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29.03.2014

11:35 Uhr

Krach um den Formel-1-Lärm

„Ich denke, der Sound ist scheiße“

VonSebastian Schaal

Mit klaren Worten lässt Weltmeister Sebastian Vettel die Welt wissen, was er von den neuen Turbomotoren hält. Die Rennbetreiber fürchten um ein Ausbleiben der Fans – wegen des Motorensounds.

Red-Bull-Fahrer teilte seinen Unmut über die neue Motorengeneration mit klaren Worten der Öffentlichkeit mit. AFP

Red-Bull-Fahrer teilte seinen Unmut über die neue Motorengeneration mit klaren Worten der Öffentlichkeit mit.

DüsseldorfBeim Auftaktrennen im australischen Melbourne hatte Sebastian Vettel viel Zeit, sich die anderen Rennwagen anzusehen und anzuhören. Bereits in der fünften Runde schied der vierfache Weltmeister wegen eines Problems mit seinem neuen Turbomotor von Renault aus. Das restliche Rennen verfolgte Vettel vom Red-Bull-Kommandostand an der Boxenmauer aus. Sein Fazit: Die Autos sind zu leise, sie klingen wie ein „Staubsauger“.

„Ich denke, der Sound ist scheiße. Ich war während des Rennens an der Boxenmauer, das klingt nach gar nichts. Das ist vielleicht besser als in einer Bar, aber nicht um viel“, legte der Heppenheimer vor dem Rennen in Malaysia nach. „Die Formel 1 muss doch ein Spektakel sein, und der Sound spielt dabei eine ganz elementare Rolle. Ich weiß noch, wie ich als sechsjähriger Knirps erstmals live Formel-1-Autos gesehen habe, da hat der Boden vibriert, als die Renner durchpfiffen. Es war so unglaublich laut! Du hast die Autos nicht nur gehört, du hast sie gespürt. Was wir jetzt haben, ist eine Schande.“

Formel Leise

Doch damit noch nicht genug der Vettel-Kritik: „Leider mache ich die Regeln nicht, sonst hätten wir einen schönen V12 im Heck und die Batterien wären im Handy, da wo sie hingehören. Es wäre schön, wenn man wieder mehr den Motor hört und nicht das Reifenquietschen. Wir sind doch nicht auf dem ADAC-Übungsplatz.“

Angestoßen hatte die Debatte Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone. In Australien sagte der mächtige Manager über die ungewohnte Geräuschkulisse: „Wenn du Erdbeermarmelade kaufst und Erdnussbutter bekommst, bist du verärgert.“

Wegen der neuen „Formel Leise“, wie es manche Spötter schon nennen, fürchten auch die Betreiber der Rennen ein Ausbleiben der Zuschauer. Ron Walker, Chef des Australien-GP, sprach sogar von einem Vertragsbruch: „Ursprünglich habe ich einen Giganten mit Lärm gekauft. Für das, was wir jetzt erlebt haben, habe ich nicht gezahlt.“ Viele Promoter seien verunsichert, ob der neue Sound die Fans von den Rennstrecken fern halte.

Auch Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz äußerte sich in einem seiner seltenen Interviews zum Krach um den Lärm – wenn auch deutlich diplomatischer. Der Milliardär und Red-Bull-Besitzer forderte, man solle „die Formel 1wieder zu dem zu machen, was sie immer war: die Königsdisziplin“.

Lauda will es nicht lauter

Die Formel 1 sei „weder dazu da, neue Rekorde im Benzinverbrauch aufzustellen, noch dass man sich im Flüsterton während eines Rennens unterhalten kann, das Lauteste der Boxenfunk und das höchste der Gefühle ein quietschender Reifen ist“, sagte Mateschitz dem „Kurier“. Es sei absurd, dass die Nachwuchsserie GP2 bei einem Bruchteil des Budgets mehr Motorsport und Kampf biete und fast gleich schnelle Zeiten fahre als die neue Formel 1.

Es gibt allerdings auch prominente Vertreter im Fahrerlager, die wenig von einer Rückkehr in die Tinnitus-Ära halten. Einer von ihnen ist Mercedes-GP-Aufsichtsratschef Niki Lauda: „Den Lärm da jetzt ins Spiel zu bringen, ist absurd und für mich nicht nachvollziehbar.“

Die Formel 1 sei eine Rennklasse, „die – was den Motor, oder besser ihre Technik betrifft – vollkommen im Trend, im Entwicklungstrend liegt. Der Gedanke, die Autos künstlich wieder laut zu machen, geht in die falsche Richtung und ist bizarr“, sagte der dreimalige Weltmeister der Tageszeitung „Die Welt“.

Kommentare (1)

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03.04.2014, 13:53 Uhr

Was macht di F1 erst, wenn mal Elektrorenner kommen, wie auf der Carrerabahn????

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