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01.04.2006

11:24 Uhr

Motorsport Formel3

Senna-Neffe gewinnt erstmals Formel-3-Rennen

Fast zwölf Jahre nach dem tragischen Unfalltod des dreimaligen Weltmeisters Ayrton Senna, macht sein Neffe Bruno auf sich aufmerksam. Im Melbourne gewann der 22-Jährige jetzt erstmals einen Formel-3-Grand-Prix.

Bruno Senna ist nicht nur der Neffe des 1994 tödlich verunglückten Ausnahmefahrers Ayrton Senna, er schickt sich nun auch an, in die übergroßen Fußstapfen seines berühmten Onkels zu treten. In Melbourne gewann der 22-Jährige nun erstmals einen Formel-3-Grand-Prix. Als Bruno Senna dann ganz oben auf dem Siegerpodest stand, hinter ihm die brasilianische Flagge im Wind flatterte und dazu die Nationalhymne erklang, da bekamen einige im Formel-1-Zirkus eine Gänsehaut. Denn die Ähnlichkeit mit dem dreimaligen Weltmeister, nicht nur rein optisch, sondern auch in Ausdruck und Gestik ist nicht zu übersehen.

Im Formel-3-Rahmenrennen von Melbourne feierte der 22-Jährige den ersten Sieg in seiner noch kurzen Rennsport-Karriere überhaupt. "Ein unglaubliches Gefühl, ich habe mich immer gefragt, wie es wohl sein würde, ein Rennen zu gewinnen. Und jetzt muss ich sagen: Es ist einfach unbeschreiblich."

Die Freude war ihm anzusehen, auch noch am nächsten Tag: "Mir ist eine Last von den Schultern gefallen. Ich war ja schon letztes Jahr in der englischen Formel-3-Meisterschaft nahe dran - und nie hat es geklappt. Ich habe hart gearbeitet, musste ja in sehr kurzer Zeit sehr viel lernen und aufholen - und jetzt hat es sich ausgezahlt." Einmal auf den Geschmack gekommen, gewann er am Samstag auch das zweite Formel-3-Rennen im Albert Park.

Kart-Fahren war verboten

Lernen, Erfahrung sammeln, so viel und so schnell wie möglich - das sind Schlüsselworte. Nach Ayrton Sennas Tod am 1. Mai 1994 in Imola verbot Sennas Schwester Viviane ihrem Sohn erstmal das Kart fahren: "Die ganze Familie war dagegen, es ist ja auch irgendwie verständlich, ich musste das respektieren."

Acht Jahre versuchte Bruno Senna, der mit zwölf Jahren auch noch seinen Vater durch einen Motorradunfall verlor, das Rennfahren zu vergessen: "Aber es ging einfach nicht." Mit 18 erklärte er seiner Mutter, dass er unbedingt wieder fahren wolle: "Anfangs war sie natürlich nicht begeistert, es kam auch ziemlich überraschend für sie." Aber nach einiger Zeit erlaubte sie es doch, "und inzwischen steht sie voll dahinter. Aber wirklich ernsthaft in einem Rennauto habe ich erst wieder 2004 gesessen, in der englischen Formel BMW."

Familienoberhaupt und Großvater Milton Senna da Silva ist immer noch alles andere als begeistert. Bruno Senna: "Aber er muss meine Entscheidung respektieren. Und ganz nebenbei: Im übrigen war er es - und nicht Ayrton - der mich zum ersten Mal in ein Kart gesetzt hat." Jetzt muss Bruno Senna den Vorsprung der Rivalen im Formel-1-Tempo aufholen, und das scheint er zu schaffen. "2006 wird auf jeden Fall ein entscheidendes Jahr, ich will und muss unter die ersten Drei in der britischen Formel-3-Meisterschaft."

Ziel ist die Formel 1

Senna fährt im Team von Formel-1-Star Kimi Räikkönen und dessen Robertson-Management, mit Mercedes-Motoren. Dann soll auf jeden Fall ein Jahr in der GP2-Serie folgen - und dann der Sprung in die Formel 1. "Wenn ich die Leistungen bringe, dann werden die Angebote schon kommen", sagt Bruno Senna. Er weiß natürlich, dass sein Name viele Türen öffnet. "Der Name Senna ist ein Vermächtnis, er bringt eine hohe Verantwortung mit sich."

Eines hat er von seinem legendären Onkel Ayrton auf jeden Fall übernommen: Die Zielstrebigkeit und Ernsthaftigkeit, mit der er seine Aufgabe angeht - und den Ehrgeiz: "Ich mache das hier nicht nur zum Spaß. In unserer Familie macht niemand halbe Sachen. Was wir machen, das wollen wir perfekt machen."

Bruno Senna hat intensiv an seiner Fitness gearbeitet, er hat einen eigenen Personal Trainer, macht Ausdauer- und Krafttraining, und er boxt. "Das ist unheimlich gut, schult alles gemeinsam, auch Reaktionsschnelligkeit und Reflexe", sagt der 22-Jährige. Das Ziel ist auch nicht nur, einfach irgendwann in der Formel 1 anzukommen: "Das wäre mir zu wenig. Ich will auch dort gewinnen und natürlich Weltmeister werden."

© SID

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