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25.03.2013

13:17 Uhr

Großer Preis von Malaysia

Vettel eröffnet „Bürgerkrieg“ bei Red Bull

Siegen um jeden Preis: Dieser Ehrgeiz ist das Erfolgsgeheimnis vieler Formel-1-Champions. Sebastian Vettel hat sich den Sieg in Malaysia mit harten Bandagen erkämpft und muss nun gemeinsam mit seinem Team in „Therapie“.

Gedrückte Stimmung auf dem Siegerpodest: Vettel hat Webber den Sieg vor der Nase weggeschnappt. dpa

Gedrückte Stimmung auf dem Siegerpodest: Vettel hat Webber den Sieg vor der Nase weggeschnappt.

SepangIn tiefer Reue will sich Formel-1-Sünder Sebastian Vettel nach seinem Ego-Trip von Malaysia in die Team-Therapie begeben. „Es wird bestimmt noch jede Menge Gespräche geben, denen ich mich auch stellen werde“, beteuerte der Red-Bull-Pilot, beschämt über seinen Sieg-Klau in Sepang. Mit seinem beinharten Überholmanöver gegen Stallkollege Mark Webber hat Vettel alte Wunden aufgerissen, die nur schwer wieder zu heilen sein werden. Einen „Bürgerkrieg bei Red Bull“ witterte die englische Zeitung „Guardian“ am Montag.

Nach dem 27. Grand-Prix-Sieg seiner Blitzkarriere stand Vettel als Verlierer da. Und es drohen schmerzhafte Nachwirkungen. Ein Vorteil im Titelrennen ist es sicher nicht, wenn das eigene Team sein Vertrauen missbraucht sieht und der Kollege zum Intimfeind wird. Hilfe von Webber kann WM-Spitzenreiter Vettel in den verbleibenden 17 Rennen kaum erwarten - im Gegenteil. Der 36-Jährige aus Queanbeyan dürfte im letzten Vertragsjahr bei Red Bull mehr denn je seine eigene Agenda verfolgen, ohne Rücksicht auf Vettel.

Ein australischer Wettanbieter hat all denen, die Geld auf einen Sieg von Mark Webber beim Formel-1-Rennen in Malaysia gesetzt hatten, ihre Dollars wieder zurückgezahlt. Das Unternehmen taufte die Aktion auf den Namen „Gerechtigkeits-Rückzahlung“, nachdem Vettel die Teamorder missachtet und den Ruhm für sich eingeheimst habe, teilte der Wettanbieter in einer Presseerklärung mit. „Es ist ja nicht Marks Fehler, dass sich Sebastian nicht an einfache Anweisungen halten kann“, sagte Haydn Lane von sportsbet.com.au.

Pressestimmen Sepang

The Independent

„Die Waffenruhe ist vorbei: Mark Webber schäumt vor Wut nach Sebastian Vettels großem Diebstahl. Der kontroverse Erfolg des dreifachen Weltmeisters, nachdem er die Stallorder ignoriert und den Team-Kollegen Mark Webber überholt hatte, wurde zur PR-Granate für das Team und entlarvte das skrupellose Siegenwollen des Deutschen - um jeden Preis.“

The Sun

„Dieser Vorfall beschädigt wahrscheinlich Vettels Ruf - genauso wie solche Ereignisse einst drohten, die Verdienste seines Mentors Michael Schumacher zu überschatten.“

The Times

„Sebastian Vettel lässt seine Maske fallen. Vettel zeigte eine Seite seines Charakters, die sich über das knuddelige, fröhliche Image des jüngsten Dreifach-Weltmeisters hinwegsetzte.“

La Stampa

„Der Kannibale. Vettel verspottet Webber und gewinnt in Malaysia. Alonso K.o.“

Corriere dello Sport

„Wilder Westen Malaysia. Alonso macht einen Fehler, Vettel macht den Rowdy.“

La Gazzetta dello Sport

„Vettel betrügt Webber, Alonso schmeißt das Rennen weg. Der Spanier hat zu viel Eile, Massa keinen Rhythmus. Ferrari schafft es nicht, dran zu bleiben. Da sind wir wieder, was für eine Langeweile. Wir dachten, wir hätten diese Geschichte hinter uns gelassen, vom Ferrari der immer hinterherfährt. Aber dann reicht eine Runde in Sepang, um ein Jahr zurückzufallen. Oder zwei.“

El Pais

„Man kann Mark Webber vorwerfen, was man will, aber der Australier ist und bleibt ein Gentleman. Andere Rennfahrer an seiner Stelle hätten einen großen Krach inszeniert.“

El Periódico

„Eine Überdosis von Red Bull: Die Sieger Vettel und Webber geben auf dem Podium ein bedauernswertes Bild ab. Welch lange Gesichter! Sogar der Dritte Lewis Hamilton schaute verbittert drein.“

L'Équipe

„Missstimmungen in Malaysia. Es hat nicht viel geregnet auf der Grand-Prix-Strecke, aber nach der Ankunft lag ein Unwetter in der Luft. Selten hat man solche Spannungen auf einem Podium gesehen, außer vielleicht in der großen Epoche der Duelle zwischen Prost und Senna.“

Kronen Zeitung

„Eiszeit in der Formel 1. Sehen so Sieger aus? Zwar schafften Sebastian Vettel und Mark Webber beim Formel-1-Grand Prix von Malaysia den 13. Doppel-Erfolg für Red Bull, doch der hatte einen fahlen Beigeschmack. Denn Vettel hatte im Finish die Stallorder ignoriert und überholte Mark Webber. Seine Entschuldigung fand beim Teamkollegen kein Gehör.“

Webber fühlt sich betrogen und nicht zum ersten Mal übervorteilt von seinem jungen Kollegen. „Wir haben schon eine gewisse Geschichte. Aber ich sollte jetzt lieber nichts mehr sagen“, meinte der Australier schmallippig. Seit ihrem Crash 2010 in der Türkei hat sich das Verhältnis der beiden Red-Bull-Stars nie wieder normalisiert. Webber machte mehrfach seinem Unmut darüber Luft, dass Vettel angeblich intern bevorzugt wird.

Diesmal sprach sein Vater Alan für ihn: „Red Bull ist natürlich ein europäisches Unternehmen, sie wollen vermutlich mit einem europäischen Jungen kämpfen.“ Webber selbst hatte schon auf dem Podium geätzt, das Team werde Vettel nach seiner Aktion auch diesmal schützen.

Selbst in der Heimat von Red Bull hat Sebastian Vettel mit seinem unfairen Manöver zum Formel-1-Sieg in Malaysia scharfe Kritik hervorgerufen. „Der Weltmeister überholt ins Abseits“, titelte am Montag der „Kurier“. „Sehen so Sieger aus?“, fragte die „Kronen Zeitung“. Und die „Tiroler Tageszeitung“ machte einen „Hauch Schumi“ aus. „Gewinnen? Ja. Aber um jeden Preis?“

Dass sich Vettel der Teamanweisung widersetzte und seinem Red-Bull-Rivalen den Sieg wegschnappte, wird lange auf dem Hessen lasten. „Sebastian Vettel lässt seine Maske fallen“, meinte die Londoner „Times“. Italiens „La Stampa“ taufte Vettel kurzerhand den „Kannibalen“.

Kommentare (27)

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Quatsch

25.03.2013, 13:39 Uhr

Das ganze ist doch Quatsch. Der schnellste soll gewinnen. Schließlich ist es ein Wettrennen. Stallorder ist Absprache und erinnert an Fraktionszwang. Besser mal die Rennordnung überdenken, als sich über althergekommene Usancen echauffieren.

wil

25.03.2013, 13:46 Uhr

Quatsch ist auch der ständige Vergleich mit Schumacher.
RB muss sich erklären mit der Bestätigung von Vettel als Nr. 1. Webber's Vertrag läuft diese Saison, Vettel's bis 2016.
Der dreifache WM ist kein Kind mehr mit dem RB Spielchen spielen kann. Er kann bereits 2014 dorthin wechseln, wo der Schnellere auch siegen darf.

Account gelöscht!

25.03.2013, 14:02 Uhr

Wundert mich, dass Vettel noch nirgends mit Hitlerbart abgedruckt wurde.

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