernie Ecclestone am Rande des USA-Rennens über die Krise der Formel 1. Der 84jährige Chefvermarkter räumt sogar eigene Fehler ein. Sicher nicht ohne Kalkül.

Formel 1-Chef Bernie Ecclestone mit Ehefrau Fabiana Flosi. dpa

Formel 1-Chef Bernie Ecclestone mit Ehefrau Fabiana Flosi.

AustinIn einer in der jüngeren Formel-1-Geschichte beispiellosen Aktion hat Chefvermarkter Bernie Ecclestone Buße getan und aus Sorge um sein Lebenswerk öffentlich um Hilfe gebeten. „Ich weiß, was schief läuft, ich weiß aber nicht, wie ich es lösen soll“, räumte der 84-Jährige am Rande des Großen Preises der USA in Austin ein. Rund 50 Minuten lang sprach der mächtigste Mann in der Königsklasse des Motorsports am Samstag in einem Konferenzraum am Circuit of The Americas über die Krise der Rennserie, seine Ratlosigkeit und die Notwendigkeit von Veränderungen. „Ich will nicht, dass die Formel 1 verschwindet und die Leute mir nachsagen, dass es meinetwegen war.“

Die Krisensymptome sind offensichtlich. Mit Caterham und Marussia haben zwei Rennställe wegen akuter finanzieller Probleme nicht die Reise nach Texas angetreten und sind von der Zahlungsunfähigkeit bedroht. Das Teilnehmerfeld der einstigen Glamourserie ist auf neun Teams geschrumpft. Die immensen Kosten ermöglichen den Kleinen nur ein Leben am Existenzminimum. Ferrari oder Red Bull haben mit ihren Budgets von geschätzt jeweils mehr als 250 Millionen Euro pro Jahr kein Interesse an einer Kostenreduzierung.

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„Es gibt nur wenige echte Rennfahrer auf der Welt“, hat Stirling Moss gesagt. Und wenn diejenigen, die die F1-Anfangsjahre überlebten, spektakuläre Rennaufnahmen kommentieren, dann ist das ein echtes Highlight.

Ecclestone erkennt die systemimmanente Gefahr der in die Höhe geschossenen Kosten. In der Debatte um eine Umverteilung der Einnahmen sieht er jedoch seine Hände gebunden. „Wenn wir in der Position wären, dass wir diesen Teams, die Probleme haben, helfen könnten, würden wir es tun. Aber wir dürfen es nicht“, sagte er mit Blick auf die bestehenden Verträge. Ecclestone selbst räumte den großen Teams seinerzeit aber Privilegien ein, um seine eigene Macht zu sichern. „Wir geben ihnen mehr, weil es ihnen auch zusteht“, sagte er etwa mit Blick auf das Traditionsteam Ferrari.

Rechteinhaber CVC verlangt von ihm als Chefvermarkter üppige Profite und dürfte die gegenwärtigen imageschädigenden Debatten mit Missfallen betrachten. Daher dürfte der in dieser Offenheit überraschende Auftritt Ecclestones nicht ohne Kalkül erfolgt sein. „Das Problem ist, dass zu viel Geld schlecht verteilt wird. Das ist vermutlich mein Fehler“, gestand der ehemalige Gebrauchtwagenhändler erstaunlich freimütig ein. „Die Formel 1 steckte schon immer in der Krise“, meinte er schmunzelnd.

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„Mit dem System stimmt etwas nicht“, stellte Lotus-Teamchef Gerard Lopez ernüchtert fest. „Das Verteilungsmodell der Einnahmen ist völlig falsch. Diejenigen, die mehr haben, bekommen mehr und als Resultat wollen sie mehr und wollen auch mehr ausgeben. Und jene, die weniger haben, erhalten weniger“, kritisierte der Luxemburger und sprach damit auch Sauber und Force India aus der Seele.

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