Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.07.2012

12:35 Uhr

Hockenheimring

Ecclestone lässt auf sich warten

Traut sich Bernie Ecclestone zum großen Preis von Deutschland? Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Formel-1-Chef. Noch ist er nicht in Deutschland eingetroffen – trotz eindeutiger Beteuerungen.

Formel 1 Boss Bernie Ecclestone dpa

Formel 1 Boss Bernie Ecclestone

Vor seinem Wohn-Truck stehen die Blumenkästen, der künstliche Rasen ist verlegt. Auch die Luxuslimousine steht schon bereit. Die einzige Frage: Wann wird Bernie Ecclestone kommen, wenn überhaupt? „Ich kann es nicht sagen, ich weiß es ehrlich nicht“, sagte der Geschäftsführer der Hockenheimring AG, Georg Seiler. Zu Monatsbeginn hatte Ecclestone angekündigt, dass er wie geplant nach Deutschland reisen werde. „Natürlich fahre ich nach Hockenheim“.

Was die Situation so pikant macht, ist, dass weiter südlich die Münchner Staatsanwaltschaft an einer Anklage gegen den Geschäftsführer der Formel 1 arbeitet. Der wegen Bestechlichkeit bereits verurteilte frühere BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowksy hat inzwischen als Zeuge im Verfahren gegen den Briten bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt. Wie „Süddeutsche Zeitung“ und „Münchner Merkur“ am Freitag übereinstimmend berichteten, hat er dabei sein Geständnis aus dem Prozess wiederholt und Ecclestone beschuldigt, ihm 44 Millionen Dollar Schmiergeld gezahlt zu haben. Weder die Staatsanwaltschaft noch die Anwälte von Ecclestone und Gribkowsky wollten sich dazu äußern. Ecclestone bestreitet die Vorwürfe.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Gribkowsky konnte deshalb nicht zu einer Zeugenaussage im Ecclestone-Verfahren gezwungen werden. Allerdings hofft er, dass die Justiz ihm bei den Haftbedingungen entgegenkommt oder dass er vor dem Antritt seiner Strafhaft vielleicht noch aus der Untersuchungshaft freikommt. Gribkowsky hat auch angekündigt, dass er die Bestechungsgelder nach Deutschland zurückholen und den Schaden nach Kräften wiedergutmachen will. Die BayernLB und das Finanzamt wollen von Gribkowsky insgesamt rund 48 Millionen Euro haben. Wenn sich Anhaltspunkte für Schadenersatzansprüche gegen Ecclestone ergeben sollten, würde man auch die konsequent geltend machen, sagte ein Banksprecher.

Die Formel-1-Besitzergesellschaft CVC hat einem Medienbericht zufolge in ihrem Arbeitsvertrag mit Bernie Ecclestone auch eine Kündigungsklausel. Zuvor habe ein Vetorecht der Bambino-Holding dies stets verhindert, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ am Samstag. Bambino ist die Dachgesellschaft, hinter der Ecclestones Ex-Frau Slavica und die beiden gemeinsamen Töchter Tamara und Petra stehen. Seit wann der Vertrag zwischen Ecclestone und CVC auch mit einer Kündigungsklausel ausgestattet sein soll, wurde nicht bekannt. Im Prozess gegen den bereits verurteilten Ex-Banker Gerhard Gribkowksy sagte CVC-Chef Donald Mackenzie nach „SZ“-Angaben, die Formel 1 sei ohne Ecclestone mehr oder weniger wertlos sei. Weil der mittlerweile 81 Jahre alte Brite so mächtig und so schwer zu kontrollieren sei, stelle er aber auch ein Risiko dar, hatte der Schotte demnach erklärt. Aus diesem Grund habe CVC einiges grundlegend geändert, schrieb die Zeitung. CVC war vor sieben Jahren in das Formel-1-Geschäft eingestiegen.


Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×