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19.04.2014

13:02 Uhr

Krisentreffen in der Formel 1

Eine Kostenbremse, die keiner will und keinem hilft

Eigentlich war alles klar: Von 2015 an gibt es in der Formel 1 eine Budgetgrenze. Doch plötzlich ist der Ausgabendeckel wieder vom Tisch. Viel Zeit bleibt nicht mehr für eine Lösung.

Auf einem Londoner Flughafen sollen alle Parteien am 1. Mai in einem Krisentreffen nach einer Lösung suchen. dpa

Auf einem Londoner Flughafen sollen alle Parteien am 1. Mai in einem Krisentreffen nach einer Lösung suchen.

ShanghaiDer ewige Streit ums Geld entzweit schon wieder die Formel 1. Die kleinen Teams fürchten mehr denn je um ihr Überleben, nachdem die Top-Rennställe die für 2015 beschlossene Budgetgrenze im Handstreich wieder gekippt haben. In einem Krisentreffen auf einem Londoner Flughafen sollen nun alle Parteien am 1. Mai nach einer Lösung suchen. Spätestens bis Ende Juni muss das Regelwerk für die kommende Saison und damit auch eine Kostenbremse verabschiedet werden. „Die Zeit läuft uns davon“, sagte Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn am Rande des Großen Preises von China in Shanghai.

Der Schweizer Rennstall hatte zuvor gemeinsam mit seinen Rivalen Force India, Caterham und Marussia einen Brandbrief an den Weltverbandspräsidenten Jean Todt geschickt. Mit scharfen Worten kritisierten die finanziell angeschlagenen Teams, dass der von ihnen ersehnte Kostendeckel nun doch nicht kommen soll. Die sogenannte Formel-1-Strategiegruppe hatte zuvor die Kehrtwende vollzogen und das Vorhaben gestoppt.

Die kleinen Teams sind in der Strategiegruppe nicht vertreten. Dort sitzen neben sechs Delegierten des Internationalen Automobilverbands FIA und sechs Abgesandten des Rechte-Inhabers um Bernie Ecclestone die sechs größten Rennställe. Das sind Weltmeister Red Bull, Ferrari, Mercedes und McLaren sowie Williams und als nichtständiges Mitglied noch Lotus. Vor allem die Branchenriesen Red Bull und Ferrari, die pro Jahr jeweils mehr als 250 Millionen Euro ausgeben, gelten als Gegner einer Budgetgrenze.

Stattdessen macht sich Red-Bull-Teamchef Christian Horner dafür stark, Einsparungen über Veränderungen im sportlichen und technischen Regelwerk zu erreichen. „Wir müssen die Kostentreiber identifizieren und dort die Bedingungen für alle angleichen“, sagte der Brite. Eine Ausgabengrenze von zunächst wohl rund 200 Millionen Dollar sei keine Hilfe für kleinere Teams. „Wie sollte eine Budgetgrenze von 200 Millionen Dollar Sauber helfen? Da sparen sie nicht einen Dollar“, erklärte Horner.

Die Frage ist nur, warum dann überhaupt der Beschluss für eine verbindliche Kostengrenze gefasst wurde. Im Dezember 2013 verkündete die FIA nach zähem Ringen, das Prinzip eines umfassenden Budgetdeckels werde eingeführt. Bis Ende Juni dieses Jahres solle eine Arbeitsgruppe entsprechende Regeln zur Verabschiedung durch den Motorsport-Weltrat vorlegen. Im Januar bestätigte FIA-Chef Todt die Absicht zur Senkung der Kosten vor den Weltratsmitgliedern.

Der Franzose gilt als klarer Befürworter einer Budgetgrenze. „Die Formel 1 liegt auf der Intensivstation. Ich habe Angst, dass wir Teams verlieren“, sagte Todt noch im März der „Welt am Sonntag“ und versicherte: „Alle wollen diese Obergrenze.“ Doch damit lag der frühere Ferrari-Teamchef offenbar daneben.

„Wir verstehen das nicht“, bekannte Sauber-Teamchefin Kaltenborn. Noch zu Jahresbeginn seien sich alle Teams einig gewesen. „Eigentlich ist die Zeit für diese Entscheidung lange vorbei, aber es ist ja nie zu spät“, sagte Kaltenborn. Force-India-Teamchef Bob Fernley erklärte: „Es geht nicht um kleine oder große Teams. Es geht um die Zukunftsfähigkeit der Formel 1.“

Nun richten sich alle Hoffnungen auf die Verhandlungen am 1. Mai. An dem von Todt und Chefvermarkter Ecclestone organisierten Treffen sollen zunächst alle Formel-1-Teams teilnehmen. Danach berät dann erneut die Strategiegruppe. „Hoffentlich kommen wir da wirklich zu Lösungen, und es ist nicht wieder eines dieser Meetings wie vorher, bei denen wir keine großen Schritte gemacht haben“, mahnte Kaltenborn.

Von

dpa

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