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23.09.2011

11:39 Uhr

Motorsport

Formel-1-Rennställe schlagen Ökokurs ein

VonThomas Mersch

Auf den Rennstrecken der Formel 1 sollen bald auch E-Autos zum Einsatz kommen und dem Motorsport ein grüneres Image verleihen. Vom Trend zu effizienteren Antrieben sollen vor allem Serienmodelle profitieren.

Motorentwickler müssen aufgrund strenger Vorgaben effizienter werden: Der Verbrauch auf den Rennstrecken soll sinken. dapd

Motorentwickler müssen aufgrund strenger Vorgaben effizienter werden: Der Verbrauch auf den Rennstrecken soll sinken.

KölnWährend Sebastian Vettel bei dem Großen Preis in Singapur (Sonntag, 14 Uhr) Kurs auf den WM-Titel nimmt, den der Red-Bull-Pilot schon im 14. von 19 Läufen verteidigen könnte, bannt sich in der Branche ein Kampf um ein grüneres Image an. Die Autos sollen leiser, umweltfreundlicher werden. Autorennen ohne Motorendröhnen? Für die Betreiber von Formel-1-Strecken ist das ein Alptraum. Die Mehrzahl von ihnen protestierte im Juni gegen den neuen Motor, der ab 2014 zum Einsatz kommt. Angesichts der geplanten Absenkung der erlaubten Drehzahl um ein Drittel sei zu befürchten, dass die Boliden wie „scheppernde Konservendosen“ klingen, polterte der Chef des australischen Grand Prix, Ron Walker. „Der Sound ist Teil der Marke.“

Die Drohung wirkte. Den Umstieg vom Acht- auf einen Sechszylindermotor hat der Automobilweltverband Fia zwar beschlossen. Das Drehzahllimit aber wurde nur moderat gesenkt. Deutlich sparsamer soll es dagegen künftig beim Verbrauch zugehen: Strenge Vorgaben zwingen die Motorenentwickler zu mehr Effizienz.

„In der Formel 1 wie auch in anderen Motorsportserien ist ein Trend hin zu umweltfreundlicherer Antriebstechnik klar erkennbar“, sagt Guido Stalmann, Gesellschafter der Münchener Sportvermarktungsagentur SKH Relations. Jüngstes Indiz: eine eigene Rennserie für Elektroautos, die die Fia derzeit vorbereitet. Schon 2013 sollen die strombetriebenen Flitzer an den Start gehen. „Unmittelbar ist das keine Konkurrenz zur Formel1“, sagt Stalmann. „Doch die Verantwortlichen der Fia haben erkannt, dass sie etwas tun müssen.“ Er erwartet, dass die Rennen in Städten stattfinden und neue, jüngere Zielgruppen ansprechen sollen.

Als Konkurrenz zur Formel 1 sieht Norbert Haug, Motorsportchef bei Mercedes-Benz, die Pläne des Automobilweltverbands nicht. „Das ist sicher eine interessante Ergänzung, jedoch sehen wir mittelfristig darin keine Alternative“, sagt Haug. „Die Möglichkeiten, die der Verbrennungsmotor bietet, sind noch lange nicht ausgereizt“ Rund 35 Prozent weniger Sprit werde der V6-Motor verbrauchen, der für die neue Motorenformel entwickelt werde. „Denn der Benzinzufluss wird vom Reglement limitiert“, sagt Haug. „Somit wird derjenige Motor der beste sein, der am effizientesten mit der vorgegebenen Energiemenge auskommt.“

Haug verweist zudem auf das von seinen Formel-1-Motorenexperten in Zusammenarbeit mit Daimler/Mercedes-Benz Research & Development entwickelte Kers Hybrid: „Mit diesem System zur Rückgewinnung von Bremsenergie haben wir als erstes Team 2009 einen Grand Prix gewonnen.“ Die ab 2014 vorgeschriebenen 1,6-Liter-Turbomotoren mit dem damit verbundenen Rückgewinnungssystem von Hitze- und kynetischer Energie werden laut Haug „die verbrauchseffizientesten Motoren in der Geschichte der Formel 1 sein“.

Vom Trend zu effizienteren Antrieben profitieren Serienmodelle. „Man kann Bauteile aus Rennwagen nicht einfach in die Serie überführen“, sagt Experte Stalmann. „Aber die technischen Erkenntnisse lassen sich durchaus nutzen.“ Das gilt selbst für den Bau von strombetriebenen Autos, wie sie der Anbieter E-Wolf herstellt. Nach dem Formel-1-Ausstieg von Toyota hat sich das Frechener Unternehmen mit Technikern des Rennstalls verstärkt. „Sie bringen ihre Erfahrung mit dem Kers-System bei der Entwicklung von elektronischen Antrieben ein“, sagt Fabian Krohn, Projektmanager bei E-Wolf.

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