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15.03.2014

08:43 Uhr

Formel-1-Saison 2014

Die größte Herausforderung für Sebastian Vettel

VonSebastian Schaal

Die Vorbereitung verpatzt, der Wagen zu langsam und unzuverlässig: Sebastian Vettel ist schon besser in die Saison gestartet. Doch 2014 könnte der größte Triumph des vierfachen Weltmeisters werden – auch ohne Titel.

Es läuft nicht rund für Sebastian Vettel und sein Red Bull-Team: Auf schlechte Testfahrten folgte in den Trainings in Australien der ein oder andere Ausrutscher. dpa

Es läuft nicht rund für Sebastian Vettel und sein Red Bull-Team: Auf schlechte Testfahrten folgte in den Trainings in Australien der ein oder andere Ausrutscher.

DüsseldorfEin Formel-1-Rennen sah im vergangenen Jahr meist so aus: Sebastian Vettel startete von einem der vorderen Plätze aus ins Rennen, übernahm kurz nach Rennstart die Führung und gab diese bis zur schwarz-weiß karierten Zielflagge auch nicht mehr ab.

Bei insgesamt 13 von 19 Rennen überquerte Vettel in seinem Red-Bull-Renner als erster die Ziellinie, die letzten neun Saisonläufe davon in Serie. Früh stand er als Weltmeister fest – auch für eingefleischte Motorsportfans wenig spannend.

Dieses Jahr wird alles anders. Denn Titelverteidiger Vettel hat die Top Ten in der Startaufstellung für den Saisonauftakt deutlich verpasst – und das schlechte Ergebnis war erwartet worden. Der amtierenden Champion kam auf regennasser Strecke in der Qualifikation nicht über den 12. Platz hinaus. Vettel schied in seinem Red Bull damit zum ersten Mal seit September 2012 vorzeitig aus und muss am Sonntag aus dem Mittelfeld in den Großen Preis von Australien starten.

Neue Motoren- und Aerodynamik-Regeln haben die Kräfteverhältnisse durcheinander geworfen. Im letzten Rennen der Saison 2013 in Sao Paulo überrundete Weltmeister Vettel die Renner des Williams-Teams nach nur einem Drittel des Rennens. Bei den abschließenden Testfahrten in Bahrain gehörte Williams zusammen mit dem Mercedes-Werksteam zu den Schnellsten – weit vor Red Bull.

Wichtige Regeländerungen in der Formel 1

Motor

Die Ära der Saugmotoren ist vorbei. Die Formel 1 fährt ab diesem Jahr wieder auf den Turbo ab. Statt der 2,4-Liter-Triebwerke mit acht Zylindern stecken nun 1,6-Liter-Turbomaschinen mit sechs Zylindern unter der Fahrzeugabdeckung. Die sind deutlich leiser als die Vorgängeraggregate.

Hybridsystem

Das Hybridsystem ERS (Energy Recovery System) liefert zusätzlich 160 PS für 33,3 Sekunden – ein Quantensprung. Beim bisherigen KERS (Kinetic Energy Recovery System) waren es 82 PS für 6,67 Sekunden pro Runde. Das Mindestgesamtgewicht der Autos mit Fahrer wurde von 642 Kilogramm auf 690 Kilogramm heraufgesetzt.

Spritlimit

Erlaubt sind für jedes Rennen nur noch 100 Kilogramm Sprit statt bisher 135 Kilogramm. Die Folge ist, dass die Fahrer verbrauchsschonender fahren müssen. Wer nur auf dem Gaspedal steht, wird das Ziel nicht erreichen.

Fahrzeugnase

Sie wurde drastisch abgesenkt. Zuletzt war eine Maximalhöhe von 55 Zentimetern erlaubt. Nun sind es nur noch 18,5 Zentimeter von der Spitze der Rennwagen zum Boden. Die Nasen liegen damit unwesentlich höher als der Frontflügel. Der Grund für die Änderung: Durch die noch tiefer liegende Wagenspitze soll bei Kollisionen die Gefahr weiter gemindert werden, dass andere Piloten von ihr getroffen werden.

Frontflügel

Er ist schmaler geworden. Statt 1,80 Metern beträgt die erlaubte Maximalbreite 1,65 Meter. Auswirkung hat das auf die sogenannten Endplatten, die für die Luftführung um die Vorderreifen herum wichtig sind.

Heckflügel

Das untere Heckflügel-Element, der sogenannte Beamwing, ist nicht mehr erlaubt. Für die Ingenieure besteht auch hier die Herausforderung darin, den dadurch verlorenen Abtrieb zu kompensieren.

Auspuff

Nur noch ein Endrohr ist erlaubt. Bislang wurden die Abgase über zwei seitliche Kanäle abgeleitet – und so auf das Heck geführt, dass auch dadurch weiterer Abtrieb erreicht wurde – sprich: eine bessere Straßenlage. Das neue Endrohr muss mittig angebracht sein. Es ist um fünf Grad nach oben abgewinkelt und liegt unter dem Heckflügel. Damit soll der aerodynamische Einsatz der Abgase verhindert werden.

Startnummern

Erstmals tragen die Piloten nicht mehr die Startnummern nach der Abschlussrangliste der vorhergehenden Saison. Nur die 1 ist weiter dem Titelverteidiger vorbehalten, ansonsten durften sich die Piloten ihre Startnummer aussuchen. Zur Wahl standen Zahlen von 2 bis 99.

Für Serien-Weltmeister Vettel und seine Red-Bull-Truppe lief die Vorbereitung alles andere als optimal. Zusammen mit seinem neuen Teamkollegen Daniel Ricciardo drehte der Heppenheimer nur etwa ein Drittel der Runden, die die Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton und Nico Rosberg fahren konnten. Und dabei waren die Silberpfeile deutlich schneller als der neue Vettel-Dienstwagen. Zu oft blieb der Red Bull liegen, mal war es der neue, komplizierte Turbomotor von Renault, mal fing die Verkleidung des Rennwagens wegen großer Hitzeprobleme Feuer.

In Panik verfällt der 26-Jährige deshalb aber nicht. „Aufgrund der wenigen Test-Runden, die wir wegen unserer Probleme gefahren sind, kann ich nicht wirklich sagen, wo wir stehen. Außer, dass die Konkurrenz uns – was offensichtlich ist – voraus ist“, bilanziert Vettel im Interview mit der „Welt am Sonntag“ nüchtern. Über sich selbst sagt der Heppenheimer, er sei gelassener geworden. „Auch was die neue Saison betrifft.“

Dieser Testwinter ist sicher nicht so verlaufen, wie es sich Sebastian Vettel gewünscht hat. Der vierfache Champion sagte zum Abschluss der Vor-Saison-Tests: „Das Fazit ist recht bescheiden, weil wir einfach nicht wie gewünscht zum Fahren gekommen sind. Wir standen doch öfter in der Box und mussten am Wagen Hand anlegen. Wir haben nicht genug lernen können.“

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