Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2008

14:11 Uhr

Motorsport Formel1

Hamilton: "Ich glaube an harte Arbeit und Hingabe"

Am Rande von Testfahrten im spanischen Valencia hat Lewis Hamilton dem Sport-Informations-Dienst (sid) ein Interview gegeben. Darin sprach der Formel-1-Pilot auch über seine Ziele.

Im vergangenen Jahr war er als Neueinsteiger die Sensation der Formel 1 und hätte sogar fast den WM-Titel gewonnen. Das will Mclaren-Mercedes-Pilot Lewis Hamilton jetzt nachholen. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) am Rande der Testfahrten in Valencia in dieser Woche verriet er, worauf genau er bei seiner Vorbereitung Wert legt, sprach über seine Familie, Geld und Ayrton Senna.

sid: "Sie haben in der vorigen Woche einen neuen, deutlich besser dotierten Vertrag unterschrieben. War es gut, dass Sie Ihre Gehaltserhöhung nicht schon früher bekommen haben?"

Lewis Hamilton: "Warum? Welchen Unterschied hätte das gemacht?"

sid: "Ganz einfach. Sie waren dadurch nicht in Gefahr, viel Geld durch den jüngsten Börsencrash zu verlieren. Im Ernst: Was bedeutet Geld für Sie?"

Hamilton: "Geld ist schon wichtig für jeden. Es garantiert Dir vor allem Stabilität. Es gibt mir die Möglichkeit, mich um meinen Bruder und um meine Familie zu kümmern, ihnen Dinge zu geben, die sie sich wünschen. Denn sie haben so viel für mich geopfert. Mein Bruder ist behindert, das beeinträchtigt sein Leben jedoch nicht übermäßig. Aber zu wissen, dass ich ihm mit irgendetwas helfen könnte, womit auch immer, ist beruhigend."

sid: "Haben Sie ein paar spezielle Ideen, wofür Sie einen Teil des Geldes ausgeben wollen?"

Hamilton: "Nein."

sid: "Es gab Meldungen, Sie würden Häuser für Ihren Vater und Ihre Mutter bauen wollen ..."

Hamilton: "Das habe ich auch in den Zeitungen gelesen. Wenn meine Familie das wollen würde, gerne. Ich will gerne - als Kind - etwas an meine Eltern zurückgeben. Das könnte ein Auto oder was auch immer sein, und es müsste auch nichts Materielles sein. Klar möchte ich meiner Mutter ein Haus kaufen. Sie kann aussuchen oder bauen lassen, was immer sie will."

sid: "Was ist für Sie wichtiger: Ihre Familie oder Ihr Sport?"

Hamilton: "Meine Familie."

sid: "Ihrem Sport haben Sie sich jetzt schon wie lange verschrieben? 15 Jahre?"

Hamilton: "Ja, seit ich acht Jahre alt war."

sid: "Wie viel Prozent Ihrer täglichen Arbeit sind auf Ihren Sport ausgerichtet?"

Hamilton: "100 Prozent!"

sid: "Sie denken also rund um die Uhr darüber nach, wo kann ich schneller fahren, was kann ich besser machen?"

Hamilton: "Ja, ich trainiere, denke darüber nach, wie ich mich am besten auf das erste Saisonrennen vorbereite oder wie das Rennen verlaufen kann. Darüber, wie und wann ich dorthin fliege, um die Auswirkungen des Jetlag zu minimieren. Wie ich verhindern kann, Zeit und Energie zu verlieren. Wie ich meine Kenntnisse verbessern kann und was ich lesen sollte."

sid: "Was ist Ihr bevorzugtes körperliches Training? Was macht Ihnen am meisten Spaß?"

Hamilton: "Ein Rennauto zu fahren. Fahren ist das beste Training. Ansonsten fahre ich gerne Rad und klettere. Schwimmen mag ich nicht. Dafür aber Mountainbiken und Wassersport."

sid: "Hatten Sie in Ihrer Jugend im Rennsport Idole?"

Hamilton: "Ja, viele Weltmeister. Natürlich Michael Schumacher zu meiner Zeit. Aber auch Ayrton Senna, Alain Prost, Damon Hill, Sir Jackie Stewart. Ich habe Bücher über sie gelesen und mir ihre Rennen angeschaut."

sid: "Sie haben auch den Namen Ayrton Senna genannt. Als Sie vor einiger Zeit bei den Autosport Awards in England geehrt wurden, hielt dessen Schwester Viviane die Laudatio auf Sie. War das ein sehr emotionaler Moment?"

Hamilton: "Ja, sehr, sehr emotional. Das war ein ganz besonderer Moment in meinem Leben. Das war ein Traum für mich, und ich war so überwältigt, dass sie da war. Sie ist eine wundervolle Person, und dass sie diese Reise auf sich genommen hat, nur um mir diese Auszeichnung zu verleihen, war für mich fast so, als ob Ayrton Senna selbst da gewesen wäre."

sid: "Kennen Sie persönlich Ayrtons Neffen und Vivianes Sohn Bruno, der seit 2007 in der GP2-Serie fährt? Würden Sie gerne irgendwann gegen ihn in der Formel 1 fahren?"

Hamilton: "Ja, ich kenne ihn. Für mich macht es keinen so großen Unterschied, gegen wen ich fahre. Aber ich denke, wenn er es schaffen sollte, wäre es großartig für unseren Sport, einen neuen Senna zu sehen."

sid: "Sie kamen 2007 als GP2-Champion in die Formel 1 und hatten ein fantastisches Jahr. Davor war Nico Rosberg als Meister aus der GP2 sehr gut in die Formel 1 eingestiegen. Jetzt kommt Timo Glock als nächster in dieser Reihe mit dem GP2-Titel in die "Königsklasse". Was trauen Sie ihm in dieser Saison zu?"

Hamilton: "Das wird die Zeit zeigen. Er ist ein starker Fahrer, der schon viel erlebt hat, und ich denke, er wird Toyota gut tun. Er bringt junges, frisches Blut ins Team, Entschlossenheit, neue Ideen. Das ist großartig für das Team und gut für den Sport."

sid: "Welche Fahrer werden in diesem Jahr Ihre Haupt-Konkurrenten sein?"

Hamilton: "So ziemlich die gleichen wie im letzten Jahr."

sid: "Das würde bedeuten: zwei Ferrari ..."

Hamilton: "Zwei Ferrari, möglicherweise BMW-Sauber, ich denke, vielleicht werden auch Renault oder andere wieder an der Spitze dabei sein."

sid: "Renault hauptsächlich wegen der Rückkehr von Fernando Alonso ..."

Hamilton: "Das Team hat schon im letzten Jahr mit seinen vorherigen Fahrern viel gelernt. Sie sind ein großes Team und haben über den Winter hart an ihrem neuen Auto gearbeitet. Ob sie dadurch wieder besser sind, werden wir sehen."

sid: "Wer wird in diesem Jahr den WM-Titel holen?"

Hamilton: "Ich mache niemals Vorhersagen. Ich glaube an harte Arbeit und Hingabe. Wir werden härter arbeiten und kämpfen als alle anderen hier. Dann werden wir sehen."

© SID

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×