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01.01.2008

13:22 Uhr

Motorsport Formel1

"Schumi II" hakt Formel-1-Karriere ab

Ralf Schumacher sieht seine Zukunft nach dem Abschied von Toyota nicht mehr in der Formel 1. "Die Formel 1 wartet auf nichts und niemanden", erklärte der Kerpener im Hinblick auf seine aktuelle Situation ohne Cockpit.

Ralf Schumacher glaubt nicht mehr wirklich daran, seine Formel-1-Karriere wieder aufnehmen zu können. Vom Rat seines Bruders Michael, ein Jahr zu pausieren und dann einen neuen Anlauf zu nehmen, hält der 32-Jährige ganz im Gegenteil nicht viel. "Theoretisch ist das vielleicht möglich, praktisch muss man aber abwarten, was sich ergibt oder auch nicht. Die Formel 1 wartet auf nichts und niemanden", sagte Ralf Schumacher im Interview mit dem Internetportal Motorsport-Total.com.

In der Formel 1 werde man ihn deshalb wahrscheinlich nicht mehr wiedersehen, meint Ralf Schumacher. Ein kleines Hintertürchen hält sich "Schumi II" zwar noch offen, doch da müsse schon ein Wunder geschehen und "irgendein Team überlegt sich das über den Winter nochmal anders".

Vergleichbare Sicherheitsstandards als Bedingung

Er habe in der Formel 1 schöne Jahre, aber auch viele Unfälle erlebt oder überlebt, sagt Ralf Schumacher nach insgesamt elf Jahren in der Königsklasse rückblickend. Wenn er in Zukunft dem Motorsport erhalten bleibe, dann nur in Rennserien, die einen vergleichbaren Sicherheitsstandard wie in der Formel 1 haben. Alles andere sei nicht denkbar.

Da käme für Ralf Schumacher sicher nur noch ein Cockpit in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) in Frage. Und es gilt als offenes Geheimnis, dass sein Name schon seit geraumer Zeit auf dem Wunschzettel von Audi ganz oben steht. Doch nach den schlechten Erfahrungen mit dem ehemaligen Formel-1-Piloten Heinz-Harald Frentzen tun sich die Ingolstädter mit der Personalie Ralf Schumacher derzeit noch etwas schwer.

DTM sucht nach Zugpferd

Nach dem Rücktritt des zweimaligen Formel-1-Weltmeisters Mika Häkkinen (Finnland) steht die DTM vor einer schwierigen Saison und braucht dringend ein neues Zugpferd. Und das wäre Ralf Schumacher ganz sicher. Der Wahl-Salzburger müsste in der DTM aber erhebliche finanzielle Abstriche machen; rund 14 Mill. Euro pro Jahr wie zuletzt bei Toyota sind mehr, als alle 20 DTM-Rennfahrer zusammen verdienen. Deshalb wäre der Früh-Rentner im Winter-Schlussverkauf wahrscheinlich zum "Schnäppchen-Preis" von einer Million Euro zu haben.

Schumacher, der in seiner Karriere 180 Formel-1-Rennen fuhr und sechs davon gewann (alle für BMW-Williams), nährt die Spekulationen selbst. "Motorsport ist bis jetzt mein Leben gewesen und wird sicher ein großer Bestandteil meiner Zukunft bleiben. In welcher Form, das bleibt abzuwarten." Allerdings habe er derzeit "weder irgendwelche Angebote noch irgendwelche konkreten Vorstellungen".

Und noch etwas spricht für die DTM. Man werde ihn nie in Le Mans sehen, auch die Indy 500 würden ihn nicht reizen, sagt Ralf Schumacher: "Ein Oval wird mich nicht sehen, egal, in welchem Auto, und Le Mans werde ich auch nie fahren. Oder die Rallye Dakar auch nicht."

Kein Interesse an Formel-1-Hinterbänklern

Der Wechsel zu einem Hinterbänkler-Team in der Formel 1 komme für ihn nicht in Frage, betont der Familienvater jetzt, obwohl er zuvor sogar für Force India getestet hatte: "Ich würde schon gerne etwas machen, aber das Team beginnt bei Null und wäre daher nicht das Richtige für mich gewesen." Fakt ist auch: Ralf Schumacher war den Testfahrten zu langsam und konnte seine Formel-1-Tauglichkeit nicht nachweisen.

Nach drei erfolglosen Jahren bei Toyota, in denen er jede Menge Kritik einstecken musste, fühlt er sich dennoch nicht ausgebrannt. Ralf Schumacher: "Das wäre übertrieben. Es waren jedoch schwierige Jahre, und es war sehr enttäuschend für beide Seiten."

In so einem Konzern werde der Druck recht groß, wenn so viele Gelder fließen und so wenig dabei herauskomme, meint "Schumi II". Dann sei es schon besser, wenn man einen Schlussstrich ziehe. Er habe seine Zeit bei Toyota menschlich sehr genossen, "aber vom Erfolg her war es eine Katastrophe".

Dennoch setzt der in Köln ansässige Rennstall 2008 erneut auf einen deutschen Fahrer: GP2-Champion Timo Glock (Wersau) wird neuer Teamkollege des Italieners Jarno Trulli.

© SID

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