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14.06.2011

12:32 Uhr

Le Mans

Das härteste Rennen der Welt macht sich fit für neue Märkte

Für den Auftritt beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans investieren Audi und Peugeot viel Geld. In Deutschland jedoch trifft das größte Motorsportevent Frankreichs nur auf wenig Resonanz. Doch die Hersteller haben ohnehin einen anderen Markt in Blick: Die Marke Le Mans soll Mittelpunkt einer eigenen Weltmeisterschaft werden – und in China populär werden.

Benoît Tréluyer im Audi R18 TDI bei den 24 Stunden von Le Mans. Bei der 79. Auflage des Klassikers sicherte das Trio Marcel Fässler, André Lotterer und Benoît Tréluyer den Sieg. Quelle: Reuters

Benoît Tréluyer im Audi R18 TDI bei den 24 Stunden von Le Mans. Bei der 79. Auflage des Klassikers sicherte das Trio Marcel Fässler, André Lotterer und Benoît Tréluyer den Sieg.

Le MansDie französischen Sicherheitsbeauftragten sind unerbittlich: Nicht einmal Sébastien Loeb darf in Le Mans in die Boxengasse. Weil der amtierende Rallye-Weltmeister keinen feuerfesten Anzug hat, verweisen ihn die Ordner auf die Zuschauerränge. „Die Sicherheitsvorschriften sind halt etwas strenger dieses Jahr“, sagt der wohl prominenteste Rennfahrer Frankreichs, als er sich in der VIP-Loge von Peugeot einfindet. Wie der Rest der rund 250.000 Zuschauer muss er von weitem beim härtesten Rennen der Welt zuschauen, das sich für eine neue Zukunft rüstet.

Dass die 24 Stunden von Le Mans die Sicherheitsstandards verschärfen, hat seinen Grund. Ab nächstem Jahr ist das größte Motorsportevent Frankreichs Mittelpunkt einer neuen Langstrecken-Weltmeisterschaft. Der Veranstalter L'Automobile Club de l'Ouest (ACO) hat sich mit dem Automobil-Weltverband Fia auf eine sechs Rennen umfassende Kooperation geeinigt. Um die Partnerschaft zu besiegeln, durfte Fia-Präsident Jean Todt am vergangenen Samstag in Le Mans sogar den Startschuss geben.

Der WM-Status soll der Vermarktung auf die Sprünge helfen – und in Asien neue Märkte erschließen. Xavier Peugeot, der Marketingchef des Herstellers, macht aus der Strategie keinen Hehl: Es geht um China – wo die Automobilhersteller derzeit das größte Wachstum verzeichnen. „Wir bringen dort jedes Jahr mindestens ein neues Modell auf den Markt“, sagt Peugeot. „Die 24 Stunden von Le Mans sind als renommiertestes Rennen der Welt ideal, um das Image der Marke zu verbessern.“

FAQ Le Mans

Der Klassiker

Zum ersten Mal fanden die 24 Stunden von Le Mans 1923 statt. Das Sportwagen-Rennen entwickelte sich alsbald zu einem Klassiker. Gingen lange Zeit Zweier-Teams an den Start, treten seit den 1980er Jahren jeweils drei Fahrer in einer Mannschaft an. Gefahren wird auf dem 13,629 Kilometer langen Circuit de la Sarthe.

Streckenrekord

2010 knackte das Audi-Trio um den DTM-Piloten Mike Rockenfeller eine 39 Jahre währende Bestmarke, die der mittlerweile vor allem aus der Formel 1 bekannte Red-Bull-Berater Helmut Marko und der Niederländer Gijs van Lennep in einem Porsche 917 aufgestellt hatten. Bei ihrem Sieg 1971 fuhren sie 5335,3 Kilometer. Rockenfeller und sein deutscher Mitstreiter Timo Bernhard sowie Romain Dumas aus Frankreich kamen auf 5410,7 Kilometer.

Rekordgewinner

Rekordgewinner von Le Mans ist der Däne Tom Kristensen mit insgesamt acht Siegen. In den Jahren 1997, 2000 bis 2005 sowie 2008 erzielte er jeweils den ersten Platz. Ähnlich erfolgreich waren nur Jacky Ickx mit sechs sowie Derek Bell, Frank Biela und Emanuele Pirro mit jeweils fünf Siegen.

Rundenrekord

Der Brite Jackie Oliver fuhr bei den Vortests 1971 mit 3:13,6 Minuten die beste Rundenzeit, was einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 250,457 Stundenkilometern entsprach. Im selben Jahr fuhr Oliver mit 3:18,4 Minuten zudem die schnellste Rennrunde. Mit dem Porsche 917 Langheck erreichte er einen Rundenschnitt von 244,387 Stundenkilometern auf der damals noch 13,469 km langen Strecke.

Temporekord

Während des Rennens von 1988 raste Roger Dorchy in einem WM P87 von Welter Racing in der höchsten auf der Strecke von Le Mans gemessene Geschwindigkeit von 405 Stundenkilometern. Auf der langen Geraden, der Ligne Droite des Hunaudières, auch Mulsanne Straight genannt, gab es bis Ende der 1980er Jahre allerdings noch keine Schikanen.

Zuschauerrekord

Laut Ausrichter Automobile Club de l’Ouest (ACO) war die 76. Auflage des 24-Stunden-Rennen im Jahr 2008 das Rennen mit den meisten Zuschauern. Vor drei Jahren waren demnach 258.000 Menschen an der Strecke. 2011 sollen es 249.500 gewesen sein.

Die schwärzeste Stunde

Den schlimmsten Tag in Le Mans erlebte der Motorsport am 11. Juni 1955, als es zu einem Unfall zwischen Mike Hawthorn und Pierre Levegh kam. Teile des Mercedes des Franzosen flogen auf die Haupttribüne, mehr als 80 Menschen starben damals, auch Levegh war unter den Opfern. Es ist bis heute der schwerste Unfall im Motorsport. Nach dem Audi-Triumph von 2011 war erneut niemandem nach einer ausgelassenen Jubelfeier zumute. Nur mit viel Glück war der Ingolstädter Automobilhersteller gleich zweimal an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Es grenzte an ein Wunder, dass bei den beiden Horror-Unfällen der Audi-Piloten Allan McNish (Großbritannien) und Mike Rockenfeller (Neuwied) keine Menschen ernsthaft zu Schaden gekommen waren.

Schon im vergangenen Jahr veranstaltete der ACO im chinesischen Zhuhai ein Rennen, das erstmals Teil des sogenannten International Le Mans Cup war – ein Vorläufer der WM. Der Sieg von Peugeot sei für die Vermarktung wichtig gewesen, sagt Xavier Peugeot: „Früher lagen unsere Imagewerte in China unter dem Mittelwert, jetzt sind wir bereits darüber.“ Der Sport soll die Marke im oberen Segment weiter etablieren. Als Glückstreffer habe sich das Sponsoring der French Open erwiesen, sagt Peugeot. Fast 100 Millionen Chinesen verfolgten dieses Jahr im Fernsehen, wie mit Li Na erstmals eine Landsfrau das Turnier gewann. Die Bilder, bei denen die Tennisspielerin mit der Siegestrophäe vor dem Eiffelturm posierte, erschienen auf den Titelseiten der großen Zeitschriften – ungewöhnlich für eine Sportart, die im Reich der Mitte früher der Elite vorbehalten war.

Kommentare (2)

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dreass

14.06.2011, 17:01 Uhr

Schuhmacher wurde 4ter!!!

dreass

Wolfgang

14.06.2011, 18:01 Uhr

Das 24-Stunden-Rennen könnte auch in Deutschland größere Resonanz erfahren, nur müßte da mal ARD oder ZDF das Rennen auch übertragen, man könnte dann im Gegenzug einige dieser stink langweiligen Kochsendungen streichen.

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