Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.07.2011

13:50 Uhr

Formel 1

Nürburgring wird noch höhere Verluste einfahren

Das Formel-1-Rennen am Nürburgring wird nach Schätzung der Landesregierung weit höhere Verluste bringen, als geplant. Die Defizite trägt wie so oft der Steuerzahler - die Kasse klingelt derweil bei den Betreibern.

Rote Ampel an der Formel 1- Rennstrecke am Nürburgring. Quelle: dpa

Rote Ampel an der Formel 1- Rennstrecke am Nürburgring.

DüsseldorfDas Defizit des Formel-1-Rennens am Sonntag auf dem Nürburgring wird größer ausfallen als bislang kalkuliert: Mit mindestens 17 Millionen Euro Verlust rechnet die rheinland-pfälzische Landesregierung intern, erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen. Das sind fast 40 Prozent mehr als die 13,5 Millionen Euro, die das Land als Haupteigentümer der Rennstrecke bislang im Haushalt einplant, um Verluste zu decken.

Während das Land – und damit der Steuerzahler – für die Fehlbeträge aufkommt, ist das Rennen für zwei Unternehmer die Gelegenheit, um Kasse zu machen: Kai Richter und Jörg Lindner. Sie betreiben die Rennstrecke seit Mai 2010 für das Land. Ihre Firma, die Nürburgring Automotive GmbH, erhielt im Dezember 2010 auch die Konzession zur Organisation des F1-Rennens.

Doch die Automotive richtet das Rennen nicht allein aus. Nach dem Zuschlag ließen Lindner und Richter zwei neue Firmen eintragen: Die Grand Prix Rheinland-Pfalz GmbH & Co. KG und als Komplementärin die Grand Prix Rheinland-Pfalz Verwaltungs-GmbH. Lindner und Richter sind jeweils einzelvertretungsberechtigte Geschäftsführer.

Im Klartext heißt das: Richter und Lindner verschieben mit der Konstruktion einen Teil ihres Geschäfts an andere Firmen und dennoch an sich selbst. Die Nürburgring Automotive GmbH muss laut Betriebspachtvertrag einen Großteil ihres Gewinns an die Nürburgring GmbH und somit das Land abführen. Ein Teil der Gewinne aber fällt nun bei anderen Firmen an – das Land geht leer aus.

Es ist nicht das erste Mal, dass Kai Richter am Ring solche Firmengeflechte nutzt. So hat er ein bargeldloses Zahlungssystem an der Strecke etabliert. Eigens dazu gründete Richters Firma Mediinvest mit der Nürburgring GmbH die Cash Settlement & Ticketing GmbH (CST). Die Kosten wollten sich beide Eigentümer teilen. Richter aber konnte seinen Anteil nicht aufbringen, deshalb zahlte die Nürburgring GmbH die Kosten von rund zehn Millionen fast komplett allein, moniert der Landesrechnungshof.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

WPitz

22.07.2011, 17:36 Uhr

Schön wie die Politik solche Zockergeschäfte locker ermöglicht. Und am Ende zahlt der Michel und keiner will
es gewesen sein!

peterchen

22.07.2011, 17:48 Uhr

Wann endlich steht in Mainz ein Regierungsmitglied auf, um diesem Treiben ein Ende zu bereiten? Oder sind diese Leute etwa auch in den div. Verschiebefirmen engagiert? Es kann doch einfach nicht wahr sein, welche Dreistigkeiten sich die Betreiber leisten können!!

W.T.

23.07.2011, 06:51 Uhr

Dann müßte die SPD ja zugeben, dass sie dort auch Mist gebaut hat.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×