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18.11.2012

22:21 Uhr

Formel 1

Zielsprint mit vielen offenen Fragen

Quelle:dpa

Auf der Saison-Zielgeraden der Formel 1 gibt es noch immer eine Reihe ungeklärter Fragen. Im Schatten des Titelthrillers zwischen Vettel und Alonso geht es für andere noch um viel Geld - und für manche um die Existenz.

Das Team Marussia mit Timo Glock ist noch an den Geldtöpfen der Formel 1 dran. dpa

Das Team Marussia mit Timo Glock ist noch an den Geldtöpfen der Formel 1 dran.

AustinIn der Teamwertung wird um die Plätze und die damit verbundenen Vermarktungsmillionen gestritten, zudem sind neun Cockpits für 2013 noch unbesetzt. Dem HRT-Rennstall droht sogar das Aus. Und auch der neue Rennkalender wackelt wegen der Krise am Nürburgring noch immer. Die letzte Grand-Prix-Woche der Saison mit dem USA-Comeback in Austin am Sonntag und dem Finale in Brasilien sieben Tage später hat es in sich. Den Konstrukteurstitel hat Red Bull erneut so gut wie sicher, dahinter aber ist noch einiges offen.

Ferrari und McLaren duellieren sich um Platz zwei in der Wertung, die über die Verteilung der Einnahmen entscheidet. Brisant ist auch die Jagd des Sauber-Teams auf Mercedes im Kampf um Rang fünf. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug versicherte jedoch in Texas, dass die auf dem Spiel stehenden Millionen keinen Einfluss auf die Planung des um Anschluss ringenden Teams haben würden.

Das Schweizer Privatteam Sauber könnte eine zusätzliche Finanzspritze indes gut gebrauchen. „Wir müssen uns auf die eigene Leistung konzentrieren. Wenn wir die optimal abrufen können, dann haben wir eine Chance“, sagte Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn.

Um Planungssicherheit geht es auch für Timo Glocks Arbeitgeber Marussia. Als Zehnter ist das Team derzeit das bestplatzierte der drei Hinterbänkler und würde gerade noch ein paar Millionen aus Ecclestones Topf bekommen. Caterham und HRT gingen dagegen leer aus. Vor allem HRT drohen durch die anhaltende Erfolglosigkeit und das Auslaufen der dreijährigen Starthilfe für Neueinsteiger bittere Konsequenzen. Die Besitzer haben ihre Anteile bereits zum Verkauf angeboten, die Rede ist von einer möglichen Abwicklung des Teams schon Anfang Dezember.

Die neuen Formel-1-Rennstrecken seit 2004

Schanghai / China

Im Rennkalender seit: 2004
1. Sieger: Rubens Barrichello / Ferrari

Bahrain

Im Rennkalender seit: 2004
1. Sieger: Michael Schumacher / Ferrari

Singapur

Im Rennkalender seit: 2008
1. Sieger: Fernando Alonso / Renault

Abu Dhabi

Im Rennkalender seit: 2009
1. Sieger: Sebastian Vettel / Red Bull

Yeongam / Südkorea

Im Rennkalender seit: 2010
1. Sieger: Fernando Alonso / Ferrari

Noida / Indien

Im Rennkalender seit: 2011
1. Sieger: Sebastian Vettel / Red Bull

Austin / USA

Im Rennkalender seit: 2012 (18. November)
1. Sieger: /

New Jersey / USA

Im Rennkalender ab: 2013
1. Sieger: /

Russland (Sotschi)

Im Rennkalender ab: 2014 (geplant)
1. Sieger: /

Der Routinier und HRT-Pilot Pedro de la Rosa aus Spanien hat eigentlich noch einen Vertrag für die neue Saison, könnte aber am Jahresende ebenso auf der Straße stehen wie Stallkollege Narain Karthikeyan.

Auch Sauber-Pilot Kamui Kobayashi, das Williams-Duo Pastor Maldonado und Bruno Senna, die Caterham-Piloten Heikki Kovalainen und Witali Petrow sowie Charles Pic von Marussia haben ihren Platz für 2013 noch nicht sicher. Frei ist zudem das zweite Cockpit bei Force India neben Paul di Resta. Offen ist auch, wie viele Rennen das Fahrerfeld im kommenden Jahr bestreiten wird. Der geplante Grand Prix in New Jersey ist schon verschoben, auch der Große Preis von Deutschland ist unsicher.

Formel 1 - Neue Regeln

Frontpartie

Die Spitze der Rennwagen muss in diesem Jahr aus Sicherheitsgründen tiefer liegen. So soll das Risiko verhindert werden, wenn ein Auto ein anderes von der Seite trifft. Fast alle Teams wählten aus aerodynamischen Gründen die gewöhnungsbedürftige Form eines Nasenhöckers in der Mitte der Frontpartie.

Techniktricks

Der sogenannte angeblasene Diffusor ist 2012 verboten. Dieser Kniff mit der Auspuffluft galt im Vorjahr als einer der Gründe für die Überlegenheit von Sebastian Vettels Red-Bull-Team. Die Suche nach neuen Schlupflöchern zur Verbesserung der Aerodynamik läuft bei den Ingenieuren aber schon längst auf Hochtouren.

Testfahrten

In diesem Jahr ist wieder ein Test während der Saison erlaubt. Anfang Mai fahren alle Teams für drei Tage im italienischen Mugello. 2009 waren Testfahrten im Saisonverlauf aus Kostengründen verboten worden.

Crashtests

Die Autos mussten seit dieser Saison alle Crashtests bestanden haben, ehe sie bei offiziellen Testfahrten starten durften. Timo Glocks Marussia-Team scheiterte daran und verpasste alle zwölf Übungstage in Jerez und Barcelona.

Renndauer

Ein Grand Prix ist künftig nach maximal vier Stunden beendet. Damit soll verhindert werden, dass unterbrochene Rennen theoretisch bis zu acht Stunden dauern. Im Vorjahr hatte der Grand Prix in Kanada mit 4:04 Stunden Gesamtdauer einen Rekord aufgestellt.

Kampflinie

Fahrer dürfen künftig beim Verteidigen ihrer Position nur noch einmal die Linie wechseln, aber nicht mehr zurück auf die vorherige Linie ziehen. Zudem dürfen die Piloten nicht mehr ohne triftigen Grund die Strecke verlassen, um zum Beispiel mit dem Abkürzen von Schikanen Zeit und Benzin zu sparen.

Safety-Car-Phase

Künftig dürfen überrundete Autos sich während einer Safety-Car-Phase wieder zurückrunden. Damit soll ein sauberer Neustart ohne Hindernisse für die Führenden gewährleistet sein. Fahrer, die zu Beginn einer Rennunterbrechung in der Box waren, dürfen von nun an ihre vorherige Position wieder einnehmen.

Der Streit zwischen Pächtern und Sanierern am Nürburgring behindert die Verhandlungen mit Ecclestone. Um weiter auf 20 Rennen zu kommen, ist unter anderem ein Frankreich-Comeback der Formel 1 im Gespräch. Aber auch hier gibt es bislang mehr Fragen als Antworten. Sogar der Formel-1-Boss selbst ist ein Unsicherheitsfaktor. In der Schmiergeld-Affäre um den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky droht Ecclestone eine Anklage aus München.

Die Bank fordert 400 Millionen Dollar Schadenersatz vom Briten wegen seiner dubiosen Rolle beim Verkauf der Formel 1 an die Investmentfirma CVC. Im Fall einer Anklage könnte sich Ecclestone wohl nicht mehr an der Spitze des Grand-Prix-Zirkus halten. Dann allerdings würde die Formel 1 urplötzlich vor einem Berg ganz neuer Fragen stehen.

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