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14.01.2007

13:56 Uhr

Motorsport Formel1

Neuer Ferrari-Renner in Maranello enthüllt

Auf Michael Schumacher mussten Organisatoren und Gäste der Team-Präsentation von Ferrari erstmals seit elf Jahren verzichten. Mit dem neuen Boliden will Ferrari auch ohne "Schumi" in der Formel 1 wieder auftrumpfen.

Einer fehlte bei der Team-Präsentation von Ferrari am Sonntag in Maranello - Michael Schumacher. Zum ersten Mal seit elf Jahren wurde ein roter Renner nicht vom Kerpener enthüllt. Der zurückgetretene Rekord-Weltmeister wird fortan als Berater aus seiner Schweizer Villa und einem eigenen Büro am Firmensitz für Ferrari arbeiten.

"Es ist schon komisch, dass er nicht mehr da ist. Michael hat sämtliche Rekorde gebrochen, der Sport hat viel verloren", meinte Ferrari-Pilot Felipe Massa (Brasilien). In "Schumis" Dienstwagen wird künftig Kimi Räikkönen sitzen, der nach seiner Leidenszeit bei Mclaren-Mercedes in der Saison 2007 die Fahrer-Krone wieder nach Italien holen soll. Dafür kassiert der Finne 25 Mill. Dollar, Schumacher hatte in seinem Abschiedsjahr allerdings das Doppelte verdient.

Um den Spanier Fernando Alonso, der nun Räikkönens Silberpfeil fährt, nach zwei WM-Titeln vom Thron zu stoßen, hat Ferrari offenbar keine Mühen und Kosten gescheut. Das neue Auto, das noch keinen Namen hat, soll inklusive der Entwicklungskosten geschätzte 120 Mill. Euro wert sein, also vom ersten Zeichenstrich auf dem Papier über unzählige Tests im hauseigenen Windkanal bis hin zur endgültigen Fertigstellung für die Rennstrecke.

Teures Auto, gekürztes Budget

Das Budget der "Scuderia" wurde unterdessen auf Anweisung von Fiat-Boss Luca di Montezemolo reduziert. "Wir können nicht mehr so weitermachen wie bisher", sagte der Italiener. In diesem Jahr stehen den "Roten" angeblich weniger als 250 Mill. Euro zur Verfügung - Branchenkrösus ist weiterhin Toyota mit 350 Mill. Euro. Ralf Schumachers Arbeitgeber hatte am Freitag als erstes Team seinen Boliden für die neue Saison präsentiert.

Die neue Zauberformel für die "Rote Göttin" im Jahr eins nach Schumacher heißt "F2007" und ist eine komplette Neuentwicklung im Vergleich zum Vorgänger "248 F1". Der "F2007" ist der insgesamt 53. Ferrari der Formel-1-Geschichte. Intern hatte das Projekt bis zur offiziellen Namensgebung den Arbeitstitel "658". Die gravierendste Änderung betrifft das Gewicht. Aufgrund der neuerlich verschärften Sicherheitsauflagen der FIA ist der "F2007" um fast zehn Kilogramm schwerer als das letztjährige Modell.

Stark überarbeitet wurde das Chassis, und die Radaufhängung ist aufgrund der Einheitsreifen von Bridgestone eine echte Innovation - auch aus aerodynamischer Sicht. Wegen der Änderung des Kühlsystems sind die Seitenkästen anders geformt, der Radstand wurde verlängert. Außerdem sticht wie bei den neuen Renault- und Toyota-Boliden das schmaler gewordene Heck sofort ins Auge. Das Getriebe, das längs eingebaut ist, wurde aus Kohlefaser gefertigt und verfügt laut Teamangaben über ein Schnellschaltsystem für sieben Gänge plus einen Rückwärtsgang ohne Zugkraftunterbrechung.

Der so genannte Shakedown des neuen Ferrari soll erst am Montag unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf der Hausstrecke in Fiorano stattfinden. Dann werden der Finne Räikkönen und Teamkollege Felipe Massa (Brasilien) das Auto intensiv testen. Die Feuertaufe steht allerdings erst beim WM-Start am 18. März in Melbourne an.

Räikkönen hin, neues Auto her - Phantom Schumacher war auch bei der Präsentation allgegenwärtig. "Michael ist ja immer noch Teil von Ferrari", sagte der neue Sportdirektor Stefano Domenicali: "Er weiß so viel, er kennt die Schlüsselmomente eines Rennens, weiß, was es bedeutet, ein Rennfahrer zu sein und kann als Berater machen, was er möchte."

Die Entscheidungen würden jedoch von den Verantwortlichen der jeweiligen Bereiche getroffen. Für das gesamte Jahr wurden bereits technische Meetings angesetzt, an denen Schumacher teilnehmen soll. Dabei soll er laut Technikchef Mario Almondo die Sichtweise eines Fahrers wiedergeben: "Wir entwickeln technische Möglichkeiten, so dass er bei Tests helfen kann, selbst wenn er nicht vor Ort ist."

Massa und Räikkönen kämpfen um Vorherrschaft

Massa ist Schumacher in jedem Fall sehr dankbar, er habe in seinem Lehrjahr 2006 viel von dem erfolgreichsten Rennfahrer der Formel-1-Geschichte gelernt. Die Königsklasse werde allerdings den Abschied Schumachers verkraften, meinte der Brasilianer: "Es gibt neue Fahrer. Alonso ist jetzt der Mann, auf den wir achten müssen, und ich hoffe, dass auch andere Fahrer das schaffen werden, was Michael geschafft hat."

Ferrari-Neuling Räikkönen hat keine Angst davor, dass er in der Gunst des Teams von Massa überholt werden könnte. Er habe sich gut in der Ferrari-Familie eingelebt, die Arbeit mit dem Team mache ihm viel Spaß. Deshalb stellt es für ihn auch kein Problem dar, dass er keinen Einfluss auf die Entwicklung des neuen Autos hatte. "Die Autos sind immer unterschiedlich, und ich habe genügend Zeit, mich daran zu gewöhnen", sagte der Finne.

Laut Almondo sei der neue Ferrari ein "innovatives" Auto. "Die Konkurrenz ist stark, wir mussten an der Aerodynamik, der Aufhängung und den Materialien arbeiten, und wir haben eine gute Basis", wird der Technikchef von F1-Live.com zitiert: "Es wird einige große technische Neuheiten geben, nicht alles, aber einige sehr extreme Neuheiten, Dinge, die in der Vergangenheit noch nicht gemacht wurden."

© SID

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