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02.04.2006

07:44 Uhr

Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso hat den Großen Preis von Australien gewonnen und seinen zweiten Sieg im dritten Saisonrennen gefeiert. Der Renault-Pilot aus Spanien siegte vor dem Finnen Kimi Räikkönen im Mclaren-Mercedes und baute seine Führung an der Spitze der Gesamtwertung aus. Toyota-Mann Ralf Schumacher wurde Dritter.

Große Freude auch bei BMW-Sauber: Nick Heidfeld (Mönchengladbach) und Jacques Villeneuve (Kanada) sorgten auf den Plätzen vier und sechs für das beste Resultat des neuen Teams. Pech hatte hingegen Neuling Nico Rosberg (Wiesbaden), der seinen Williams nach einer Kollision schon in der ersten Runde abstellen musste.

Schumacher-Aus in Runde 34

Für Michael Schumacher endete ein völlig verkorkstes Wochenende in der 34. von 57 Runden. Viel zu schnell raste der Ferrari-Star bei der Verfolgung des Engländers Jenson Button im Honda durch die Kurve vor der Start-Ziel-Geraden. Schumacher rutschte über die Randsteine, holperte über den schmalen Grünstreifen und krachte mit Tempo 185 in die Betonmauer. "Das ist für mich halt dumm gelaufen, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt", sagte der 37-Jährige, der den Crash völlig unbeschadet überstand.

Das Auto hätte untersteuert, sei ihm weggerutscht, "und dann ist mir halt die Straße ausgegangen", schilderte Schumacher. Was er dabei verschwieg: Er kämpfte nicht etwa um den Sieg, sondern lediglich um Position fünf. "Wir sind viel zu langsam", hatte der Wahl-Schweizer bereits nach seinem enttäuschenden zehnten Startplatz gesagt. Nach dem Unfallschock hatte Schumacher kurzzeitig sogar die Orientierung verloren. Als er aus dem schwer beschädigten Ferrari gestiegen und über einen Zaun geklettert war, suchte er vergebens einen Weg zurück in seine Box. Schließlich lief er durch die Toyota-Garage seines Bruders und verschwand.

Schumacher: "Wir sind besser als 2005"

Mit einigem Abstand stellte sich Schumacher den bohrenden Fragen und versuchte, die klägliche Vorstellung schönzureden. "Wir sind besser als 2005, aber wir müssen sicher noch sehr hart arbeiten", erklärte der 84-malige Grand-Prix-Sieger, der in wenigen Monaten darüber entscheiden will, ob er seine Karriere fortsetzt oder den Helm zum Jahresende an den Nagel hängt.

Vor zwölf Monaten hatte der Rekord-Weltmeister nach den ersten drei Rennen 24 Punkte Rückstand auf WM-Spitzenreiter Alonso, diesmal liegt er 17 Zähler hinter dem Spanier zurück. Der Renault-Pilot führt die WM-Gesamtwertung nach dem zweiten Saisonerfolg mit 28 Punkten vor seinem Teamkollegen Giancarlo Fisichella (Italien) und Räikkönen (beide 14 Punkte) sowie Schumacher (11) an.

Schumacher hatte drei Wochen vor dem Ferrari-Heimspiel in Imola (23. April) den Grund für die Pleite schnell ausgemacht. "Durch die vielen Safety-Car-Phasen war es nicht möglich, unsere Reifen richtig auf Temperatur zu bringen. Es war wie Glatteis, weil die Reifen nach zwei Verbremsern komplett ruiniert waren", erläuterte der Deutsche. Seine Hoffnung für Imola: "Dass wir endlich besser werden und nicht nur unter gewissen Bedingungen schnell sind."

Button scheitert kurz vor dem Ziel

Juan Pablo Montoya (Kolumbien) verlor an der gleichen Stelle wie zuvor Schumacher die Kontrolle über den Silberpfeil, dabei wurde die Elektronik des Autos beschädigt - der scheinbar sichere vierte Platz war dahin. Noch größeres Pech hatte Button, der den brennenden Honda keine 100 Meter vor dem Ziel mit einem kapitalen Motorschaden parken musste. Statt mit vier WM-Punkten für Rang fünf stand der von der Pole Position gestartete Brite als Zehnter mit leeren Händen da.

Dagegen konnte Ralf Schumacher sein Glück über den dritten Rang kaum fassen. "Damit hat niemand gerechnet, ich am wenigsten", meinte der Toyota-Pilot, warnte jedoch zugleich vor Euphorie: "Das war ein Anfang, doch das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir noch weit hinter den Top-Teams liegen."

Derweil freute sich Silberpfeil-Star Räikkönen darüber, "dass wir den Speed hatten, um den Sieg zu kämpfen". In der turbulenten Anfangsphase seien der Frontflügel und ein Vorderreifen beschädigt worden, sonst hätte er Alonso ernsthaft fordern können. "Wir haben auf der Motorseite einen guten Schritt gemacht. Für uns war das Rennen positiv", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

Nick Heidfeld gab der vierte Platz mächtig Auftrieb. "Wir wollen in ein paar Jahren an die Spitze kommen, im Moment sieht es ganz gut aus", sagte der Mönchengladbacher. Und BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen freute sich über einen durchschlagenden Erfolg, wenn man sehe, wie hoch die Leistungsdichte heute in der Formel 1 sei: "Da sind sechs, sieben, acht Teams vorne sehr stark. Wer da beide Autos unter die ersten Acht bringt, der kann das mit Sicherheit als Erfolg verbuchen."

Nachträgliche Zeitstrafe verhilft Coulthard zu erstem WM-Punkt

David Coulthard konnte nachträglich seinen ersten WM-Punkt der Saison feiern. Die Stewards hatten nach dem Rennen festgestellt, dass der US-Amerikaner Scott Speed in einer Phase unter Gelber Flagge seinen Konkurrenten Coulthard im Red-Bull-Ferrari unerlaubterweise überholt hatte. Toro-Rosso-Cosworth-Pilot Speed wurde mit einer Zeitstrafe von 25 Sekunden belegt und fiel damit vom achten auf den neunten Platz hinter Coulthard zurück.

© SID

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