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03.02.2008

14:50 Uhr

Motorsport Formel1

Spanische Fans pöbeln gegen Mclaren-Mercedes

Mit Pöbeleien und tätlichen Attacken haben spanische Zuschauer Lewis Hamilton und sein Mclaren-Mercedes-Team zu den Formel-1-Testfahrten in Barcelona begrüßt.

Die Formel 1 steht in Spanien ganz hoch im Kurs, das Formel-1-Team Mclaren Mercedes dümpelt auf der iberischen Halbinsel hingegen im absoluten Sympathie-Tief. Während der Formel-1-Testfahrten in Barcelona wurde das deutsch-englische Team immer wieder Opfer verbaler und tätlicher Attacken der spanischen Zuschauer. Die Silberpfeile sind ein rotes Tuch für die Spanier, die das Team für den verpassten WM-Titel ihres Landsmannes Fernando Alonso 2007 verantwortlich machen.

Bei den Tests auf dem Circuit de Catalunya mussten am Samstag Sicherheitskräfte sogar die Tribüne schließen, die direkt gegenüber der Mclaren-Mercedes-Box liegt. Von da aus hatten aufgebrachte Fans immer wieder Gegenstände Richtung Mclaren-Mercedes geworfen. Daher bat Mclaren-Mercedes die Verantwortlichen an der Rennstrecke, die Tribüne zu räumen. Zuvor hatten die Offiziellen bereits mehrere Anti-Mclaren-Transparente entfernt.

Hamilton ist Hassobjekt der Spanier

Vor allem Shootingstar Hamilton, der seinem Teamkollegen Alonso in der vergangenen Saison die Show gestohlen hatte, bekam die Rache der Iberer deutlich zu spüren. Der 23-jährige Brite wurde wegen seiner Hautfarbe in Sprechchören beleidigt. "Schlimm, so darf man einen Menschen nicht behandeln", sagte Indy Lull, Manager des Mclaren-Testteams.

In den Augen vieler Spanier ist Alonso im Duell gegen Hamilton zum Mobbing-Opfer geworden. Der zweimalige Weltmeister hat das Team inzwischen nach nur einem Jahr wieder verlassen und ist zu seinem ehemaligen Arbeitgeber Renault zurückgekehrt, wo er 2005 und 2006 jeweils den WM-Titel eroberte.

Mclaren-Mercedes reagierte mit Unverständnis auf das Verhalten der spanischen Fans. "Wir haben in diesem Land schon viele Rennen bestritten und oft Testfahrten absolviert. Jeder in unserem Team behandelt die Menschen hier mit großem Respekt, Lewis Hamilton eingeschlossen", meinte eine Teamsprecherin am Sonntag.

Organisatoren drohen harte Strafen

Den Organisatoren in Barcelona könnte nach dem Eklat sogar ein Nachspiel drohen, falls der Automobil-Weltverband FIA Ermittlungen einleitet. Von einer drastischen Geldstrafe bis zu dem Verlust des Rennens ist in derartigen Fällen alles möglich. "Wir appellieren an die Zuschauer, dass wir ein derartiges Verhalten nicht tolerieren können", sagte Streckenchef Ramon Pradera der Zeitung La Vanguardia.

Insgesamt kamen 23 000 Zuschauer zu den Tests. Wegen des großen Andrangs änderten die Streckenbetreiber sogar die Öffnungszeiten für Sonntag und öffneten auch zusätzliche Eingänge, um so den Fans einen möglichst reibungslosen Zutritt zu gewähren. "Wir haben erwartet, dass viele Leute zu den Tests kommen werden, aber wir haben nicht damit gerechnet, dass sie schon so früh in der Saison kommen", meinte Pradera.

Alonso hat in Spanien einen Formel-1-Boom ausgelöst, ähnlich wie der siebenmalige Weltmeister Michael Schumacher in Deutschland. Für den Großen Preis von Spanien am 27. April in Barcelona haben die Streckenbetreiber nach eigenen Aussagen bereits mehr als 60 000 Eintrittskarten verkauft.

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat schon auf die Alonso-Mania reagiert und ein zweites Rennen auf der iberischen Halbinsel in den WM-Kalender aufgenommen: Am 24. August findet erstmals ein Großer Preis von Europa in Valencia statt.

Alonso erfreut über spanischen Formel-1-Boom

In Valencia kamen unlängst sogar mehr als 70 000 Fans zu den Testfahrten. Lokalmatador Alonso ist begeistert über den Zuspruch seiner Fans: "Das ist ein großartiges Gefühl. Normalerweise testen wir vor leeren Tribünen, in Valencia dagegen war es wie bei einem Grand Prix."

Schon jetzt freut sich Alonso auf seine beiden Heimspiele. Das sei eine großartige Chance für sein Land und für den Motorsport in ganz Spanien. Für ihn sei damit ein Traum wahr geworden, meint der Renault-Heimkehrer. Vor ein paar Jahren seien die Formel-1-Rennen noch nicht mal live im Fernsehen übertragen worden, und nur wenige hätten sich dafür überhaupt interessiert. Alonso: "Und nun haben wir gleich zwei Rennen, und die Leute sind verrückt nach der Formel 1."

© SID

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