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05.01.2007

15:35 Uhr

Motorsport Formel1

Formel 1 beschert dem Nürburgring rote Zahlen

Die Formel 1 auf dem Nürburgring ist in den vergangenen Jahren zu einem teuren Minusgeschäft geworden. Angesichts der kommenden Rotation und dem Karriereende von Michael Schumacher ist Besserung nicht in Sicht.

Der Blick in die Zukunft ist fast noch düsterer als die "schwarze Serie" der vergangenen Jahre mit Verlusten in Millionenhöhe und sinkenden Zuschauerzahlen. Jetzt findet nur noch alle zwei Jahre ein Rennen statt, zudem fehlt auch noch Zugpferd Michael Schumacher. Nach dem jahrelangen Boom kämpft die Nürburgring Gmbh um die Formel 1. "Bei uns gehen die Lichter nicht aus. Wir haben noch einen Vertrag bis 2011, und im Interesse der Region wollen wir die Formel-1-WM natürlich halten", sagte Nürburgring-Hauptgeschäftsführer Walter Kafitz dem sid am Freitag.

Kafitz reagierte damit auf einen entsprechenden Bericht des rheinland-pfälzischen Landesrechnungshofs. Demnach musste die Traditionsrennstrecke in der Eifel in den Jahren 2004 und 2005 ein Minus von je neun Mill. Euro verkraften. Der Geschäftsführer verweist auf jährlich steigende Kosten von zehn Prozent. Außerdem kassiert Formel-1-Boss Bernie Ecclestone bei jedem Grand Prix kräftig mit: Etwa 16 Mill. Euro soll der Brite erhalten.

Ecclestone kassiert 16 Mill. Euro pro Rennen

Kafitz räumt ein, dass der "Ring" betriebswirtschaftlich ohne die Formel 1 besser dastehen würde. Und ab 2007 muss man ohne Schumi über die Runden kommen. "Mir wäre es natürlich viel lieber gewesen, wenn Michael weitergemacht hätte. Die Umstände sind ohne ihn nicht besser geworden", meint der Geschäftsführer. Dies müsse man jetzt durch nur noch ein Rennen in Deutschland kompensieren. Kafitz: "Aber es sind eine Reihe von jungen deutschen Fahrern in Sicht, und wer weiß: Vielleicht wird ja einer von ihnen der neue Schumi."

Doch die Zukunft sieht nicht gerade rosig aus. Wenn die Zuschauerzahlen noch weiter sinken und die Fahrerfeldgebühren steigen, erwarten die Rechnungsprüfer bei den drei Formel-1-Rennen bis 2011 Verluste von 15 und 20 Mill. Euro. Wegen der angespannten wirtschaftlichen Situation wird ab dieser Saison nur noch ein Formel-1-Rennen in Deutschland ausgetragen, das im jährlichen Wechsel auf dem Nürburgring und in Hockenheim stattfindet.

"Die wirtschaftliche Entwicklung hat sich seit der Prüfung 2000 verschlechtert", bilanziert Rechnungshofpräsident Volker Hartloff, der die Situation als "äußerst angespannt" beurteilt. Trotz aller Verluste sei die Formel 1 ein unverzichtbarer Bestandteil des Gesamtkonzepts Nürburgring, sagte Kai Krischnak, Sprecher des Wirtschafts- und Verkehrsministeriums Rheinland-Pfalz, dem sid.

Rotation mit Hockenheimring wird begrüßt

Die Rotation mit dem Erzrivalen Hockenheim begrüßt Krischnak, weil dadurch die Kosten halbiert würden. Daher habe er auch keine Angst vor der Zukunft: "Denn bei allen anderen Veranstaltungen außerhalb der Formel 1 schreibt die Nürburgring Gmbh schwarze Zahlen." Er sehe außerdem in der Entfaltung der Erlebniswelt am Nürburgring eine große Unabhängigkeit von der Formel 1. Das Eigenkapital von 27,6 Mill. Euro (Stand: Ende 2005) wäre 2009 verbraucht, meint Rechnungshofpräsident Hartloff. 2005 stand beim Gesellschaftsergebnis unterm Strich ein Minus von 9,67 Mill. Euro. Er schlägt vor, bei Folge-Verträgen für die Formel 1 über 2011 hinaus über bessere Vertragsbedingungen zu verhandeln oder die Ausrichtung des Rennens per Verpachtung an andere Veranstalter zu vergeben. Diese Option wird aber beim Wirtschaftsministerium nicht erwogen, so Krischnak.

"Der Ring hat dieselben Probleme wie fast alle Rennstrecken der Welt: Sie machen Verluste", sagte Kafitz. Deshalb wurden seit 1994 mehr als 100 Mill. Euro in Zusatzangebote investiert - aus eigener Kraft, nicht aus Landesmitteln.

"Seit mehreren Jahren haben wir wieder steigende Besucher in der Erlebniswelt. Aber das Angebot reicht heute nicht mehr aus, um profitabel zu sein." Der Ausbau der "Erlebnisregion" mit Boulevard, Hotel, Arena, Autowelten und einem "Motorsport-Dorf" soll innerhalb von drei Jahren den Durchbruch in die Schwarzen Zahlen bringen. Der Rechnungshof ist nicht so optimistisch: Von 2000 bis 2005 hat der Erlebnispark sein Besucherziel von 150 000 pro Jahr nicht erreicht, die Gesellschafter mussten 2,5 Mill. Euro zuschießen.

© SID

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