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18.01.2008

11:08 Uhr

Motorsport DTM

"Schumi II" darf auf "Silberpfeil"-Vertrag hoffen

Nach seinen ersten Testfahrten im DTM-Mercedes stehen die Chancen auf eine Festanstellung für Ralf Schumacher gut. Er müsse aber trotz seiner Formel-1-Erfahrung "mindestens zwei Lehrjahre einplanen", so Sportchef Haug.

Die erste Bewährungsprobe im DTM-"Silberpfeil" hat Ralf Schumacher mit Bravour bestanden, nun darf "Schumi II" auf eine Festanstellung bei Mercedes in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft hoffen. "Ralf ist bis heute ein Spitzenfahrer, er war nicht umsonst zehn Jahre in der Formel 1", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug dem sid. Zuvor hatte der bei Toyota ausgemusterte Ralf Schumacher den DTM-Mercedes zwei Tage auf der ehemaligen Grand-Prix-Strecke in Estoril/Portugal getestet und nach anfänglichen Problemen sichtlich Spaß an seinem neuen Arbeitsgerät.

Beide Seiten werden sich laut Haug nun zusammensetzen und über einen Vertrag beraten. Im Gespräch ist nach Informationen des Sport-Informations-Dienstes (sid) ein DTM-Engagement für 2008 plus Option für ein weiteres Jahr, falls "Schumi II" sportlich die Kurve kriegen sollte. Die Tests seien schon mal ganz gut verlaufen, sagte der Mercedes-Sportchef.

"Mindestens zwei Lehrjahre einplanen"

Haug, der den spektakulären Coup eingefädelt hatte, warnte aber zugleich vor zu großen Erwartungen: "Sollte sich eine Zusammenarbeit zwischen uns entwickeln, dann muss Ralf wie jeder andere Fahrer auch mindestens zwei Lehrjahre einplanen." Noch sei allerdings "überhaupt nichts entschieden".

Ralf Schumacher war nach dem Schnupperkurs ebenfalls zufrieden. Das Fahren mit einem DTM-Auto habe ihm noch mehr Spaß gemacht als er vorher erhofft habe, meinte der 32-Jährige. Er habe seine ersten 100 Runden im DTM-Mercedes genutzt, um schrittweise ans Limit zu kommen: "Mir ist klar, dass dies an einem Testtag nicht exakt zu erreichen ist." Ob es eine Fortsetzung geben wird, sei völlig offen: "Wir werden das jetzt in aller Ruhe besprechen."

Schumacher sei zuletzt in der Formel 1 unter Wert geschlagen worden. Haug: "Der Formel-1-Sport ist schnelllebig, wer nicht zur richtigen Zeit im richtigen Auto sitzt, hat ein Problem." Die DTM sei ein völlig neues Thema. Kommen, sehen und siegen gebe es dort nicht. Die Wettbewerbsdichte sei unglaublich eng, oft finden die Duelle laut Haug im Tausendstelbereich statt.

Bei Mercedes würde Schumacher die Lücke schließen, die durch den Rücktritt von Publikumsliebling Mika Häkkinen (Finnland) nach der Saison 2007 entstanden ist. Der 32-Jährige wäre zusammen mit "Mister DTM" Bernd Schneider (43) das Zugpferd der Silberpfeile. Haug habe nicht eine Sekunde versucht, Häkkinen umzustimmen und zum Weitermachen zu bewegen: "Rennfahren ist Leidenschaft, und zur Leidenschaft kann man niemanden überreden." Häkkinen bleibe als Markenbotschafter aber weiter in der Mercedes-Familie.

Stolz verweist Haug darauf, dass es außerhalb der Formel 1 wohl keine andere Rennserie gebe, in der sich so viele bekannte Fahrer gemessen haben. Ideal sei es, wenn sich große Namen mit zunächst noch unbekannten messen und der sogenannte Nobody gegen den Star siegfähig sei. Das alles habe die DTM in den vergangenen Jahren präsentiert. "Häkkinen, Alesi, Schneider, Kristensen haben genauso Rennen gewonnen wie sie von Tomczyk, Spengler oder Green auch geschlagen wurden", meint der Mercedes-Sportchef.

Obwohl die DTM eine optimale Werbe-Plattform ist, sind nur Audi und Mercedes werksseitig engagiert. Das Siegen sei in der DTM nicht ganz einfach, sagt Haug. Und der enge Wettbewerb würde halt einen dritten Hersteller von dem Wagnis abhalten: "Unauffällig verlieren kann man dort auch nicht, dafür ist die Medienresonanz viel zu groß."

Spekulationen zufolge denkt Lexus über einen DTM-Einstieg 2009 nach. "Ich habe das Auto gesehen, offensichtlich fährt es, mehr weiß ich zu diesem Thema nicht", sagt Haug. Doch in seinem Haus könne man jetzt nicht die Aufgabe übernehmen, weitere Wettbewerber zu akquirieren: "Konkurrenz ist uns stets willkommen, über ihren Einsatz entscheiden können wir natürlich nicht."

© SID

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