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20.04.2012

18:56 Uhr

Freies Training in Bahrain

Rosberg-Bestzeit nur Nebensache

Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen, abreisende Mitarbeiter - die Proteste rund um das Rennen in Bahrain zeigen offenbar Wirkung. Die gute Trainingsleistung Nico Rosbergs rückt angesichts dessen in den Hintergrund.

„Peace one day“: Die Forderung auf dem Frontflügel eines Lotus wirkt angesichts des schwierigen Verhältnisses von Formel1 und Politik in Bahrain fast zynisch. dpa

„Peace one day“: Die Forderung auf dem Frontflügel eines Lotus wirkt angesichts des schwierigen Verhältnisses von Formel1 und Politik in Bahrain fast zynisch.

ManamaMit der Tagesbestzeit des Mercedes-Goldjungen Nico Rosberg hat die Formel 1 ihren Trainingsbetrieb in Bahrain aufgenommen - von Normalität aber ist die Königsklasse vor dem umstrittenen Wüstenrennen weit entfernt. Das Force-India-Team verzichtete am Freitagnachmittag aus Angst vor neuen Zwischenfällen auf weitere Übungsrunden in Sakhir, um vor Einbruch der Dunkelheit zurück im Hotel zu sein. Rund um die Strecke war spürbar mehr Polizei im Einsatz, mehrere Straßensperren waren eingerichtet.

Kronprinz Salman bin Hamad al-Chalifa berief angesichts wachsender Kritik eilends eine Pressekonferenz im Fahrerlager ein und lehnte die Forderungen nach einer kurzfristigen Rennabsage ab. „Das würde nur die Macht der Extremisten stärken“, sagte der Kronprinz, ehe es in Budaiya im Nordwesten der Insel zu einer Demonstration mit rund 5000 Teilnehmern kam. Aus der Hauptstadt Manama wurden am Abend Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei gemeldet. Dabei sollen maskierte Jugendliche Brandsätze geworfen und die Polizei Tränengas eingesetzt haben.

Bahrains Opposition fordert vehement Reformen in dem Land. Die Regime-Gegner kritisieren, die Formel 1 lasse sich von den Regierenden instrumentalisieren. Im Vorjahr war das Rennen wegen blutiger Unruhen gestrichen worden. An der Seite von Chefvermarkter Bernie Ecclestone verteidigte der Thronfolger das Festhalten des Königshauses und des Weltverbands an dem Grand Prix. „Wir sind ein echtes Land mit echten Problemen. Wir werden nicht sagen, dass wir perfekt sind“, erklärte er.

„Die Proteste haben nichts mit der Formel 1 zu tun“, beteuerte Ecclestone. Der Brite war sichtlich verstimmt darüber, dass der Force-India-Rennstall von Nico Hülkenberg kurz zuvor mit dem Verzicht auf das zweite Training ein Zeichen gesetzt hatte.

Am Mittwoch waren vier Mechaniker des Teams in Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei geraten. In der Nähe ihres Fahrzeugs war ein Molotow-Cocktail explodiert. Zwei Mitarbeiter von Force India haben die Heimreise angetreten. An der Qualifikation am Samstag und am Rennen am Sonntag will das Team aber teilnehmen.

Kommentare (1)

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Hartmut.Rast

20.04.2012, 18:50 Uhr

"Sport kann dort Hoffnung schaffen wo vormals Verzweiflung herrschte" lautet das berühmte Zitat Nelson Mandelas.

Die FIA hat durch ihr unbeirtes Festhalten am Terminkalender sicherlich eine Chance vertan den gesamten Formel 1 Betrieb auf ein ethisch und moralisches höheres Niveau zu heben.

Und damit sind wir beim Kernpunkt angelangt. Die Formel 1 ist mit einem Jahresumsatz von rd. $ 1,4 Milliarden ein Wirtschaftsbetrieb der Sponsoren, Fahrern, Zuschauern und seinem Unternehmenszweck verpflichtet ist. Bestehen Bedenken gegen die Sicherheit von Fahrern und Zuschauern ist die Entscheidung für einen Rennabbruch einfacher zu Handhaben als aus humanitären Gründen.

Beseelt von den Olympia 1968 Gesten Tommie Smith und John Carlos war auch ich war spontan für eine Absage und glaubte, daß eine solche Entscheidung weltweit Beachtung und Anerkennung gefunden hätte und die so oft im Sport gewünschte gegenseitige Toleranz unterstrichen und die Machthaber zu Dialog und Frieden in Bahrain gedrängt hätte.

Mittlerweile bin ich aber der Auffassung, daß die Durchführung des für die Machthaber so prestigeträchtigen Rennens einen weitaus positiveren Effekt durch aufmerksame Beobachter und die Medien vor Ort nach sich ziehen wird als bislang erkennbar.

Die Formel 1 hat niemals vorgegeben als Moralapostel durch die Welt zu reisen und selbst gestandene Politiker tun sich schwer mit dem Thema Menschenrechte in China und so sollten all die F 1 Hedonisten ihr schlechtes Gewissen jetzt nicht Bernie Ecclestone oder Jean Todt anhängen nur um sich dann selbst bis zum nächsten Renntag besser zu fühlen.

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